interaktiv

Praktikum im Studium

Kolonialismus 2.0?

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

10.10.2016

Mein Studiengang „Internationale Soziale Arbeit“ behandelt unheimlich viele Themen. In den zwei vergangenen Semestern habe ich mich unter anderem mit Kultur, Religion, Bildung, Krieg, Frieden, Extremismus und Menschenrechten auseinandergesetzt. Viele Themen haben mich traurig oder wütend gemacht, weil es meist um Ungerechtigkeit in der Welt ging. Als angehende internationale Sozialarbeiter haben wir in den Seminaren aber nicht nur darüber gesprochen, was in dieser Welt schief läuft, sondern auch, welche Möglichkeiten es gibt, daran etwas zu ändern. Da ist die weltweite Entwicklungszusammenarbeit, mit ihren positiven und negativen Aspekten, natürlich ein wichtiges Thema.
Es fühlt sich für mich seltsam an, als Weiße in ein afrikanisches Land zu gehen, um dort zu arbeiten. Da muss ich an Kolonialismus denken und wie dieser dazu geführt hat, dass ich als weiße Europäerin sehr privilegiert leben kann. Ist das, was ich, meine Kommilitonen und alle Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit tun, nicht einfach Neokolonialismus?
Ich habe nach Möglichkeiten gesucht, um mit der existenziellen Frage umzugehen, ob mein Praktikum in Uganda koloniale Strukturen fortsetzt. Eine ist es wohl, zu überprüfen, welche Aufgaben mir während des Praktikums übertragen werden. Würde ich vergleichbare auch in einem Praktikum in Deutschland zugedacht bekommen? Oder wird mir eine zu verantwortungsvolle Position vorgeschlagen? Wenn ja, hängt das damit zusammen, dass durch Kolonialismus ein Bild der Weißen als Experten für alles erzeugt wurde? Mir wurde auch wichtig zu hinterfragen, wem mein Praktikum nützt. Es kann sein, dass hier die Antwort lautet: Nur mir. Auch das kann in Ordnung sein, ich habe das auch schon bei Praktika in Deutschland erlebt. Dann sollte ich mir das aber eingestehen und den Gedanken aufgeben, ich würde die Welt mit meiner Arbeit irgendwie verbessern. Drittens sollte ich mir meiner eigenen unverdienten Privilegierung bewusst werden. Ich lebe in einer Welt, in der rassistische Gedanken auch 2016 noch in vielen Köpfen stecken. Durch mein Reflektieren hebe ich nicht alle Ungerechtigkeiten in dieser Welt auf. Aber diese schmerzhafte Erkenntnis ist meiner Meinung nach notwendig, wenn wir an der Ungerechtigkeit in dieser Welt etwas ändern wollen.

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