Hund, Katze … Rindvieh!

Junge Frau untersucht Kuh mit Stetoskop.
Kontrolluntersuchungen und Versorgung bei Notfällen gehören zum Alltag eines Tierarztes dazu.
Foto: Nancy Heusel

Tiermediziner – Hintergrund

Hund, Katze … Rindvieh!

Tierarzt ist für viele Tierfreunde ein Traumberuf. Nach dem Studium stehen ihnen mehrere Bereiche offen – von der Klein- oder Nutztierpraxis über den Öffentlichen Dienst bis zur Forschung in der Pharmaindustrie. Überhaupt sind die Chancen auf dem Berufsmarkt gut.

Bellen, Miauen oder Zwitschern? Wenn der Tag beginnt, weiß Katinka Hartmann nie, welche Laute sie durch den Tag begleiten werden. Die Tierärztin arbeitet seit 2017 in einer Tierarztpraxis für Kleintiere in Berlin. „In der täglichen Sprechstunde habe ich mit Haustieren wie Meerschweinchen, Hunden und Katzen zu tun. Ich führe Kontrolluntersuchungen durch und muss Notfälle versorgen.“, erzählt die 34-Jährige. Dabei muss sie selbstständig entscheiden, ob sie Blut entnimmt, einen Ultraschall macht oder röntgt, und welche Schritte als nächstes nötig sind. Manchmal muss Katinka Hartmann Tiere aber auch einschläfern – keine leichte Aufgabe.

„Ich schätze an meinem Beruf, dass die Arbeitstage so abwechslungsreich sind“, sagt die Tiermedizinerin. „Der medizinische Aspekt ist spannend, weil der Körper ein so komplexes System ist und man Krankheiten oft wie ein Puzzle zusammensetzen und verstehen muss.“ Als Tierärztin hat sie allerdings nicht nur mit tierischen Patienten zu tun, sondern auch mit deren Haltern. „Der Kontakt zu unterschiedlichen Menschen bereitet mir Freude, ist aber auch eine Herausforderung. Schließlich reagiert jeder Mensch anders darauf, wenn es dem eigenen Tier schlecht geht – da ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich.“

Die Arbeit als Tiermediziner reizt viele Abiturienten. Im Wintersemester 2017/18 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 994 Studienanfänger im Fach „Tiermedizin/Veterinärmedizin“. Die Mehrheit von ihnen waren Frauen – exakt 840. Insgesamt waren in diesem Semester fast 8.000 Studierende in das Fach eingeschrieben. Diese Zahlen waren in den vergangenen Jahren relativ stabil. Wer als Tierarzt praktizieren möchte, benötigt grundsätzlich das Staatsexamen sowie eine Approbation, also die staatliche Zulassung. Die Bewerbung für das bundesweit zulassungsbeschränkte Studium erfolgt über hochschulstart.de.

Viele Tierärzte sind selbstständig

Nach dem Studium gibt es für die Absolventen unterschiedliche Arbeitsfelder. Auch wenn sich sehr viele für den Weg in eine Klein- oder Nutztierpraxis entscheiden, stehen Tiermedizinern noch andere Bereiche offen: Sie können beispielsweise im öffentlichen Dienst arbeiten, in der Lebensmittelkontrolle, im Veterinäramt, im Tierschutz oder in der Pharmaforschung.

Einen genaueren Überblick über den Arbeitsmarkt für Tiermediziner gibt die Tierärztestatistik 2017 der Bundestierärztekammer. Ganz allgemein lässt sich demnach festhalten, dass im Dezember 2017 insgesamt 41.400 Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland registriert waren – davon waren 30.300 auch tatsächlich tierärztlich tätig. Die anderen in der Statistik erfassten waren beispielsweise in Elternzeit, berufsfremd tätig oder im Ruhestand.

