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Master live

Kolonialismus 2.0 - Teil 3

Auch im größeren Rahmen sehe ich die Entwicklungszusammenarbeit kritisch. Organisationen aus reichen Ländern – seien es nun die großen staatlichen oder kleinere Initiativen – entwickeln Projekte und investieren viel Geld in deren Ausführung. Doch sie laufen immer Gefahr, an den Bedürfnissen und Gegebenheiten der Menschen oder des Landes vorbeizugehen.
Eine Kommilitonin berichtete mir von ihrer Arbeit in Südafrika. Sie ging in Slums in Kapstadt und sollte dort Workshops zum Thema Fremdenfeindlichkeit halten. Oft wurde sie von den Menschen dort scharf kritisiert. Ihr wurde vorgeworfen, die Situation nicht verstehen zu können, da sie als Europäerin nie in einem Slum gelebt hätte und es auch nie müsse. Meine Kommilitonin ging mit den besten Absichten nach Südafrika, aber musste sich eingestehen, dass eine Südafrikanerin den Job besser gemacht hätte als sie. Die großen Organisationen, aber auch junge Freiwilligen wie ich, werden von vielen Menschen vor Ort als Experten und Expertinnen angesehen, egal, ob sie es tatsächlich sind – ein koloniales Erbe, das weiterhin genährt wird.
„Was also tun?“, frage ich mich erneut. In keinen Flieger mehr steigen, um einen Freiwilligendienst zu leisten? Sicherlich ist das eine gute Lösung. Sie ist ökologisch sinnvoll und das Geld, das für den Auslandsaufenthalt ausgegeben würde, könnte gespendet werden und wahrscheinlich die Ausstattung für ein Klassenzimmer oder die Schulgebühren für eine komplette Klasse finanzieren. Wer wie ich trotzdem gehen möchte, kann darauf achten, zu einer Organisation von Einheimischen zu gehen. Er oder sie kann sich gegen das Bild des Experten wehren, kann mehr zuhören, als selbst zu reden, kann sich mit der Situation im Land beschäftigen.
Ich denke es ist wichtig, die eigene Rolle immer wieder zu hinterfragen, genauso wie größere politische Zusammenhänge wahrzunehmen und im Heimatland davon zu erzählen. Damit meine ich nicht, Fotos von sich und den armen Menschen zu zeigen, denen man geholfen hätte, sondern über die tatsächliche Situation zu berichten. Sich darüber zu informieren, wie Europas Machthaber und Machthaberinnen für diese Situation mitverantwortlich sind und wie auch du und ich, die keine politischen Größen sind, durch unser Konsumverhalten und unseren (unbewussten) Rassismus den Status quo einer ungerechten Welt aufrechterhalten.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  Jun 1, 2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
Jun 1, 2017

