Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

100 erste Tage an der Uni

WG-Kommunismus

Die meisten meiner studierenden Freunde wohnen, genau wie ich, in einer Wohngemeinschaft. Ich finde es sehr interessant zu hören, wie sich die verschiedenen WGs organisieren und welche Unterschiede es gibt. Eine Freundin hat mir erzählt, dass sie ihre Mitbewohner fast nie zu Gesicht bekommt, geschweige denn viel mit ihnen redet. Eine andere Freundin kocht regelmäßig mit ihren Mitbewohnerinnen und verbringt sehr viel Zeit mit ihnen. Außerdem kenne ich WGs, in denen alles akribisch geregelt ist, zum Beispiel, wer wann wo putzt oder was einkaufen geht. Andere leben komplett ohne Putzplan oder Absprachen, aber es funktioniert trotzdem.
Ich selbst wohne in einer Vierer-WG. Fast zeitgleich mit mir ist eine meiner Mitbewohnerinnen ebenfalls neu eingezogen, sodass quasi eine komplett neue Konstellation zustande kam. Deshalb haben wir uns erst einmal alle zusammengesetzt, um ein paar Absprachen zu treffen. Bevor ich in die WG eingezogen bin, gab es die Regel, dass jeder seinen eigenen Kram in der Küche besitzt. Das bedeutet, dass jeder seine eigenen Teller, Tassen und Töpfe hat, die sonst keiner benutzen darf. Wir waren uns zum Glück einig, dass diese Regel getrost abgeschafft werden konnte und führten stattdessen in unserer Küche den Kommunismus ein: Wir teilen uns ab jetzt so viel wie möglich. Meine beiden Mitbewohner, die schon länger in der WG wohnen, beförderten jeweils quasi eine eigene Ausstattung an Küchenutensilien zu Tage, weswegen wir vieles jetzt sogar doppelt und dreifach besitzen. Auch mit Haushaltsgeräten wie Sandwichmaker oder Waffeleisen sind wir ziemlich gut ausgestattet und benutzen diese gemeinschaftlich. Neben Geschirr, Töpfen und anderen Gerätschaften haben wir außerdem beschlossen, dass wir ab jetzt auch Obst, Gemüse, Kartoffeln, Mehl, Tee und einige andere Lebensmittel aus unserer WG-Kasse bezahlen und teilen. Natürlich hat nach wie vor jeder auch seine eigenen Sachen für sich alleine, aber ich finde, dass Teilen in einer WG für ein gutes Zusammenleben sehr wichtig ist. Bisher klappt das bei uns auch ziemlich gut und ich bin froh, in keiner Zweck-WG zu wohnen.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  Nov 14, 2016
Autor: Franziska
Rubrik: studium
Nov 14, 2016

