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Bachelor live

Die soziologische Brille

Autor:
Franziska

Rubrik:
studium

13.02.2017

In der allerersten Vorlesung meines Einführungsmoduls für den Bachelor Sozialwissenschaften hat der Dozent zu uns gesagt, dass es für angehende Soziologen und Soziologinnen am allerwichtigsten ist, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Wir sollen uns die sogenannte soziologische Brille aufsetzen und alles hinterfragen, was wir bisher als selbstverständlich hingenommen haben. Wir sollen unsere Mitmenschen und Umwelt betrachten, uns wundern und Fragen stellen.
Seitdem versuche ich wirklich, ein bisschen aufmerksamer durch meinen Alltag zu gehen und habe dabei festgestellt, dass es tatsächlich viele Dinge gibt, über die ich mich nun plötzlich wundere. Ich wundere mich zum Beispiel darüber, dass Menschen minutenlang an einer roten Ampel warten, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen ist. Oder darüber, dass Mädchen im Kindesalter rosafarbene Klamotten angezogen bekommen und Jungs blaue. Ich frage mich, warum Menschen gewisse Schönheitsideale anstreben und weswegen auf der Salzpackung aus dem Supermarkt ein Ablaufdatum steht. Ich habe festgestellt, dass viele Dinge plötzlich keinen Sinn mehr ergeben, sobald man sie durch die soziologische Brille genauer betrachtet.
Am Ende des Semesters muss ich statt einer Klausur eine Hausarbeit schreiben. Das Thema soll eine soziologische Frage sein, die ich mir selbst aussuchen darf. Obwohl die Liste an Dingen, über die ich mich wundern kann, endlos ist, fiel es mir schwer, mich auf eine konkrete Fragestellung festzulegen. Nach längerem Kopfzerbrechen, einem Gespräch mit meinem Tutor aus einem höheren Semester und ausgiebigem Stöbern in der Bibliothek, habe ich mich schließlich für ein Thema entschieden: Ich werde mit Hilfe der Theorie des Fremden von Alfred Schütz, erklären, mit welchen Schwierigkeiten und Krisen ein Individuum nach einem Umzug in eine völlig fremde Stadt konfrontiert wird. Da ich selbst einen solchen Umzug hinter mir habe und mich mit diesem Thema sehr gut identifizieren kann, freue ich mich mittlerweile sogar schon darauf, diese Hausarbeit zu schreiben.

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