Master live

Willensfreiheit

Ein weiteres spannendes Seminar, das ich im Moment besuche, behandelt die Willensfreiheit. Geht es in den Medien um dieses Thema, sind meist Philosophen bei der Debatte präsent. Denn Neurowissenschaftlerinnen und Psychologen kommen häufig zu dem Schluss, dass unser Handeln nicht frei, sondern von den Naturgesetzen bestimmt ist. Häufig fällt in diesem Zusammenhang das Wort „determiniert“. Soll heißen, dass der Weltzustand festlegt, was in der Zukunft passiert. Demnach gäbe es keinen Platz für freie Entscheidungen. Da ich Psychologie im Bachelor studiert habe und nun Philosophie und Neurowissenschaften studiere, liegt dieser Themenbereich im Kern meines Masterprogramms.
In der philosophischen Debatte werden Probleme erst einmal auseinandergefriemelt. Dabei muss geklärt werden, was Willensfreiheit überhaupt meint. Sie wird häufig der Handlungsfreiheit gegenübergestellt. Ganz simpel: Wenn ich in einer Gefängniszelle eingesperrt bin, bin ich zwar nicht handlungsfrei, ich bin aber willensfrei, denn ich kann trotzdem denken, was ich will. Heutzutage wird die Frage nach Willensfreiheit eher auf die Frage heruntergebrochen, ob ich in einer bestimmten Situation anders hätte handeln können. Ich bin heute Morgen in die Uni gegangen. Hätte ich auch entscheiden können, nicht zu gehen? Dies steht jedoch nicht unbedingt dazu im Gegensatz, dass meine Entscheidung vorher durch Naturgesetze festgelegt war. Denn meine Entscheidung hätte auch einen zufälligen Grund haben können.
Deswegen gibt es letztlich zwei große Debatten: Erstens, ob die Welt als Ganze in ihrem Verlauf festgelegt ist und zweitens, was aus der Beantwortung der ersten Frage für die Freiheit folgt. Man kann also der Meinung sein, dass der Weltverlauf festgelegt ist und wir deswegen nicht frei sind. Dann ist man Inkompatibilitist und Determinist, weil man sagt, dass ein festgelegter Weltverlauft nicht mit Freiheit kompatibel ist. Oder man sagt, dass eine determinierte Welt trotzdem unsere Freiheit nicht einschränkt, dann ist man Kompatibilitist. Oder man sagt, dass die Welt nicht determiniert ist und wir frei sind, dann ist man Inkompatibilitist und ein sogennanter Libertarier. Oder man sagt, dass es irrelevant für die Freiheitsfrage ist, ob die Welt determiniert ist, dann ist man Agnostiker. Ziemlich kompliziert, was?
Ihr seht an diesem Beispiel, dass Philosophie häufig mit ausufernden und manchmal der Intuition widersprechenden Weltanschauungen sowie mit komplizierten Begriffen für diese zu tun hat. Dennoch ist die Debatte sehr spannend, wenn man sich ein wenig reingefuchst hat!

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Jun 1, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Jun 1, 2017

Master live

Bewerbungsdschungel

Bewerbungsschreiben sind eine Kunst für sich. Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Foto – es gibt eine Vielzahl an Dingen, die man dabei beachten muss. Und natürlich muss man sich dabei jedes Mal den spezifischen Anforderungen jeder einzelnen Stellenausschreibung anpassen. Bewerbungstrainer raten sogar, sich für jede Bewerbung einen ganzen Tag Zeit zu nehmen! Bei fünf, sechs potenziellen Arbeitgebern bedeutet das also einen ganzen Haufen Arbeit. Bleibt nur die Hoffnung, dass sich all das am Ende auch bezahlt macht.
Ich selbst werde mein Studium in gut zehn Monaten beenden und weil ich hoffe, im Anschluss direkt ins Berufsleben einzusteigen, bin ich jetzt schon auf Jobsuche. Ich möchte ein Redaktionsvolontariat in der bayerischen Hauptstadt München absolvieren, bei dem ich nicht nur meine bisher erworbenen Fähigkeiten weiterentwickeln, sondern von dem ich auch finanziell mein tägliches Leben bestreiten kann. Denn nachdem ich während meines Studiums hauptsächlich durch meine Eltern gesponsert wurde, ist es allmählich an der Zeit, auf meinen eigenen Beinen zu stehen.
Um also möglichst erfolgreich zu sein, lautet mein Motto fürs Bewerben: Masse UND Klasse. Egal, wie viel Mühe man sich mit einer Bewerbung auch gibt, man sollte sich sicherlich nicht darauf verlassen, mit einer alleine den Jackpot zu knacken. Deshalb konzentriere ich mich bei der Stellenrecherche nicht nur auf meine absoluten Favoriten, sondern bewerbe ich mich bei einem breiten Spektrum von Arbeitgebern. Manchmal sind nämlich gerade die kleinen Firmen jobtechnisch ein wahrer Goldschatz, denn nur weil am Klingelschild kein großer Name steht, heißt das ja nicht, dass man hier nicht trotzdem tolle Arbeit leisten und viel dazu lernen kann. Um jene Stellenausschreibungen zu finden, muss man das Internet allerdings etwas genauer durchforsten. Und das – ebenso wie die Bewerbungen an sich – braucht eben seine Zeit. Wahrscheinlich ist es das Beste, sich fürs Bewerben einfach mal ein paar Tage freizuschaufeln.

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  May 24, 2017
Autor: Noelle
Rubrik: studium
May 24, 2017