zum Inhalt

Soziologe: „Forschung bedeutet nicht, die ganze Zeit am Schreibtisch zu sitzen“

Der Soziologe Henrik Schwarze (33) beschäftigt sich mit sozialen Ungleichheiten in der Gesellschaft. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist er in der Forschung und Lehre tätig.

Eine Frau misst in einer Produktionshalle den Lärmpegel mit einem Messgerät und notiert sich die Ergebnisse. (Foto: Thorsten Thiel)

„Soziologie ist ein spannender Fachbereich. Es gibt so viele unterschiedliche Themen, mit denen man sich befassen kann“, sagt Henrik Schwarze. Im Mittelpunkt steht dabei meist der Mensch und sein Verhalten. Der 33-Jährige hat sein Bachelor- und Masterstudium in Soziologie mit den Nebenfächern Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Göttingen absolviert. Nach seinen beiden Studienabschlüssen ist er am Lehrstuhl für Sozialstrukturanalyse in Göttingen geblieben. Hier hat er eine Teilzeitstelle angenommen, um daneben Zeit für seine Promotion zum Thema Kriminalität und Gewalt zu haben.

In einem aktuellen Projekt untersucht der wissenschaftliche Mitarbeiter im Team, ob Gesundheit und Umwelt in der Stadt soziale Ungleichheit beeinflussen. „Zunächst haben wir geschaut, welche Studien es zu dem Thema bereits gibt – schließlich wollen wir ja neue Erkenntnisse gewinnen“, erklärt Henrik Schwarze. Anschließend ging es „ins Feld“, wie das Arbeiten vor Ort genannt wird: Anhand von Fragebögen und Interviews wurden rund tausend Menschen in unterschiedlichen Städten zu ihrer Situation befragt. Außerdem schaute sich Henrik Schwarze die Städte im Hinblick auf die Untersuchungsgegenstände an, also etwa Umweltverschmutzung. „Forschung in der Soziologie bedeutet nicht, dass man die ganze Zeit nur am Schreibtisch sitzt“, betont der Wissenschaftler.

Selbstdisziplin und Selbstorganisation

Porträtfoto von Henrik Schwarze (Foto: Privat) Porträtfoto von Henrik Schwarze (Foto: Privat)

Henrik Schwarze

Nach der Erhebung werden die Daten mit Hilfe von Statistikmethoden ausgewertet. „Das schreckt viele ab, aber statistische Methoden lernt man im Studium“, beruhigt der Soziologe. Die Grundlagen und Untersuchungsmethoden, die er sich im Bachelor- und Masterstudium angeeignet hat, sind heute noch oft hilfreich für seine Arbeit: komplexe Themen zerlegen, analytisch vorgehen und Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Außerdem hat er im Studium gelernt, sich gut auszudrücken. „Das ist wichtig, denn die Ergebnisse aus unseren Studien schreiben wir in Artikeln nieder oder tragen sie auf Tagungen und Konferenzen vor.“

Zudem verwendet er die Ergebnisse in seiner Lehrtätigkeit, wenn es sich anbietet. In Tutorien und Seminaren gibt er den Zweitsemestern seines Studienfachs einen Überblick über die Themenvielfalt der Soziologie und verwendet dazu aktuelle Studien. „Als Soziolog*in muss man immer neugierig sein und offen für neue Themen. Selbst während eines Forschungsprojekts können sich ganz neue Aspekte ergeben, die die Arbeitsprozesse unter Umständen verändern.“ Darüber hinaus müssten wissenschaftliche Mitarbeitende in der Lage sein, über mehrere Monate selbstdiszipliniert und gut organisiert an einem Thema zu arbeiten.

„Mix aus Forschung und Praxis“

Sein Vertrag läuft noch bis Jahresende, dann sucht sich der Promovierende eine andere Stelle an der Universität, bis seine Doktorarbeit in zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein wird. Was er danach beruflich machen möchte, steht noch nicht fest. „In der Wirtschaft sehe ich mich nicht“, sagt der Soziologe. „Ein Mix aus Forschung und Praxis würde mir hingegen gut gefallen.“ Ob das in Form einer wissenschaftlichen Begleitforschung an einer Universität oder zum Beispiel an einem Forschungsinstitut sein wird, wird sich zeigen.