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Studieren im Ausland

Von einem Büro zum anderen

Bevor ich mit dem Studium richtig loslegen konnte, verabredete ich mich mit Jonathan, meinem Paten, um die ganzen Universitätsangelegenheiten zu klären. Er hatte mich schon vorgewarnt: „Du warst ja bereits mit Thais im Rathaus und bei der Bundespolizei wegen der Beantragung des Visums. Daher hast du schon einen Einblick in die Bürokratie Brasiliens bekommen. Auch um dich in der Uni zu immatrikulieren, müssen wir zu drei verschiedenen Büros auf zwei unterschiedlichen Campus.”
Also gingen wir zuerst mit meinen Dokumenten aus Deutschland ins Büro für internationale Beziehungen. Dort wurde ich der Direktorin vorgestellt, bekam ein Papier, das ich ausfüllen musste, und anschließend wurden wir zu einem anderen Büro auf dem Campus Pici geschickt. Während wir auf den Bus warteten, erklärte mir mein Betreuer, dass dort die ganzen Naturwissenschaften, aber auch die Sport-Studiengänge angesiedelt seien. Als wir nach einer halben Stunde ankamen, meinte er: „So, jetzt müssen wir noch mal Bus fahren. Der Campus ist riesig. Zu Fuß kommst du hier nicht weit.” Der Campus Pici war in den 40er Jahren eine US-amerikanische Kaserne gewesen und dann viele Jahre später zu einem Uni-Campus umfunktioniert worden, erklärte mir Jonathan.
Im nächsten Büro wurden wir von einem netten Herrn empfangen, der mich in Fortaleza willkommen hieß, das bereits ausgefüllte Dokument unterschrieb und mir ein neues gab, das ich ebenfalls ausfüllen und dann wieder zurück zum Campus Benfica bringen sollte. Als wir dort nach anderthalb Stunden ankamen, hatten wir noch 20 Minuten, bis das Studierendensekretariat schließt. Die Frau an der Rezeption kontrollierte meine ganzen Papiere, und nachdem ich jetzt alles zusammenhatte, führte sie mich weiter ins Akademische Auslandsamt. Dort wollte meine Sachbearbeiterin die Kurse sehen, die ich belegen wollte. Als ich sie aussuchte, war das neue Vorlesungsverzeichnis noch nicht veröffentlicht worden, also hatte ich mir Kurse des letzten Semesters ausgesucht. Diese wurden allerdings dieses Semester teilweise nicht mehr angeboten. Die nette Dame zeigte mir also das aktuelle Verzeichnis und tippte auf ihre Uhr: Ich hatte noch fünf Minuten um mich neu zu entscheiden.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Jul 23, 2014
Autor: Esther
Rubrik: studium
Jul 23, 2014

