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Medizin studieren

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

09.05.2018

Eine der Tätigkeiten, die ich als Famulant in der Neurologie regelmäßig zu erledigen hatte, war die Entnahme von Nervenwasser. Das ist die Flüssigkeit, die Hirn und Rückenmark umspült. Viele neurologische Erkrankungen äußern sich über die Zusammensetzung dieses Nervenwassers, in der Fachsprache Liquor genannt.
Doch wie gelangt man an dieses Nervenwasser? Die Antwort ist die erste Hürde, wenn man Patienten über die Untersuchung und ihren Sinn aufklärt. Während eine Blutentnahme für die Allermeisten Routine und leicht nachvollziehbar ist, schreckt die meisten die Vorstellung sehr ab, eine zehn Zentimeter lange Nadel „in den Rücken“ gestochen zu bekommen. Absolut verständlich, obwohl es, wie auch bei der Blutentnahme, wenige Risiken und selten Komplikationen gibt.
Diese Scheu vor der Untersuchung erlebe ich derzeit hautnah. Der Großteil der Patienten lässt das wenig bis mäßig schmerzhafte Unterfangen stoisch über sich ergehen und fragt allenfalls: „Haben Sie schon angefangen?“ Ein kleiner Prozentsatz springt allerdings schon beim Desinfizieren des Rückens (zugegeben, nicht so angenehm, da sich das Desinfektionsmittel sehr kalt anfühlt) panisch von der Bettkante. Wenn dann die lokale Betäubung gespritzt wird und das Finale mit dem Einbringen der tatsächlichen Punktionsnadel folgt, schnaufen diese Patienten, als ginge es um ihr Leben. Das wundert mich manchmal doch, da die Untersuchung objektiv kaum schmerzhaft ist. Manche Menschen empfinden es aber als reinste Folter. Das Schmerzempfinden ist eben zutiefst von der Psyche, vom Anspannungsgrad und zum Teil sogar von der Tageszeit abhängig.

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