Die meisten Tierärzte (12.000) waren 2017 als Selbstständige in eigenen Praxen tätig. Man spricht hier auch von niedergelassenen Tierärzten. Rund 9.200 von ihnen arbeiteten als eigener Chef in Einzelpraxen. 2.500 Tierärzte schlossen sich zu Gemeinschaftspraxen zusammen. Hier verteilt sich die Last der Verantwortung auf mehrere Schultern, da die Gemeinschaftspraxis als wirtschaftliche und rechtliche Einheit auftritt. In sogenannten Gruppenpraxen behandelten 270 Tierärzte. Bei diesem lockeren Zusammenschluss bleiben die einzelnen Tierärzte rechtlich selbstständig, nutzen jedoch gemeinsame Räume, Geräte und gegebenenfalls auch Personal.

Auch hinsichtlich ihrer tierischen Patienten unterschieden sich die Praxen: 6.100 Tiermediziner widmeten sich ausschließlich Kleintieren, 4.500 behandelten sowohl Klein- als auch Nutztiere. 1.100 Tierärzte versorgten nur Nutztiere.

Hoher Frauenanteil

Nach dem Studium oder der Promotion entscheiden sich viele junge Tiermediziner zunächst für eine nicht-selbstständige Tätigkeit als Assistentin oder Assistent in einer tierärztlichen Praxis oder Klinik. Diese Stellen als Praxisassistenten sind eine gute Möglichkeit, um Berufserfahrungen zu sammeln. 2017 wurden knapp 8.400 Praxisassistenten erfasst – fast 7.000 von ihnen waren weiblich.

Ein weiteres Berufsfeld ist der öffentliche Dienst, wo Tiermediziner als Beamte sowie Angestellte gefragt sind. So gab es laut der Erhebung gut 1.500 beamtete Tiermediziner, die vor allem in der Veterinärverwaltung der Länder und Kreise/Gemeinden arbeiteten. Als angestellte Tierärzte im öffentlichen Dienst wurden mehr als 4.700 erfasst, die etwa beim Tiergesundheitsdienst oder der Veterinärverwaltung tätig waren. Auch in der Privatwirtschaft finden Tiermediziner Jobs: 2017 waren es 1.500, wovon fast alle in der pharmazeutischen Industrie (gut 1.400) arbeiteten.

Tiermediziner sind gefragt

Insgesamt sind die Jobchancen für Tierärzte gut: „Bei Tierärzten herrscht Vollbeschäftigung“, erklärt Ilona Mirtschin vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. „Verbände sagen, dass sich in vielen Regionen bereits ein Fachkräftemangel abzeichnet.“ Demnach gab es 2017 im Jahresdurchschnitt nur knapp 500 arbeitslos gemeldete Tiermediziner. „Ihre Zahl hat sich in den vergangenen Jahren etwas verringert“, berichtet die Expertin. Die Zahl der gemeldeten Stellen habe sich dagegen zuletzt erhöht, auf knapp 160 im Jahresdurchschnitt 2017 (siehe Infografiken "Arbeitsmarkt Tiermediziner").

In welchen Bereichen sind die beruflichen Chancen derzeit aber am besten? „Das sind definitiv die ländlichen Praxen für Nutztiere wie Geflügel und Rinder“, sagt der Ehrenpräsident der Bundestierärztekammer, Prof. Theodor Mantel (siehe Interview „Liebe zum Tier reicht nicht“). „Wir haben erhebliche Probleme, dafür junge Tiermediziner zu finden. Dabei hat man dort nicht nur gute Einstiegschancen. In Nutztierpraxen sind die Gehälter auch höher als in Kleintierpraxen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Tiermediziner).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Tiermedizin).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach Weiterbildungen suchen (Suchwort: Tiermedizin).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Beruf „Tiermediziner/-in“ sowie zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Tiermedizin“.
berufsfeld-info.de/abi

Bundetierärztekammer

Umfassende Informationen zum Thema Tiermedizin gibt es bei der Bundestierärztekammer.
www.bundestieraerztekammer.de

Bundesverband praktizierender Tierärzte

www.tieraerzteverband.de

Bund angestellter Tierärzte e.V.

www.bundangestelltertieraerzte.de

 

Tierarzt

„Gutes Gefühl, Tieren zu helfen“

Beratung, OPs, Dokumentation: Marten Eichlers Tätigkeiten als Tierarzt sind vielfältig. Der 32-Jährige ist bei der AniCura-Tierklinik im brandenburgischen Potsdam angestellt.

