interaktiv

Studentenleben live

Ein Aua zum Mitnehmen

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

26.06.2013

Letzten Freitag habe ich mich piercen lassen. Ich habe 25 Euro dafür ausgegeben, dass man einen Metallstift durch mein Ohr bohrt – irgendwie absurd und masochistisch. Aber es war nicht das Warum, das mich danach beschäftigte. Nicht nur das „Wozu um alles in der Welt lassen sich Menschen ihren Körper zutackern, nur weil ihre Anatomie noch nicht Schmuckständer-tauglich genug ist?“. Es war auch das „Sage ich es meiner Mama und höre mir wieder Vorträge darüber an, welche wichtigen Akupunktur-Punkte ich im Begriff zu killen bin?“ Dann war es das „Welche Steckerfarbe nehme ich nur?“. Später waren es die Fragen einer Freundin: „Was passiert eigentlich mit der Haut, wenn ein Piercing gestochen wird? Da wird ja kein Loch ausgestanzt wie wenn man Papier locht, oder? Wird dann das Ohr immer größer, wenn man mehr Piercings hat? Dann habe ich jetzt ja asymmetrische Ohren, vielleicht laufe ich irgendwann schief!“ Und dann irgendwann war es die Frage, ob durchlöcherte Körper mit dem Lehrerberuf vereinbar sind, auf die ich immer noch keine Antwort weiß.

Ich muss sagen, ich höre relativ oft Sprüche von Kommilitonen wie „Guck dir die mal an, die kann doch keine Lehrerin werden!“ – und ich muss zugeben, ich denke das auch manchmal. Eher bei Frauen, die mit Oberteilen durch die Hochschule laufen, auf denen mit Glitzersteinen „Sexy“ steht, oder bei den Spezialisten, die immer noch nicht fähig sind, Referate zu halten, dumme Rechtschreibfehler machen und später Deutsch an der Grundschule unterrichten wollen oder ein hieroglyphenähnliches Schriftbild haben, das nicht einmal ich entziffern kann, wenn ich mir ihre Unterlagen ausgeliehen habe.

Oft fallen solche Sprüche aber tatsächlich auch bezüglich derjenigen, die ihren Stil in gedehnten Ohrlöchern, auffälligen Tätowierungen und unzählige Piercings gefunden haben.

Ich frage mich immer, ob das fair ist. Ob man einen Pädagogen danach beurteilen sollte, wie er aussieht. Andererseits, was Menschen dazu bewegt sich derartig zu verunstalten, ob das Ästhetik ist, von der ich nichts verstehe, ein politisches Statement oder einfach nur Langeweile. Ich frage mich, ob Menschen solchen Auftretens die Schüler vielleicht besser erreichen können als ein spießbürgerlich gekleideter Lehrkörper. Oder ob sie ihre Vorbildfunktion verlieren, vielleicht ihre Autorität. Ob Schulen wirklich derartige Auswahlkriterien haben, ob das Diskriminierung ist. Ob ich später nicht auch ein unwohles Gefühl hätte, mein Kind in die Obhut einer lebenden Dartscheibe zu geben. Ich weiß es nicht ...

Für mich kommt es jedenfalls nicht infrage mich noch großartig weiter durchlöchern zu lassen. Sicher auch, um keine Gleichgewichtsstörungen zu bekommen.

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