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Master live

Kleine grüne Männchen

Autor:
Franca

Rubrik:
studium

20.02.2017

In einem früheren Blogbeitrag habe ich von der Anamnesegruppe erzählt, an der ich dieses Semester teilgenommen habe. Als ich endlich dran war, mein Gespräch mit einem Patienten zu führen, war ich sehr aufgeregt und unsicher, ob ich es gut machen würde und es schaffen würde, ihm die nötigen Informationen zu entlocken. Der Patient, der mir zugeteilt wurde war erst ein paar Tage zuvor eingewiesen worden. Er sehe kleine grüne Männchen und zeigte sehr starke suizidale Tendenzen. Es war nicht sein erster stationärer Klinikaufenthalt.
Zunächst fiel mir auf, dass er sehr offiziell gekleidet war: Er trug Hemd und Jackett, an jedem Handgelenk eine Armbanduhr und hatte ein Aktentasche bei sich. Im Gespräch ging es vor allem um seine manisch-depressive Symptomatik. Er war noch in einer leicht manischen Phase und wirkte daher sehr aufgeweckt und aufmerksam. Und so paradox das klingt, aber er konnte meine Fragen trotzdem nicht richtig beantworten. Er antwortete zwar, jedoch meist nicht auf meine Fragen, sondern eher so, als hätte er sich schon vorher gute Antworten überlegt. Für mich war das sehr unangenehm und ich war froh, als es vorbei war. Das mit den grünen Männchen gehörte laut Akte zu einem psychotischen Schub, dies war ihm jedoch nicht bewusst. Das heißt, er hatte keine Krankheitseinsicht in seine Psychosen. Die manische Depression hingegen war ihm vollkommen bewusst, er erzählte viel und gerne über seine Symptome und was er so in den verschiedenen Phasen tat.
Etwa sechs Wochen später habe ich ihn wiedergesehen. Er kam als Fallbeispiel für eine manische Depression in einer der Psychiatrie-Vorlesungen (siehe „Drei Wochen Psychiatrie“). Das war für mich sehr interessant, da er nun aufgrund der ihm verschriebenen Medikamente eher in die depressive Symptomatik abgerutscht war und ich den direkten Vergleich zu vorher hatte. Nun wirkte seine Mimik deutlich erstarrt, er zeigte kaum Gemütsregungen und wirkte eher schläfrig und gedämpft. Er schien ein anderer Mensch zu sein.

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