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Medizin studieren

Spannung kommt vor Entspannung

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

02.02.2017

Wer hat denn behauptet, dass Prüfungen nicht entspannt sein dürfen? Unser Physiologie-Testat hat bewiesen, dass es auch mal ohne großen Druck geht. Zwar wurden wir eine halbe Stunde lang geprüft, dafür aber in Vierergruppen und von einem Prüfer, der alle, die sich vorbereitet haben, durchbringen wollte. Wir selbst durften bestimmen, was wir erzählen möchten und welches Thema abgefragt wird. Aber der Reihe nach:
In der Physiologie erwarten mich jeweils im dritten und vierten Semester zwei Testate. In diesem Semester steht die vegetative Physiologie an, die die Funktionen von Organen zum Thema hat. Im nächsten behandeln wir die Neurophysiologie, die sich rund um Nerven und die Weiterleitung von Impulsen dreht. Für das erste Testat haben wir zuletzt thematisiert, wie man ein Elektrokardiogramm (EKG) ausliest. So eines hat bestimmt jeder schon einmal gesehen, aber wirklich lesen kann man in diesen Zacken und Wellen nichts – außer sie fehlen, dann ist jedem klar, dass kein Herzschlag vorhanden ist. Nun aber haben wir verstanden, welche Zacken die Kammererregung darstellen, wann die Vorhöfe erregt sind, wann das Herz schlägt und Blut herauspumpt. Außerdem haben wir uns über Erkrankungen der Lunge und Niere Gedanken gemacht, etwa über Mukoviszidose. Das ist eine vererbbare Krankheit, die aufgrund eines Gendefekts einen wichtigen Ionentransporter ausschaltet und die Sekretion von Flüssigkeiten erheblich erschwert, wodurch Organe in ihrer Funktion gestört werden. Aber auch die Niereninsuffizienz mit akutem Nierenversagen kam zur Sprache. So bekamen wir ein Gefühl dafür, wie relevant einzelne Funktionen sind.
Zu Beginn der Prüfung wurde ich gefragt, mit welchem Thema ich einsteigen wolle. Ich dachte, dass ich ein Thema behandle und die anderen dies dann nicht mehr machen müssen. Deshalb wählte ich die Niere, weil ich wusste, dass dieses Thema den anderen etwas schwerfiel. Nachdem ich die Niere grob umrissen hatte, ihren Aufbau erklärte und erste Funktionen nannte, war mein Kommilitone gefragt. Daraufhin bemerkte ich meinen Fehler: Statt nun zum Herzen befragt zu werden, sollte er das Thema Niere noch weiter vertiefen. Ich erhaschte seinen bösen Blick von der Seite, als er weiterhin zur Niere befragt wurde. Glücklicherweise gab unser Prüfer ein wenig Hilfestellung, sodass auch er gut durchkam. Meine gute Absicht wurde auch honoriert, wenngleich die Prüfung so anspruchsvoller wurde als nötig.

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