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Master live

Willensfreiheit

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

01.06.2017

Ein weiteres spannendes Seminar, das ich im Moment besuche, behandelt die Willensfreiheit. Geht es in den Medien um dieses Thema, sind meist Philosophen bei der Debatte präsent. Denn Neurowissenschaftlerinnen und Psychologen kommen häufig zu dem Schluss, dass unser Handeln nicht frei, sondern von den Naturgesetzen bestimmt ist. Häufig fällt in diesem Zusammenhang das Wort „determiniert“. Soll heißen, dass der Weltzustand festlegt, was in der Zukunft passiert. Demnach gäbe es keinen Platz für freie Entscheidungen. Da ich Psychologie im Bachelor studiert habe und nun Philosophie und Neurowissenschaften studiere, liegt dieser Themenbereich im Kern meines Masterprogramms.
In der philosophischen Debatte werden Probleme erst einmal auseinandergefriemelt. Dabei muss geklärt werden, was Willensfreiheit überhaupt meint. Sie wird häufig der Handlungsfreiheit gegenübergestellt. Ganz simpel: Wenn ich in einer Gefängniszelle eingesperrt bin, bin ich zwar nicht handlungsfrei, ich bin aber willensfrei, denn ich kann trotzdem denken, was ich will. Heutzutage wird die Frage nach Willensfreiheit eher auf die Frage heruntergebrochen, ob ich in einer bestimmten Situation anders hätte handeln können. Ich bin heute Morgen in die Uni gegangen. Hätte ich auch entscheiden können, nicht zu gehen? Dies steht jedoch nicht unbedingt dazu im Gegensatz, dass meine Entscheidung vorher durch Naturgesetze festgelegt war. Denn meine Entscheidung hätte auch einen zufälligen Grund haben können.
Deswegen gibt es letztlich zwei große Debatten: Erstens, ob die Welt als Ganze in ihrem Verlauf festgelegt ist und zweitens, was aus der Beantwortung der ersten Frage für die Freiheit folgt. Man kann also der Meinung sein, dass der Weltverlauf festgelegt ist und wir deswegen nicht frei sind. Dann ist man Inkompatibilitist und Determinist, weil man sagt, dass ein festgelegter Weltverlauft nicht mit Freiheit kompatibel ist. Oder man sagt, dass eine determinierte Welt trotzdem unsere Freiheit nicht einschränkt, dann ist man Kompatibilitist. Oder man sagt, dass die Welt nicht determiniert ist und wir frei sind, dann ist man Inkompatibilitist und ein sogennanter Libertarier. Oder man sagt, dass es irrelevant für die Freiheitsfrage ist, ob die Welt determiniert ist, dann ist man Agnostiker. Ziemlich kompliziert, was?
Ihr seht an diesem Beispiel, dass Philosophie häufig mit ausufernden und manchmal der Intuition widersprechenden Weltanschauungen sowie mit komplizierten Begriffen für diese zu tun hat. Dennoch ist die Debatte sehr spannend, wenn man sich ein wenig reingefuchst hat!

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