Sein Berufswunsch stand früh fest: „Ich werde Tierarzt“, war sich Marten Eichler bereits als Teenager sicher. Damals, als er gerade in der neunten Klasse war, erkrankte seine Katze so schwer, dass er sie in eine Tierklinik nach Potsdam brachte. Ihn beeindruckte, wie die Ärzte dort arbeiteten und er fasste deswegen den Entschluss, selbst Tiermediziner zu werden. Tatsächlich ist er mittlerweile bei genau dieser Tierklinik angestellt: der AniCura Potsdam GmbH.

„Für mich hat der Beruf des Tierarztes gleich mehrere spannende Aspekte“, sagt der 32-Jährige. „Entscheidend ist dabei natürlich die Liebe zu Tieren, ohne die geht in diesem Job nichts. Es ist ein gutes Gefühl, Tieren helfen zu können.“ Er selbst wuchs auf einem Hof in Brandenburg auf, wo die Familie auch Schafe und Kaninchen hielt. „Außerdem reizen mich die Naturwissenschaften: Ich möchte wissen, warum und wie etwas funktioniert.“

Mit ersten Jobs in den Beruf hineingeschnuppert

Ein Porträt-Foto von Marten Eichler

Marten Eichler

Foto: B. Gassal

Tatsächlich hielt Marten Eichler mit viel Ausdauer an seinem Berufsziel fest. Schon während der Schulzeit jobbte er in den Ferien immer wieder in der Tierklinik und absolvierte nach dem Abitur 2006 dort zunächst eine Ausbildung zum Tiermedizinischen Fachangestellten. „Ich wollte etwas Bodenständiges machen und schauen, ob das wirklich die richtige Richtung für mich ist.“ Das war es, also studierte er an der Freien Universität Berlin noch Tiermedizin. „Die Ausbildung hat mir beim Studium geholfen, weil ich wusste, was auf mich zukommt und ich schon einiges an Fachwissen mitbrachte.“

Neben dem Studium jobbte Marten Eichler als studentische Hilfskraft weiterhin an der Tierklinik in Potsdam. Hinzu kamen Pflichtpraktika, unter anderem in einer Tierarztpraxis, im Veterinäramt und einem Schlachthof. Außerdem standen Pflichtdienste in der Uni-Klinik auf dem Programm.

2016 schloss er sein Studium erfolgreich ab – und meisterte den Berufseinstieg. „Ich hatte mich bei mehreren Tierkliniken beworben und einige Angebote bekommen“, sagt er. Darunter war auch „seine“ Klinik in Potsdam, für die er sich letztendlich entschied. „Die Konditionen waren gut, und ich wollte gerne in meiner Heimat bleiben.“

Vielfältige Aufgaben in der Klinik

In der Klinik fallen für Marten Eichler viele unterschiedliche Aufgaben an. „In der freien Sprechstunde kommen Halter mit ihren Tieren, die ich untersuche, behandle oder an einen Spezialisten weiterleite.“ Meist geht es dabei um Hunde und Katzen, aber ebenso um Meerschweinchen, Kaninchen und eher selten um Vögel und Exoten. „An einem OP-Tag wiederum habe ich mehrere verschiedene Operationen nacheinander.“

Außerdem ist der 32-Jährige für die Betreuung der stationären Patienten mit zuständig; bis zu 30 Tiere kann die Klinik beispielsweise nach Operationen stationär aufnehmen. Hinzu kommen organisatorische Aufgaben: Krankenberichte und Rücküberweisungen schreiben, Befundbesprechungen mit dem Besitzer des Tieres und Mitorganisation im Praxisalltag, zum Beispiel wenn es um die Neuanschaffung von Medikamenten geht.

„In einer Klinik hat man ein breiteres Spektrum an Erkrankungen sowie Versorgungs- und Behandlungsmöglichkeiten als in einer Praxis“, sagt Marten Eichler. Schließlich werden die Tiere dort stationär und intensivmedizinisch betreut. Das erfordert ein breit gefächertes Spezialwissen durch die vielen Kolleginnen und Kollegen. Dementsprechend ist das Team aus Ärzten, Tiermedizinischen Fachangestellten und Laborfachkräften groß. „Man kann sich schnell untereinander Rat holen und sich gegenseitig helfen“, erklärt Marten Eichler.

