interaktiv

Master live

Unverhoffte Begegnungen

Autor:
Noelle

Rubrik:
studium

29.11.2017

Gestern Abend musste ich von meinem Nebenjob bei der Zeitung aus in meine alte Schule, wo die Pläne des neuen Fußballplatzes vorgestellt werden sollten. Und obwohl ich erst gar keine Lust auf diesen Pressetermin hatte, entwickelte er sich am Ende doch zu einer sehr schönen Begegnung für mich.
Schon als ich den Raum betrat, in dem ich einst meine Abiklausuren geschrieben hatte, waren einige neugierige Blicke auf mich gerichtet. Als Erste sprach mich meine ehemalige Klassenlehrerin aus der fünften und sechsten Jahrgangsstufe an und fragte mich ganz interessiert danach, wie es mir nach dem Abi ergangen sei. So berichtete ich ihr von meinem Bachelorstudium in Deutsch und Englisch und von meiner Masterarbeit, an der ich momentan arbeite. Es war schön, dass sie mich offensichtlich nicht vergessen hatte, gleichzeitig aber auch seltsam. Meinem elfjährigen Ich war diese Frau immer so autoritär erschienen und nun begegnete sie mir plötzlich auf Augenhöhe. Aber ich schätze, das ist dieses „Erwachsensein“, von dem alle immer reden …
Das war allerdings nicht das erste Mal, dass ich seit dem Abitur wieder auf meine Lehrer traf. Einige Freundinnen und ich schauen immer nach Weihnachten bei unserer ehemaligen Englischlehrerin vorbei, die aus gesundheitlichen Gründen seit einigen Jahren nicht mehr unterrichten kann und sich über unsere Besuche freut. Beim letzten Mal war auch unser Deutschlehrer eingeladen. Und einerseits ist es schon komisch, mit eben jenen so freundschaftlich zusammenzusitzen, die einem früher Hausaufgaben ohne Ende aufgebrummt haben. Andererseits finde ich es toll, dass wir uns auch nach all der Zeit nicht aus den Augen verloren haben.
Vielleicht sind solche Treffen ja auch für unsere ehemaligen Lehrer etwas Schönes. Auf diese Weise begleiten sie uns nicht nur durch die Schulzeit, sondern sehen auch, was danach aus uns geworden ist. Mein einstiger Deutsch-LK-Lehrer kennt mich beispielsweise schon seit der 5. Klasse. Dass ich etwa in der Oberstufe von ihm ein dickes Lob für meine komplett fehlerfreie Deutschklausur erhielt, zählt zu den besonderen Momenten meiner Schulzeit. Umso bedeutender ist es für mich, auch jetzt noch seine Anerkennung zu spüren. Er interessiert sich für das Thema meiner Abschlussarbeit und freut sich darauf, nächstes Jahr in einer großen Zeitung von mir zu lesen. Auch wenn mich dieser Verlust der Distanz zu ehemaligen Lehrern unglaublich alt fühlen lässt, macht Erwachsensein so doch irgendwie Spaß.

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