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Auszeit vom Studium

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Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

16.05.2018

Die ersten Stunden zurück zu Hause fallen mir schwer. Sollen die fünf Monate, in denen Julia und ich Unglaubliches erlebt haben, schon zu Ende sein? Diese Zeit erscheint mit so unwirklich, als ich auf dem Sofa bei meinen Eltern sitze und der Fernseher leise vor sich hin läuft. Draußen scheint zwar die Sonne, aber es ist kalt – normales März-Wetter in Deutschland.
Rückblickend mag ich beide Arten unseres Trips, also das Bleiben und Arbeiten an einem Ort sowie das Reisen durch verschiedene Regionen und Länder. Das Verweilen würde ich beim nächsten Mal aber bevorzugen. Es ermöglicht einen anderen Kontakt zu den Menschen vor Ort, man wird Teil einer anderen Gesellschaft und schafft es im Idealfall, auf Augenhöhe mit seiner Umgebung zu sein. Beim Reisen befand ich mich häufig in einer Blase mit den anderen Reisenden, die dazu neigten, Gruppen zu bilden. Das erschwerte es, mit Einheimischen zusammenzukommen. Dafür bietet das Herumreisen die Möglichkeit, unterschiedliche Orte zu sehen, die Komfortzone zu verlassen oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen.
Kann ich es nun anderen empfehlen, sich auch ein Urlaubssemester zu nehmen, das eigene Zimmer zu vermieten, die Uni mal Uni sein zu lassen und sich auf in die Ferne zu machen? Oh ja! Wenngleich ich jetzt schon spüre, dass das Ankommen in Deutschland alles anderes als leicht wird. Für mich waren es fünf außergewöhnliche Monate, für andere waren es einfach fünf Monate. So hat man sich mitunter voneinander entfernt. Auch der Lernstoff aus der Uni scheint wie aus einem anderen Leben zu sein, kaum mehr abrufbar. Doch das ist nichts dagegen, was man erhält, wenn man etwas Neues wagt.
Zum Beispiel ist meine Motivation, Arzt zu werden, ganz neu entflammt. Wir haben einige Projekte kennengelernt, die die medizinische Versorgung der Menschen sicherstellen wollen. Dabei habe ich gesehen, was ich später bewirken kann. Allerdings fühlte ich mich oft auch machtlos gegenüber all den Herausforderungen. Aber es liegt eben ganz allein an mir, was ich aus mir mache.

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