interaktiv

Studentenleben live

Freikirchen, Hare Krishna und Burek

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

20.06.2014

„Hey, we are Kylie and Tina from the US. We are travelling here in Slovenia. Do you have a minute?“ Etwas verdutzt sah ich von meinem Buch auf, mit dem ich es mir gerade am Ufer der Ljubljanica, Ljubljanas schönem Fluss, gemütlich gemacht hatte. Schon am Tag vorher hatten mich zwei andere Amerikanerinnen angesprochen, da hatte ich es aber eilig. Diesmal wollte ich wissen, warum plötzlich so viele Amerikanerinnen zu zweit herumlaufen und junge Menschen ansprechen. Wie man hätte vermuten können, wollten sie mir keinen Staubsauger verkaufen, sondern mit mir über Gott und Jesus Christus sprechen.

Darauf hatte ich wiederum keine Lust (den Staubsauger hätte ich vermutlich auch nicht genommen), dafür fing ich an, sie auszufragen, wie sie denn nach Slowenien kämen und warum sie hier missionieren wollten. Das schien sie etwas zu verblüffen. Auch die Frage, ob sie denken, dass in post-sozialistischen Ländern vielleicht mehr Menschen auf der Suche nach einer religiösen Identität seien, konnten sie mir leider nicht beantworten. Oder sie hatten über diesen Aspekt noch nie nachgedacht. Schade eigentlich, das wäre doch interessant gewesen. Dafür erzählten sie mir ausführlich, wie sie zum Glauben gefunden hatten.

Aber nicht nur Freikirchen versuchen hier ihr Glück. Jeden Sonnabend, wenn ich zum Yoga oder einfach zur Entspannung in den größten Park der Stadt gehe, den Tivoli, treffe ich eine Prozession von Hare Krishna Anhängern, die singend und betend über die Wiesen ziehen. Sie wollten mit mir zwar bis jetzt noch nicht über Gott sprechen, dafür sollte ich doch ihr heiliges Buch mitnehmen und es zu Hause lesen. Da konnte ich mich sehr höflich entziehen mit der sehr praktischen, aber leider auch wahren, Ausrede, dass mein Slowenisch nicht gut genug sei, um Bücher zu lesen. Dafür luden sie mich in ihr Restaurant ein. Die Hare Krishna Gemeinde betreibt sogar zwei in Ljubljana. Beide sind vor allem für Vegetarier interessant, weil sie weder Fleisch, noch Fisch anbieten und auch vegane Speisen im Angebot haben.

Das kleinere ist direkt hinter der Philosophischen Fakultät und zeigt sehr gut, wie verschiedene Kulturen verschmelzen können. Der Raum ist mit vielen bunten Bildern geschmückt, die Hare Krishna zeigen. Ansonsten hat es das Ambiente eines Fastfoodrestaurants. Gegessen wird von Plastiktellern oder aus Styroporschalen. Die Studierenden stehen Schlange, weil es alle Gerichte umsonst gibt. Denn der slowenische Staat gibt jedem Studi 20 mal 2,60 Euro im Monat als Subvention, die man in verschiedenen Restaurants oder auch beim Pizzalieferservice einlösen kann. Meist allerdings mit Zuzahlung. Und was für Gerichte bietet die Hare-Krishna-Gemeinde den Studis? Ein Currygericht mit Reis und so wie überall in Ljubljana: Burek und Pizza.

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