interaktiv

Was tun nach dem Abi?

Wattenmeer

Autor:
Hannes

Rubrik:
orientieren

27.03.2018

Während der Abiturvorbereitung schwirrte mein Kopf vom Lernen von Formeln, Interpretationsaspekten und Auslösern der 48er-Revolution. Um über meine Pläne nach dem Abitur nachzudenken, hatte ich keine Zeit und schon gar nicht, um Bewerbungen zu schreiben. Doch dann stand ich plötzlich beim Abiball auf der Bühne, mein 2,0-Zeugnis in der Hand und das dreimonatige Praktikum bei der Naturschutzgesellschaft am Wattenmeer in Sicht.
Beim Dorffest in meiner Heimat feierte ich mit Schulfreunden meinen Abschied. Ich war der erste aus unserer Clique, der in die große, weite Welt gehen sollte. Wenige Tage später setzte ich mich für acht Stunden in den Zug, ehe ich Büsum an der Nordsee erreichte. Die „alten“ Ganzjahresfreiwilligen lernten ihre Nachfolger sowie mich als Praktikanten ein. In unserer kleinen WG organisierten wir alles selbst: Wir kochten gemeinsam (meistens vegan), schauten Dokus und genossen den Sommer. Ich fand es sehr interessant, an diesem komplett alternativ-grünen Lebensstil teilzunehmen – zum Beispiel vermieden wir Plastik oder verwerteten auch nicht mehr ganz so ansprechend aussehende Lebensmittel.
Auch die vielfältigen Tätigkeiten im Auftrag der Naturschutzgesellschaft waren sehr abwechslungsreich und gewinnbringend. Wir machten Wattwanderungen mit Touristen und Schulklassen, um ihren Blick für die Einzigartigkeit des Lebensraumes zu schärfen. Wir hielten Vorträge im Museum am Meer in Büsum. Und auch der aktive Naturschutz kam nicht zu kurz: Alle zwei Wochen kontrollierten wir „unseren Bereich“, einen 40 Kilometer langen Küstenstreifen, auf gestrandete Meeressäuger, auffällig viele Totvögel, Paraffinrückstände und Müll. Für Forschungsprojekte notierten wir auf einer Teststrecke am Büsumer Hafen jedes einzelne Müllteil. Und alle 14 Tage zählten und bestimmten wir jeden einzelnen See- und Watvogel an der Küste. Aber auch spontane Erlebnisse waren immer etwas Besonderes: Ob mit dem Seehundjäger eine Robbe vom Badestrand retten oder ein gutes Gespräch mit einem Touristen oder Backpacker führen, in Büsum war immer etwas los.
Nach meinen drei Monaten als Praktikant war aus uns Freiwilligen eine richtige Familie geworden. Der Abschied fiel mir deswegen extrem schwer. Die anderen blieben, ich zog weiter. Doch wohin?

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.