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Bachelor live

Wasserkrise in Kapstadt

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

22.02.2018

Den vergangenen Sommer habe ich in an einem Workcamp in der Nähe von Kapstadt teilgenommen. Wir haben in einem kleinen Haus auf dem Grundstück eines Pastors gelebt, die Familien aus der Kirchengemeinde kennengelernt, sind mit ihnen wandern gegangen und haben mit ihnen gekocht. Vormittags haben wir den Garten der Kirche umgegraben und neu gestaltet, einen gemeinsamen Abend für die Familien organisiert und für die örtliche Suppenküche gekocht. All die Begegnungen mit derart hilfsbereiten und gastfreundlichen Menschen waren unfassbar eindrucksvolle Erfahrungen, an die ich ein halbes Jahr später zurück in Deutschland noch oft zurückdenke.
Während bei uns gerade der Sommer zu Ende ging, begann in Südafrika der Frühling. Die Nächte waren noch eiskalt, die Tage mitunter aber schon wunderbar warm. In den vergangenen Monaten, in denen es eigentlich kühl genug für Regen gewesen wäre, bleibt es trocken. Sogleich wurde der Wasserverbrauch gedrosselt. Wir durften beispielsweise kein Wasser aus den Lagertanks entnehmen, um den neu angelegten Garten zu wässern. Stattdessen füllten wir gebrauchtes Spülwasser regelmäßig in Kanister um. Vor unserem Abflug hatte ich einen Blogpost mit dem Titel „Wie viel Wasser brauchst du?“ geschrieben. Auf unserem Vorbereitungsseminar sprachen wir zwar in der Theorie darüber, wussten dabei aber noch gar nicht, dass uns das Thema schon bald mehr und mehr beschäftigen würde.
Beim Wasserverbrauch bezieht man meist auch den virtuellen Wasserverbrauch mit ein. Das ist beispielsweise das Wasser, das bei der Herstellung des T-Shirts benötigt wurde, das ich gerade trage, oder des Brots, das ich gerade esse. Dazu kommt natürlich das Wasser, das wir direkt benutzen, fürs Trinken, aber auch zum Duschen, Waschen oder für die Klospülung.
Ende Januar wurde in Kapstadt der tägliche Wasserverbrauch pro Person auf 50 Liter reduziert – zum Vergleich: Ein Deutscher verbraucht täglich etwa 123 Liter. Die Angst ist groß, dass eines Tages die Leitungen leer bleiben. Wenn ich heute Fotos von Parks sehe, die ich noch blühend und grün gesehen habe und die heute verdorrt sind, bin ich ratlos. Es fühlt sich falsch an, dass wir vor einigen Monaten noch dort waren und selbst geduscht haben. Und es ist ein unfassbarer Gedanke, dass uns etwas, das wir als so selbstverständlich ansehen wie Wasser, vielleicht irgendwann ausgehen könnte.

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