interaktiv

Schülerleben live

Zwischen den Stühlen

Autor:
Nele

Rubrik:
auszeit nach dem abi

06.02.2013

Ich könnte weinen. Oder schreien. Oder beides. Einfach, um den ganzen Druck, der sich in mir angestaut hat, rauszulassen. Eigentlich müsste man denken, dass nach den schriftlichen Abiturprüfungen weniger Druck da wäre, aber weit gefehlt. Ich habe das Gefühl, als würde von jeder Seite an mir gezerrt. Ich soll mich endlich entscheiden, was ich später mal machen möchte. Ich soll für das mündliche Abitur lernen. Ich soll zusätzliche Arbeiten für die Schule anfertigen. Und ich will aber auch Freizeit. In so einer Situation fange ich an zu träumen. Von einem Leben, in dem ich alles in dem Tempo erledigen kann, das gut für mich ist. Von einem Leben, in dem mir nicht ständig jemand sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Von einem Leben, in dem ich völlig frei bin. Und kurz darauf kommt dann die Angst. Missversteht mich bitte nicht: Ich brauche Zeit für mich alleine und ich habe auch kein Problem, einige Zeit alleine unterwegs zu sein. Im Gegenteil: Ich mag es. Allerdings hatte ich bis jetzt immer die Sicherheit, dass es ein Zuhause gibt, wo man auf mich wartet und wo ich sicher bin. Allein der Gedanke, im Leben absolut keine Sicherheit zu haben, macht mir Angst. Denn die meisten Menschen brauchen Sicherheit, ja, sie sind sogar regelrechte Sicherheitsfanatiker. Ein Beispiel gefällig? Warum ist der Begriff „freiberuflich" von einigen Menschen ein wenig negativ besetzt? Unbewusst denken sie, dass man am Ende des Monats eventuell nicht genug Geld verdient hat, um den Lebensstandard halten zu können. Da fühlt man sich mit einem festen Arbeitsplatz gleich viel sicherer. Ich bin da (so gerne ich es auch wäre) keine Ausnahme. Aber trotz allem übt der Gedanke von Freiheit einen geradezu magischen Reiz auf mich aus. Was hält man denn für sicher? Den Arbeitsplatz? Wenn die Firma pleite geht, ist man den los. Die Gesundheit? Ein falscher Schritt, eine Sekunde zu langsam, und dann ist die auch futsch. Die Beziehung mit einem Partner? Die kann auch ganz schnell vorbei sein. Wirklich sicher ist man also nie.

Diesen Artikel teilen