Rückblickend hat ihm das Studium viel geholfen, vor allem aufgrund der vielen praktischen Einsätze, die vorgesehen waren. Sein Vorteil beim Berufseinstieg war, dass er das Team und die Abläufe in der Klinik schon gut kannte. „Dennoch ist es etwas ganz anderes, eigenverantwortlich praktisch zu arbeiten – man muss das Handwerk erst erlernen.“ Überhaupt sei Tierarzt eine Profession, in der man sich permanent weiterbilden und über neue Entwicklungen informieren müsse.

Eine Tätigkeit mit Herausforderungen

„Das ist ein sehr schöner Beruf, der aber auch zeitintensiv und anstrengend ist“, sagt Marten Eichler. Jeder Tag sei anders, er wisse nie, was ihn erwartet. „Man muss geistig belastbar sein, schnell umschalten können und im Notfall innerhalb von Sekunden eine Entscheidung treffen.“ Körperlich gebe es ebenfalls Herausforderungen zu meistern, beispielsweise wenn ein schlafender, 80 Kilogramm schwerer Hund getragen werden muss. „Ich würde mich aber nie anders entscheiden; für mich ist das eine sehr bereichernde Arbeit.“

Als nächstes möchte Marten Eichler seinen Fachtierarzt für Kleintiere machen. Dafür muss er unter anderem vier Jahre in der Klinik arbeiten. Auch danach würde er gern erst einmal in Potsdam bleiben. „Ich sehe mich hier durchaus noch einige Zeit in der Klinik“, blickt er in die Zukunft.

 

Tiermediziner in der Forschung und Entwicklung

Zwischen Tierversuch und Tierwohl

Stephan Grundke hilft bei der Entwicklung von Medikamenten für kranke Tiere. Der 36-jährige Tiermediziner arbeitet als Projektleiter bei dem Pharmaunternehmen MSD Animal Health im rheinland-pfälzischen Schwabenheim in der Forschung und Entwicklung.

Seit Anfang 2015 ist Stephan Grundke beim Pharmaunternehmen MSD Animal Health tätig. Im Juli dieses Jahres wechselte er in die Abteilung „Globales Projektmanagement“. „Dort bin ich verantwortlich für das Management und die Koordinierung aller Teilaspekte von mehreren globalen Entwicklungsprojekten“, erklärt er.

Konkreter: Als Projektleiter ist der 36-Jährige sozusagen der Mittelsmann zwischen allen Beteiligten bei der Medikamentenentwicklung und dafür verantwortlich, dass alle Aufgaben wie geplant erledigt werden. Schließlich ist die Entwicklung einer Arznei eine sehr komplexe Angelegenheit, bei der viele verschiedene Fachabteilungen zusammenarbeiten müssen. „Entscheidungen und Probleme in einem Fachbereich haben oft Auswirkungen auf die Arbeit der anderen“, erzählt er. Deswegen muss er als Projektleiter beispielsweise alle eventuell Betroffenen informieren, wenn sich etwa die Dosis des Wirkstoffs ändert.

Von der Uni in die Industrie

Ein Porträt-Foto von Stephan Grundke

Stephan Grundke

Foto: privat

Nach seinem Studium an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover blieb Stephan Grundke erst einmal an der Uni: Am Institut für Pharmakologie der TiHo erstellte er zunächst seine Doktorarbeit, bevor er anschließend am selben Institut als Postdoktorand arbeitete und forschte. Nach rund drei Jahren lief sein befristeter Vertrag an der Hochschule aus und Stephan Grundke bewarb sich auf Stellen in der Industrie. Bei MSD Animal Health mit Erfolg.

„Ich habe zunächst in der präklinischen Entwicklung angefangen“, blickt der Tiermediziner auf die Zeit vor dem Wechsel ins Projektmanagement zurück. Das ist die Abteilung, die mit Hilfe von Tierversuchen untersucht, wie ein Wirkstoff im Körper aufgenommen, verteilt und ausgeschieden wird – und wie sicher er ist.

