interaktiv

Medizin studieren

Vom Großem zum Kleinen

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

09.02.2017

„In minimi deus maximi“ steht groß und breit an der Stirn unseres Mikroskopiersaales. Das bedeutet: „Im Kleinsten ist Gott am Größten“ – und trifft es wirklich gut, wenngleich ich kein religiöser Mensch bin.
Nachdem wir uns über das gesamte zweite Semester und am Anfang des jetzigen dritten in der makroskopischen Anatomie mit den Körperstrukturen beschäftigt haben, die mit bloßem Auge sichtbar sind, geht es jetzt an die Details: die Histologie oder auch mikroskopische Anatomie. Nun schauen wir uns zweimal die Woche über drei Stunden hinweg an, wie das Gewebe von Organen, Muskeln, Nerven und Blutgefäßen aufgebaut ist, ob es Gemeinsamkeiten gibt, wo Charakteristika zu finden sind und welche Funktionen bestimmte Zellen erfüllen.
Aufgebaut ist der Kurs so, dass wir abwechselnd in den drei Stunden theoretische Einführungen bekommen, um anschließend selbst am Computer zu studieren, wie benannte Kennzeichen aussehen. Das kann mitunter ziemlich ermüdend und langwierig, aber dann doch wieder faszinierend sein. Wirklich nervig ist allein, dass man die gesamte Zeit sitzen und Dinge angucken muss und nicht mehr selbst präparieren kann. Zum Glück ist es mittlerweile nicht mehr so, dass jeder vor seinem Mikroskop sitzt und brav erkannte Strukturen abzeichnet. Stattdessen schaue ich mit Kommilitonen gemeinsam am Computer, wo sich das gesuchte Gewebe befindet, wo Drüsen zu erkennen sind, ob es nun quergestreifte oder glatte Muskulatur ist, und so weiter.
Am Ende des Kurses steht eine Klausur an, in der uns Abbildungen gezeigt werden, die wir dann richtig erkennen und benennen müssen. Dabei ist wichtig, dass nicht immer alles gleich aussieht. Es gibt neben Hunderten verschiedener Bereiche im menschlichen Körper, von denen histologische Schnitte angefertigt wurden, noch viele verschiedene Arten der Färbungen, weil man ansonsten nichts erkennen würde.
Dabei ist stets unvorstellbar, dass diese vielen kleinen Zellen dafür sorgen, dass wir Menschen Menschen sind. Sie machen alles möglich, was man in seinem täglichen Leben bewerkstelligt, ohne dass man sich bewusst um irgendwas kümmern muss. Wir haben uns zum Beispiel Präparate von menschlichen Gehirnen angeschaut, bei denen die Nervenzellen mit einer Silberfärbung angefärbt wurden, sodass man manche Nervenzellen bis in ihre kleinsten Fortsätze verfolgen konnte. Das war ein wahnsinnig beeindruckendes Bild.

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