Studieren im Ausland

Abschied

Es ist Mitte Juli, das Semester offiziell schon vorbei und die Stadt wird leerer. Es gab eine Abschiedsfeier nach der anderen, die Erasmusstudis verlassen das Land und die slowenischen Studis fahren nach Hause, so wie sie es ja schon jedes Wochenende im Semester getan haben. Manche fahren auch nach Kroatien ans Meer. Mein Lieblingsschnellrestaurant, in dem ich umsonst (!) oft Gemüse-Curry mit Reis gegessen habe, hat zu, die arme Köchin muss ja schließlich auch mal in den Urlaub. Es beschleicht mich das Gefühl, hier ganz allein zu sein.
Aber warum sollte ich auch nach der letzten Verpflichtung direkt nach Hause fahren? Da habe ich ja nichts zu tun. Und in Freiburg würde ich wohl auch nur all meine Freunde nerven, die sich mit Klausurvorbereitungen abkämpfen.
Stattdessen nehme ich langsam Abschied von Ljubljana und überlege mir, was denn ein gutes Souvenir wäre. Ein kleines Andenken an meine Zeit hier hätte ich nämlich schon gern. Als erstes fällt mir leider Alkohol ein, aber mehr als eine Flasche slowenischen Wein (der für Laien wie mich auch nicht anders schmeckt als badischer Wein) oder Schnaps kann ich auf keinen Fall tragen. Da wäre dann noch Kürbiskernöl (auch sehr unpraktisch zum Transport) und der übliche Touri-Nippes, bei dem ich mich immer wieder frage, wer das eigentlich kauft. T-Shirts, Schürzen, Handtücher mit dem – eigentlich ziemlich schlauen – Marketigspruch Sloweniens „I feel sLOVEnia“ oder dem Ljubljaner Wappentier, dem Drachen. Außerdem natürlich Notzblöcke, Tassen, Fächer, Magnete ... die Liste geht endlos weiter. Etwas geschmackvoller ist der „Ethnokitsch“, der in vielen Souvenierläden angeboten wird. Da gibt es in naiver Bauernkunst bemalte Brettchen, die früher an Honigkästen angebracht wurden, sogenannte Bienestockstirnbrettchen, gefilzte Pantoffeln, geklöppelte Spitze und filigrane Holzvögelchen, die den Heiligen Geist symbolisieren. Nicht zu vergessen die knallroten Lebkuchenherzen, mit Zuckerguss und Spiegeln verziert.
Wahrscheinlich werde ich mir mindestens einen dieser Nippesartikel kaufen, bevor ich abreise. Und ein Souvenir habe ich ja schon: den kompletten slowenischen Euro-Münzsatz. Sechs Monate lang habe ich bei jedem Einkauf das Rückgeld durchgesehen, ob nicht eine slowenische Münze dabei ist. Schließlich bekommt man die in Deutschland fast nie. Aber die Ein-Euro-Münze wollte sich einfach nicht bei mir blicken lassen. Dafür hatte ich zwei Cent schon mindestens zehn Mal. Bis sich heute auf dem Markt Primož Trubar doch noch in meine Hände verirrt hat. Jetzt ist der Satz komplett und ich kann Primož, der übrigens das erste slowenische Buch drucken ließ und dessen Konterfeit auf der Münze abgebildet ist, mit nach Süddeutschland nehmen, wo er einen großen Teil seines Lebens verbracht hat.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Jul 18, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Jul 18, 2014

Studieren im Ausland

Eine internationale WG

Bevor ich nach Brasilien gegangen war, hatte mich meine Betreuerin gefragt, ob ich lieber mit Jungen oder Mädchen zusammenwohnen möchte. Mir war es eigentlich egal, aber ich wollte gerne mit Brasilianern leben. Nun war ich schon über einer Woche in Brasilien und völlig allein in der Wohnung, sodass ich mich wahnsinnig freute, als Thais mich anrief und mir mitteilte, dass am darauffolgenden Tag eine Französin bei mir einziehen würde. Außerdem kämen in die Wohnung über uns zwei Mexikaner und nebenan würden noch ein Junge aus Bulgarien und ein anderer Deutscher einziehen. Das war zwar nicht gerade das, was ich mir unter einer brasilianischen WG vorgestellt hatte, doch freute ich mich auf Gesellschaft. Obwohl ich es auch nicht schrecklich gefunden hatte, die erste Woche allein zu wohnen, merkte ich, dass ich in so einem fernen Land, in dem ich noch kaum jemanden kannte und die Sprache nur so mittelmäßig sprach, doch gerne einen Mitbewohner hätte – und da war mir die Nationalität völlig egal. Und ich hatte Glück. Mélanie und ich verstanden uns vom ersten Augenblick. Zu Beginn war ich noch etwas enttäuscht, da sie kein einziges Wort Portugiesisch konnte und ich doch so gerne meine Sprachkenntnisse vertiefen und nicht die ganze Zeit Englisch sprechen wollte. Allerdings nahm sie Unterricht und nach zwei oder drei Wochen fingen wir an, nur noch auf Portugiesisch miteinander zu reden. Klar, am Anfang war es mühselig, aber wir blieben hartnäckig und bald schien es so, als ob wir uns nie auf einer anderen Sprache unterhalten hätten.
Und auch mit Polo und Pepe, den beiden Mexikanern, verstanden wir uns super. Im Gegensatz zu Polo hatte Pepe schon vor einem Jahr ein Semester in São Paulo studiert, sodass er bereits Portugiesisch konnte. So unterhielt ich mich mit Pepe hauptsächlich auf Portugiesisch und mit Polo auf Spanisch – und lernte dabei, zwischen den Sprachen hin und her zu springen.

Autor: Esther  |  Rubrik: studium  |  Jul 16, 2014
Autor: Esther
Rubrik: studium
Jul 16, 2014