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Medizin studieren

Kleine Patienten

Seit ich Medizin studiere, möchte ich Kinderarzt werden. Allerdings habe ich noch gar keine praktische Erfahrung im Bereich der Kindermedizin. Deshalb habe ich mich für eine Famulatur im März bei einem Kinderarzt beworben.
Da es sich um eine Famulatur in einer Praxis außerhalb der Großstadt handelt, wo Mangel an medizinischem Personal herrscht, wird sie besonders gefördert. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe fördert Praktika in ländlichen Praxen mit einem Zuschuss von bis zu 400€, um Medizinstudierende zu motivieren, auch mal über die Stadtgrenzen hinauszudenken. Ein Angebot, das ich gerne mitnehme. Ich musste lediglich eine unterschriebene Erklärung des Praxisarztes über die Seite Praxisstart.de einreichen und erhielt kurz darauf die Zusage für das kleine Stipendium. Eine wirklich nette Idee und ein willkommenes Angebot für einen Studierenden.
Ich freue mich auf das Praktikum, habe auch Ängste. Was ist, wenn ich herausfinde, dass mir die Arbeit mit Kindern gar nicht liegt? Viel wird sich um Kleinigkeiten drehen, wie es bei jedem Hausarzt der Fall ist: Erkältungen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Blutentnahmen, vielleicht zwischendurch mal ein Sturz. Ich nehme mir für meine Famulatur vor, den richtigen Umgang mit Kindern zu lernen. An der Hochschule habe ich die theoretischen Grundlagen für die Kommunikation mit Kindern bereits gelernt – nun gilt es, diese praktisch anzuwenden. Entscheidend ist es vor allem, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen und es nicht wieder zu verlieren. In meinen Augen wird die Kindermedizin durch den Kontakt zu den Eltern noch erweitert, denn diese haben teilweise größere Angst vor anstehenden Untersuchungen als die Kleinen selbst. Ich hoffe, ich kann lernen, den Kindern und ihren Eltern Sorgen und Ängste zu nehmen und ihnen Sicherheit zu geben. Eines steht fest: Das wird ein herausfordernder und zugleich bereichernder Monat, in dem ich herausfinden kann, ob ich als Kinderarzt tauge oder nicht – mehr Motivation geht kaum.

 

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Feb 13, 2019
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Feb 13, 2019

Medizin studieren

Notfallmedizin

Der Horror für die meisten Ärzte, die nicht als Notärzte tätig sind, ist es, in einer kritischen Situation der einzige anwesende Arzt zu sein. Da ist es wenig hilfreich, wenn der Notfallmedizin-Kurs mittlerweile 25 Jahre zurück liegt und man seitdem eigentlich nur noch Augenkrankheiten behandelt. Aber dann bricht jemand im Flugzeug zusammen und es ertönt die Durchsage: „Ist ein Arzt an Bord?“ Ich kenne Ärzte, die sich aus diesem Grund gleich ein alkoholisches Getränk im Flieger bestellen, um im Fall der Fälle darauf verweisen zu können.
In diese Situation will ich nie kommen, deswegen ist mir eine gute notfallmedizinische Ausbildung sehr wichtig. Am Ende der Sommersemesterferien bot sich mir die Gelegenheit, an einer Weiterbildung teilzunehmen. Mit zehn weiteren Münsteraner Kommilitonen verschlug es mich in eine kleine Stadt an der Nordsee, wo wir vier Tage in den Basics der Notfallmedizin weitergebildet wurden. Wir besprachen Fallberichte von Katastrophenmedizinern, die in kritische Situationen geraten waren, übten, wie man entscheidet, wer als Erster Hilfe benötigt oder, wie man eine Thoraxdrainage, also einen Schlauch in die Lunge legt und versorgt. Die vier Tage waren alles andere als entspannt, richtig geplättet kam ich wieder in Münster an. Vom Wissen eines Notarztes bin ich zwar noch meilenweit entfernt, aber zumindest habe ich einen Grundstein gelegt, auf den ich Zukunft aufbauen kann.

 

 

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  Feb 13, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: orientieren
Feb 13, 2019

Medizin studieren

Besuch auf der Kinderonkologie

Im Rahmen meines Praktikums besuchten wir auch die Station im Uni-Klinikum, auf der Kinder behandelt werden, die an Krebs erkrankt sind. Wir haben jeweils mit vier Kindern und deren Eltern gesprochen. Was uns nicht bewusst war, ist, dass drei der vier Kinder an ihrer Krankheit sterben werden. Das erfuhren wir erst im Nachhinein von den Ärzten.
Das Schicksal dieser so jungen Menschen hat mich sehr getroffen. Vor allem, da ich mir seit Jahren wünsche, Kinderarzt zu werden. In der Praxis ist es dann doch anders, als man es sich vorstellt. Da frage ich mich: Kann ich das aushalten?
Eine Patientin ist erst wenige Jahre alt, wir sprachen deshalb mit ihrem Vater. Das Mädchen ist an Leukämie erkrankt, was man auch als Blutkrebs bezeichnet. Im Blut gibt es rote Blutkörperchen, die Sauerstoff transportieren, den wir einatmen, und weiße Blutkörperchen, die für die Abwehr von Erregern zuständig sind, damit wir nicht krank werden. Bei der Leukämie sind die weißen Blutkörperchen so verändert, dass sie ihre Funktion nicht erfüllen können. Der Vater wirkte relativ gefasst. Es hat ein wenig gedauert, bis die Diagnose gestellt wurde. Das Mädchen spielte einfach weniger gern, schlief ein paar Stunden mehr am Tag, wirkte insgesamt verlangsamt. Als dann beim Arzt ein großes Blutbild gemacht wurde, war die Diagnose klar: Leukämie.
Nun bekommt das Mädchen eine Chemotherapie. Eine Situation, die sehr belastend für das Mädchen und für die Familie ist. Und genau darauf kommt es auch für das behandelnde medizinische Personal an: die gesamte Familie zu betreuen. Wir alle waren etwas fassungslos über dieses Schicksal. Ich bleibe mit vielen Fragen zurück: Wie kann ich als Arzt eine Stütze sein? Wie gehe ich mit solchen Schicksalen um? Ich merke aber, dass diese Fragen mich nicht über-, sondern herausfordern. Und das macht mir Mut, den Weg in Richtung Kindermedizin weiter zu gehen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Feb 6, 2019