100 erste Tage an der Uni

Exkursion: Praha - Na Slatinach

Es ist ein sommerlicher Wochentag in der tschechischen Hauptstadt. Die Haltestangen im Bus kleben. Junge Frauen tragen kurze T-Shirts von ihren Lieblingsbands („Hostenträger Industry“) oder haben sich den Namen der Band gleich auf den Unterarm tätowiert („Krystof“). Wo geht die Reise hin? In den Süden der Stadt, in die Kolonie „Na Slatinach“, an deren Grenzen zugleich die Stadt endet. Mein Begleiter ist „Praha Neznama“ („Unbekanntes Prag“), ein Buch, dass Petr Ryska jüngst veröffentlicht hat. Es ist ein Buch von einem Prager für Prager, die die versteckten Besonderheiten ihrer Stadt kennenlernen möchten. So mache auch ich mich auf ins Abenteuer.
Die Bilder im Buch machen unheimlich Lust auf einen Spaziergang: bewohnte Zugcontainer, rostige Karossen, wuchernde Hecken. Die Kolonie „Na Slatinach“ wird heute als Gartenanlage bezeichnet. In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik nach 1918 lebten hier arme Menschen in heruntergekommenen Holzhäusern. Und bis heute hat sich im Grunde genommen wenig geändert. Ich komme an einer Polizeistation vorbei. In „Unbekanntes Prag“ lese ich, dass sie hier errichtet wurde, um die Kolonie zu überwachen. Regelmäßig wird hier auch heute noch Streife gefahren. Mit dem Buch in der Hand laufe ich durch die schmalen Gassen. Die Buden, die den Eindruck von Wochenendhäuschen machen, scheinen verlassen. Doch dort hängt frisch gewaschene Wäsche auf der Leine. Und da! Habe ich da nicht gerade ein Kind lachen gehört?
Vereinzelt erblicke ich einige Bewohner. Man beobachtet mich mit Misstrauen. Die Gardinen werden zur Seite geschoben und dahinter hevorgelugt, durch die Zwischenräume im Gartenzaun hindurch werde ich gemustert. Ich fühle mich furchtbar. Ich bin kein Tscheche und selbst wenn ich einer wäre: Was habe ich hier verloren? Diese Menschen wollen hier bestimmt nicht gestört werden.
Die Sonne senkt sich langsam. Ich versuche, schneller zu gehen, nehme Abkürzungen, klappe das Buch mit der Karte zu. Ich will hier nicht mehr sein. Hinter einem Gartenzaun steht ein junger, groß gewachsener Muskelmann neben seiner Oma. Er wiegt einen Baseballschläger in den Händen. Sie bedeutet mir mit einem Kopfschütteln, dass ich hier nichts zu suchen habe. Ich eile weiter. Man blickt mir hinterher. Ich mache, dass ich schnell wieder zur Bushaltestelle zurückkomme.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Oct 27, 2016
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Oct 27, 2016

100 erste Tage an der Uni

Die erste Woche

Die ersten Tage an der Uni habe ich erfolgreich hinter mich gebracht. In der Woche vor Vorlesungsbeginn fand eine Orientierungswoche für alle Erstis statt. Diese bestand aus zwei Teilen: Einem offiziellen Teil mit Infoveranstaltungen zum Aufbau des Studiums, zu Auslandssemester und Praktika, was tatsächlich interessanter war, als ich gedacht hatte. Der zweite, inoffizielle Teil war trotzdem ein bisschen wichtiger. Die Fachschaft, also Studierende aus höheren Semestern, organisierte für uns ein abwechslungsreiches Programm, das eine Stadtrallye durch Marburg, gemeinsames Grillen an der Lahn, eine Nachtwanderung und unzählige Kennenlernspiele beinhaltete. Dadurch ist es mir zum Glück ziemlich leicht gefallen, meine Kommilitonen kennenzulernen, neue Freunde zu finden und viel Spaß zu haben.
Als dann das Semester richtig losging, fand ich trotzdem erst einmal alles noch neu und überfordernd. Was eine Vorlesung ist wusste ich zwar, aber was ist genau der Unterschied zwischen einer Übung und einem Tutorium? Und was ist überhaupt das akademische Viertel? Diese und weitere Fragen klärten sich zum Glück relativ schnell, sodass das Studium und die Universität nach ein paar Tagen gar nicht mehr so furchteinflößend wirkten wie am Anfang.
Ein paar Unklarheiten gibt es aber natürlich trotzdem noch. Zum Beispiel finde ich die Raumnummerierung im Hörsaalgebäude noch ziemlich verwirrend, weswegen ich mich ständig verlaufe. Außerdem habe ich noch keine Ahnung davon, welches Lehrbuch ich mir für welches Modul am besten zulegen sollte und welches ich mir in der Bibliothek ausleihen kann. Alles in allem bin ich mit meiner ersten richtigen Uniwoche aber zufrieden. Über meinen Stundenplan bin ich besonders glücklich, weil ich nur zweimal früh aufstehen muss und freitags sogar komplett frei habe. Allerdings muss ich für all meine Module jedes Mal lange Texte für die darauf folgende Woche lesen, sodass ich den freien Tag auch gut gebrauchen kann.

Autor: Franziska  |  Rubrik: studium  |  Oct 25, 2016
Autor: Franziska
Rubrik: studium
Oct 25, 2016