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Master live

Trauma-Seminar

Als Teil des Moduls „Klinische Psychologie und Psychotherapie“ habe ich in diesem Semester ein Seminar besucht, in dem es um Störungen durch Traumata ging. In den ersten drei Sitzungen haben wir besprochen, welche spezifischen Ereignisse traumatische Folgen haben können, zum Beispiel Misshandlung und Vernachlässigung im Kindes- und Jugendalter oder Krieg und Flucht.
Ich habe mit zwei Kommilitoninnen ein Referat über die traumatischen Folgen von Krieg und Flucht gehalten. Ich fand vor allem die Behandlungsansätze spannend. Zum Beispiel gibt es eine Methode, die viel angewandt wird und vor allem auch nicht-sprachlich genutzt werden kann, bei der man seine Lebensgeschichte anhand positiver und negativer Erfahrungen aufrollt. Dafür legt man ein Seil auf den Boden aus, das stellt das Leben dar. Blumen stehen für positive/stärkende, Steine für negative/schwächende Ereignisse. So kann man nach und herausarbeiten, welche Ereignisse für die eigene psychische Entwicklung und für den aktuellen psychischen Zustand ausschlaggebend waren.
In den nächsten Seminarsitzungen haben wir über Störungsbilder gesprochen, die aufgrund traumatischer Erfahrungen entstehen können. Am bekanntesten ist die Posttraumatische Belastungsstörung. Bei dieser erleben Personen das traumatische Ereignis immer wieder in ihrer Vorstellung. Der Unterschied ist, dass sie sich nicht erinnern (auch das kann schon schlimm sein), sondern die Situation tatsächlich wiedererleben. Häufig werden diese sogenannten „Flashbacks“ durch Trauma-Trigger ausgelöst, also durch Reize, die an das traumatische Erlebnis erinnern. In meinem Praktikum in einer Klinik kannte ich einen Patienten, bei dem die Flashbacks durch herzhaftes Beißen in einen Apfel und das Geräusch, das dabei entsteht, ausgelöst wurden. In einer womöglich Jahre zurückliegenden Situation hatte er im Zusammenhang mit diesem Geräusch anscheinend etwas Negatives erlebt.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Feb 22, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Feb 22, 2017

Master live

Ein hartes Semester

Dieses Semester war das aufwendigste meines ganzen Studiums. Das habe ich mir ein wenig selbst zuzuschreiben, da ich meinen Master gerne in der Regelstudienzeit schaffen möchte, aber trotzdem die Sommersemester entspannter gestalten will. Ich dachte also, dass ich den Winter über einfach mehr als nötig mache. Dabei habe ich mich allerdings etwas übernommen, was sich leider direkt in den Noten niedergeschlagen hat.
In diesem Semester wollte ich viele sehr unterschiedliche Fachbereiche (Neuro, Wissenschaftstheorie, praktische Philosophie, Psychologie, Psychiatrie und Sprachphilosophie) gleichzeitig abdecken. Trotzdem bin ich davon ausgegangen, gute Noten in allen Fächern bekommen zu können – im Nachhinein unrealistisch und überambitioniert. Ich habe bisher alles bestanden und in der Philosophie entweder gute Leistungen erbracht oder wertvolles Feedback erhalten.
Umso mehr wurde ich in den vergangenen Wochen mit meinem eigenen Ehrgeiz konfrontiert. Beim Mittagessen in der Mensa erzählte mir eine Kommilitonin von einem Artikel, dessen These ich sehr treffend finde: Den Abiturienten meiner Generation würde – auch durch Youtube, Instagram und Facebook – immer vermittelt, absolut besonders und talentiert zu sein. Und das ist ja im Grunde auch etwas Schönes, kann aber zu überhöhten Erwartungen führen und dazu, dass man den eigenen Wert nur noch über seine Leistungen definiert. Und dieses Semester habe ich noch einmal gemerkt: Noten haben nichts mit der eigenen Wertigkeit zu tun. Denn sie hängen im starken Maße davon ab, wie viel Zeit man zum Lernen hat, und wie bereit man ist, dem Auswendiglerndruck des Bachelor-/Master-Systems nachzugeben. Und nein, ich möchte meine Zeit und meine psychische Gesundheit nicht aufs Spiel setzen, um über Wochen viele Stunden am Tage Dinge auswendig zu lernen, die ich dann wieder vergesse. Natürlich, zu bestehen ist wichtig und auch, dass man nicht ewig studiert. Aber mich so zu übernehmen wie dieses Semester, das möchte ich nicht noch einmal im Leben machen. Denn Lernen ist kein Prozess, den man beliebig beschleunigen kann. Man braucht seine Zeit.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Feb 21, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Feb 21, 2017

Master live

Kleine grüne Männchen

In einem früheren Blogbeitrag habe ich von der Anamnesegruppe erzählt, an der ich dieses Semester teilgenommen habe. Als ich endlich dran war, mein Gespräch mit einem Patienten zu führen, war ich sehr aufgeregt und unsicher, ob ich es gut machen würde und es schaffen würde, ihm die nötigen Informationen zu entlocken. Der Patient, der mir zugeteilt wurde war erst ein paar Tage zuvor eingewiesen worden. Er sehe kleine grüne Männchen und zeigte sehr starke suizidale Tendenzen. Es war nicht sein erster stationärer Klinikaufenthalt.
Zunächst fiel mir auf, dass er sehr offiziell gekleidet war: Er trug Hemd und Jackett, an jedem Handgelenk eine Armbanduhr und hatte ein Aktentasche bei sich. Im Gespräch ging es vor allem um seine manisch-depressive Symptomatik. Er war noch in einer leicht manischen Phase und wirkte daher sehr aufgeweckt und aufmerksam. Und so paradox das klingt, aber er konnte meine Fragen trotzdem nicht richtig beantworten. Er antwortete zwar, jedoch meist nicht auf meine Fragen, sondern eher so, als hätte er sich schon vorher gute Antworten überlegt. Für mich war das sehr unangenehm und ich war froh, als es vorbei war. Das mit den grünen Männchen gehörte laut Akte zu einem psychotischen Schub, dies war ihm jedoch nicht bewusst. Das heißt, er hatte keine Krankheitseinsicht in seine Psychosen. Die manische Depression hingegen war ihm vollkommen bewusst, er erzählte viel und gerne über seine Symptome und was er so in den verschiedenen Phasen tat.
Etwa sechs Wochen später habe ich ihn wiedergesehen. Er kam als Fallbeispiel für eine manische Depression in einer der Psychiatrie-Vorlesungen (siehe „Drei Wochen Psychiatrie“). Das war für mich sehr interessant, da er nun aufgrund der ihm verschriebenen Medikamente eher in die depressive Symptomatik abgerutscht war und ich den direkten Vergleich zu vorher hatte. Nun wirkte seine Mimik deutlich erstarrt, er zeigte kaum Gemütsregungen und wirkte eher schläfrig und gedämpft. Er schien ein anderer Mensch zu sein.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Feb 20, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Feb 20, 2017