Ethische Verantwortung

Das tiermedizinische Hintergrundwissen aus dem Studium war vor allem für seine Stelle in der präklinischen Entwicklung eine wichtige Voraussetzung. „Für die Planung der Studien und die Auswertung der Ergebnisse ist es wichtig, sich mit der Physiologie von Tieren gut auszukennen und solide pharmakologische Kenntnisse zu haben“, sagt Stephan Grundke. Aber auch als Projektleiter hilft ihm das tiermedizinische Fachwissen sehr. „Immerhin entwickeln wir ja Tierarzneimittel“, erinnert er und erzählt, dass es kürzlich um mögliche Injektionsstellen beim Rind ging. „Da kam dann das ganze Wissen zur Anatomie von früher wieder ins Spiel.“ Außerdem könne er als Tierarzt mit den Kunden – ebenfalls Tierärzte – ganz anders sprechen als jemand mit einem anderen Hintergrund.

Sein Job ist viel mit Planung, Organisation, Besprechungen, Budgetberechnungen und jeder Menge E-Mails verbunden. Mittlerweile arbeitet er außerdem weniger direkt mit Tieren wie bei seiner vorherigen Stelle. Dennoch sagt er ganz klar: „Wir entwickeln Medikamente für Tiere und die werden an Tieren getestet. Als Projektleiter bin ich mit dafür verantwortlich, zu entscheiden, welche Versuche überhaupt gemacht werden. Außerdem muss ich Sorge dafür tragen, dass diese Versuche so wenig belastend für die Tiere sind wie möglich.“ Für ihn sei das eine große ethische Verantwortung.

Neue Medikamente helfen kranken Tieren

Was er Menschen erwidert, die sagen, sie könnten nie Tierversuche machen? „Wenn ich den Eindruck habe, dass jemand schon eine sehr festgefahrene Meinung hat und nicht offen für eine differenzierte Betrachtung ist, spare ich mir meist die Mühe einer Debatte“, resigniert er. „Fakt ist, dass wir heute noch nicht soweit sind, auf alle Tierversuche verzichten zu können.“ Derzeit werde aber auf dem Gebiet der Ersatzmethoden viel geforscht. „Ich hoffe, dass wir in zehn bis 20 Jahren viele Versuche ohne Tiere durchführen können.“

Diese vielen verschiedenen Facetten sind es auch, die den Job für Stephan Grundke so spannend machen. „Die größte Herausforderung meines Jobs macht ihn auch ungemein spannend: die Zusammenarbeit mit anderen Menschen.“ Häufig kommuniziere er mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, verschiedenen Fachbereichen und Ländern. Es sei toll, gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen und Probleme zu lösen. „Und natürlich ist es für einen Tierarzt ein befriedigendes Gefühl zu wissen, dass man an Medikamenten mitarbeitet, die dabei helfen, die Versorgung kranker Tiere zu verbessern.“

 

Tierärztin beim Veterinäramt

Zwischen Tierfriedhof und Haustier-Check

„Ordnungshüterin“ zum Wohl von Mensch und Tier: Sandra Starke ist amtliche Tierärztin im Veterinäramt der Stadt Köln. Die 37-Jährige kümmert sich unter anderem um illegal eingeführte Tiere und sorgt dafür, dass sich keine Seuchen verbreiten.

Dies ist ein sehr abwechslungsreicher Job, der mir eine enorm breite Mischung an Aufgaben bietet“, erzählt die 37-Jährige. So ist sie rund 40 Prozent ihrer Arbeitszeit im Außendienst unterwegs. Dann besucht sie beispielsweise Pferdehalter, die mit ihren Tieren ins Ausland reisen und dafür eine Gesundheitsbescheinigung benötigen.

