interaktiv

Medizin studieren

Facebook und andere Seuchen

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

30.06.2017

Gerade einmal acht Monate war es her, seit ich meine letzte Uni-Pflichtveranstaltung besucht hatte. Aber als ich nun das erste Mal wieder in einem Kurs saß, kam bei mir ein – so lächerlich das auch klingen mag – nostalgisches Gefühl auf. Und damit einher ging der ständige Kampf mit dem inneren Schweinehund, nicht doch lieber aufs Handy zu schauen, diese oder jene E-Mail zu beantworten, zu lesen, was Trump diesmal an den „Fake News“ ärgert oder Facebook ... Stopp! Ist das echt passiert? Habe ich wirklich gerade aus Langeweile in der Adresszeile meines Smartphones „facebook.com“ eingegeben? Ja, habe ich!
Wie tief verwurzelt ist diese Konditionierung denn bitte, dass ich nach drei Monaten ohne diese Seuche kaum zwanzig Minuten nach Beginn eines Uni-Kurses wie ferngesteuert Ablenkung beim Aufmerksamkeitskraken suche?
Etwas erschrocken verbannte ich das Handy für die restlichen 80 Minuten in die Tiefen meines Rucksacks und zwang mich – einer Selbstläuterung nicht unähnlich – aufzupassen. In langweiligen Kursen ein echter Willensakt, aber man kann es schaffen.
Ohnehin war der Kurs echt spannend, sobald es zum praktischen Teil kam: In der Mikrobiologie geht es um Bakterien, Viren, Parasiten und Co., also die Verursacher von Seuchen, schlimmen Krankheiten und Leiden vieler Art. Das Ziel unseres Kurses war es, Detektiv zu spielen und anhand von echten Proben herauszufinden, welche Keime die Patienten befallen haben. Wir erhielten Speichelproben, Urin, Sekrete aus der Luftröhre oder Abstriche aus Wunden, die wir auf Nährmedien aussäen mussten um herauszufinden, welcher Fiesling dort sein Unwesen treibt.
Tatsächlich spannend, teils aber auch eklig, denn manch eine Probe roch ziemlich übel …

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