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Master live

Ein hartes Semester

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

21.02.2017

Dieses Semester war das aufwendigste meines ganzen Studiums. Das habe ich mir ein wenig selbst zuzuschreiben, da ich meinen Master gerne in der Regelstudienzeit schaffen möchte, aber trotzdem die Sommersemester entspannter gestalten will. Ich dachte also, dass ich den Winter über einfach mehr als nötig mache. Dabei habe ich mich allerdings etwas übernommen, was sich leider direkt in den Noten niedergeschlagen hat.
In diesem Semester wollte ich viele sehr unterschiedliche Fachbereiche (Neuro, Wissenschaftstheorie, praktische Philosophie, Psychologie, Psychiatrie und Sprachphilosophie) gleichzeitig abdecken. Trotzdem bin ich davon ausgegangen, gute Noten in allen Fächern bekommen zu können – im Nachhinein unrealistisch und überambitioniert. Ich habe bisher alles bestanden und in der Philosophie entweder gute Leistungen erbracht oder wertvolles Feedback erhalten.
Umso mehr wurde ich in den vergangenen Wochen mit meinem eigenen Ehrgeiz konfrontiert. Beim Mittagessen in der Mensa erzählte mir eine Kommilitonin von einem Artikel, dessen These ich sehr treffend finde: Den Abiturienten meiner Generation würde – auch durch Youtube, Instagram und Facebook – immer vermittelt, absolut besonders und talentiert zu sein. Und das ist ja im Grunde auch etwas Schönes, kann aber zu überhöhten Erwartungen führen und dazu, dass man den eigenen Wert nur noch über seine Leistungen definiert. Und dieses Semester habe ich noch einmal gemerkt: Noten haben nichts mit der eigenen Wertigkeit zu tun. Denn sie hängen im starken Maße davon ab, wie viel Zeit man zum Lernen hat, und wie bereit man ist, dem Auswendiglerndruck des Bachelor-/Master-Systems nachzugeben. Und nein, ich möchte meine Zeit und meine psychische Gesundheit nicht aufs Spiel setzen, um über Wochen viele Stunden am Tage Dinge auswendig zu lernen, die ich dann wieder vergesse. Natürlich, zu bestehen ist wichtig und auch, dass man nicht ewig studiert. Aber mich so zu übernehmen wie dieses Semester, das möchte ich nicht noch einmal im Leben machen. Denn Lernen ist kein Prozess, den man beliebig beschleunigen kann. Man braucht seine Zeit.

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