Außerdem sind Sandra Starke und ihre Kollegen für die Überwachung tierischer Nebenprodukte zuständig. „Das betrifft alle Betriebe, die mit Erzeugnissen tierischen Ursprungs arbeiten.“ Darunter fallen etwa Heimtierfutterbetriebe, Tierfriedhöfe und Biogasanlagen. Ein weiterer Aspekt ist die Kontrolle landwirtschaftlicher Betriebe und sonstiger Nutztierhalter. „Geflügelhöfe sowie Rinder- und Schweinehalter gibt es in Köln zwar wenige, dafür aber zahlreiche Pferdehalter, Imker und Hobby-Geflügelhalter.“

Öffentliches Interesse ist bei Seuchen groß

Ein Porträt-Foto von Sandra Starke

Sandra Starke

Foto: privat

Wichtig ist außerdem die Kontrolle illegal eingeführter Tiere. „Viele bringen sich aus dem Urlaub einen Hund mit oder kaufen im Internet ein Haustier, das die Anbieter aus dem Ausland eingeführt haben.“ Häufig fehle dann die Tollwutimpfung oder andere gesetzliche Vorgaben seien nicht erfüllt. Solche Tiere werden sichergestellt und in Quarantäne gebracht. Manchmal entdecken Zollbeamte am Flughafen diese Tiere oder die Polizei erwischt einen Transporter voller Hunde. Häufig geben aber auch Nachbarn oder Tierärzte einen Tipp.

Das öffentliche Interesse an der Arbeit eines Veterinäramtes ist vor allem bei Krisen groß – beispielsweise wenn es eine Seuche gibt, zum Beispiel die Schweinegrippe. „Daher sind vorbeugende Maßnahmen im Bereich der Tierseuchenbekämpfung so wichtig“, sagt Sandra Starke. Schließlich gehe es darum, gesundheitliche Gefahren für die Tierbestände abzuwehren und damit den Verbraucherschutz zu gewährleisten und hohe ökonomische Schäden abzuwenden.

Lebensmittelrecht statt Pferdepraxis

Wie viele andere Menschen landete Sandra Starke eher zufällig in ihrem jetzigen Job. 2003 begann sie an der Justus-Liebig-Universität im hessischen Gießen ihr Studium der Tiermedizin. „Ich bin schon immer viel geritten und war sehr tieraffin“, erinnert sie sich. Zunächst dachte sie daher noch, dass sie gern in eine Pferdepraxis gehen würde. Doch das änderte sich bald: „Während des Studiums spielte der Bereich Lebensmittelrecht eine immer größere Rolle. Das interessierte mich sehr.“ Deswegen entschloss sie sich, nach Studienende ihre Doktorarbeit im Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde in Gießen zu absolvieren.

Gegen Ende der Doktorarbeit bekam sie eine befristete Teilzeitstelle an der Grenzkontrollstelle am Flughafen Köln/Bonn, wo sie Einfuhrkontrollen von Lebensmitteln und Erzeugnissen tierischen Ursprungs durchführte. Nach einiger Zeit ergab sich dort dann die Möglichkeit, Stunden aufzustocken und im Veterinäramt im Bereich der Lebensmittelüberwachung zu arbeiten. Das machte ihr viel Spaß, allerdings waren diese Stellen immer befristet.

Mit Referendariat zum Wunschjob

„Ich habe gemerkt, dass ich mit einem zweijährigen Veterinärreferendariat bessere Chancen auf eine unbefristete Stelle haben würde und damit dann eventuell auch verbeamtet werden kann“, erinnert sie sich. Daher absolvierte sie dies von 2012 bis 2014. Neben umfangreichen Theorieblöcken in den Bereichen Verwaltung, Tierseuchen, Tierarzneimittel, Lebensmittel, Tierschutz und Futtermittel durchlief sie im Referendariat auch praktische Stationen, wie beispielsweise Veterinäramt, Untersuchungsamt und Schlachthof.

Tatsächlich klappte es nach erfolgreichem Abschluss des Referendariats schon bald mit dem Wunschjob in Köln: Seit drei Jahren arbeitet Sandra Starke inzwischen beim Veterinäramt im Bereich Tierseuchenbekämpfung. Und ist dort glücklich: „Dies ist für mich ein sehr spannender Job.“

 

Tiermediziner – Interview

„Liebe zum Tier reicht nicht“

Welche Trends bestimmen die Tiermedizin? Und wie gelingt der Berufseinstieg für Tiermediziner? Prof. Theodor Mantel steht abi>> Rede und Antwort. Außerdem äußert sich der Ehrenpräsident der Bundestierärztekammer zum Thema Tierversuche.

abi>> Herr Professor Mantel, welche Anforderungen und Fähigkeiten sollten angehende Tierärzte mitbringen?

