interaktiv

Medizin studieren

Frühschicht

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

23.03.2018

Seit Anfang Jahres arbeite ich in einem Krankenhaus in Münster als Pflegehelfer. Im Prinzip muss ich dabei das Gleiche machen wie damals im Pflegepraktikum: Pflege. Und doch, ein bisschen was hat sich geändert. Da wäre zum einen die Tatsache, dass ich mittlerweile etwas von Medizin verstehe. In meiner Zeit als Pflegepraktikant hatte ich keinen blassen Schimmer. Ob zuerst der Dünndarm und dann der Dickdarm kommt oder andersherum, hätte ich nicht beantworten können. Wenn ich in der Patientenaufklärung las, um mich weiterzubilden, war ich schon stolz, dass ich die Abkürzung TEE für „transösophageale Echokardiografie“ auswendig aufsagen konnte. Dabei muss der Patient eine Ultraschallsonde „verschlucken“, sodass der Arzt das Herz von innen begutachten kann, denn die Speiseröhre läuft am Herz vorbei. Dagegen bin ich jetzt ein echter Profi, der euch das sogar erklären kann.
Ich kann also in meiner jetzigen Tätigkeit als Pflegehelfer selbstständiger einschätzen, was einem Patienten jetzt gut tun könnte, oder kann auch besser nachvollziehen, weshalb die alte Dame nicht mithelfen kann, wenn sie gewaschen wird.
Ebenfalls geändert hat sich die Bezahlung: Als Pflegepraktikant schuftete ich drei Monate im Schichtsystem volle 40 Stunden und verbrachte einen Großteil der Zeit mit den Fäkalien und dem Urin der Patienten, ohne einen einzigen Cent als Wertschätzung zu erhalten. Jetzt arbeite ich immerhin auf 450-Euro-Basis.
Ich soll vor allem in den Nachtschichten eingesetzt werden, sprich von 20 bis 6 Uhr. Da man in dieser Zeit jedoch nur mit einer Schwester oder einem Pfleger auf Station ist, macht es Sinn, schon im Vorfeld zu wissen, wo was ist. Daher musste ich vier Tage am Stück zur Frühschicht antanzen, um eingearbeitet zu werden. Abgesehen vom frühen Aufstehen, für das ich nicht gemacht bin, machte das Ganze doch ziemlich Spaß!

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