Theodor Mantel: Die Liebe zum Tier ist wichtig, aber das allein reicht nicht. Es sollte noch Interesse an naturwissenschaftlichen und medizinischen Fragestellungen dazukommen; ebenso an interdisziplinärer Zusammenarbeit, vor allem mit der Humanmedizin. Außerdem ist eine gewisse Flexibilität notwendig. Damit meine ich zum einen eine regionale Flexibilität – man kann nicht erwarten, genau am Wunschort eine Stelle zu bekommen –, zum anderen hinsichtlich der Tätigkeit. Es wäre verkehrt, zu sagen „Ich will in die Kleintiermedizin, weil ich früher Meerschweinchen hatte“. Berufliche Laufbahnen verlaufen häufig anders, dafür ist Offenheit erforderlich. Hinzu kommt eine psychische Belastbarkeit: Wer als Tiermediziner Dutzende oder Hunderte Rinder wegen Maul- und Klauenseuchenverdacht töten muss, muss das psychisch aushalten. Körperlich anstrengend ist der Beruf dagegen nicht so sehr, wie häufig angenommen wird. Dafür gibt es heute viele Hilfsmöglichkeiten. Auch Frauen können also bestens in die Großtiermedizin gehen.

abi>> Welche Tipps können Sie geben, damit der Berufseinstieg gelingt?

Ein Porträt-Foto von Prof. Theodor Mantel

Prof. Theodor Mantel

Foto: privat

Theodor Mantel: Man sollte sich vor und während des Studiums informieren, welche Bereiche es überhaupt gibt. Gut sind etwa Praktika in einer Klinik oder einer Tierpraxis. Es kann ebenfalls nützlich sein, sich die Arbeit in einem Forschungsinstitut oder in einem Veterinäramt anzuschauen. In der Tiermedizin ist ja auch das gesamte Spektrum des gesundheitlichen Verbraucherschutzes mit Lebensmittelhygiene angesiedelt. All diese Einblicke können helfen, herauszufinden, ob einem das wirklich gefällt. Außerdem ermöglichen sie erste Kontakte zu möglichen Arbeitgebern.

abi>> Welche Trends gibt es in der Tiermedizin?

Theodor Mantel: Die gehen eindeutig in Richtung Spezialisierung. In der Tiermedizin haben wir mehr als 35 verschiedene Fachtierarztbezeichnungen. Man kann sich nach vier- bis fünfjähriger Weiterbildungszeit nach dem Studium und erfolgreich abgelegter Prüfung jeweils für einen Bereich spezialisieren. Das ist nach den verschiedenen Tierarten unterteilt und geht von der Biene bis zu Zoo- und Wildtieren. Hinzu kommen unterschiedliche Fächer wie Radiologie, Anästhesie oder Intensivmedizin. Die Spezialisierung nähert sich in dieser Hinsicht immer mehr den Methoden der Humanmedizin an.

abi>> Das Arbeiten mit Versuchstieren in der Industrie beziehungsweise Forschung kann für Tiermediziner ein schwieriges Thema sein. Was muss man dafür mitbringen?

Theodor Mantel: Hier sind höchste Anforderungen an den Tierschutz gefragt. Fachtierärzte für Versuchstierkunde müssen wissen, wie sie die unvermeidbaren Schmerzen der Versuchstiere auf ein absolutes Minimum beschränken. Außerdem muss man die Fähigkeit des medizinischen Denkens und der Zusammenarbeit mit der Humanmedizin mitbringen. Human- und Tiermediziner führen meist gemeinsam die Experimente durch. Wichtig ist auch, dass man ein massives Grundwissen über die Bedürfnisse der einzelnen Versuchstiere hat. Immerhin arbeitet man mit Fischen und weißen Mäusen, mit Hunden, Katzen sowie Primaten.

 

Tiermediziner - Infografiken

Arbeitsmarkt Tiermediziner

Wie viele Studienanfänger gab es in den letzten Jahren in der Tiermedizin? Wie viele Studierende bestanden die Abschlussprüfungen? Und wie hoch sind die Arbeitslosenzahlen? Verschaffe dir mit den abi» Infografiken einen Überblick.


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Stand: 06.12.2019