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Jakob Blasel

„Hass und Hetze bedrohen unsere Demokratie“

Jakob Blasel (19) ist einer der führenden Köpfe hinter der Jugendbewegung „Fridays for Future“ und organisiert bundesweit Demonstrationen und Kundgebungen zum Thema Klimaschutz. Im abi» Interview spricht er über sein Zeitmanagement, Hass im Netz und die Bedeutung von Werbepartnerschaften.

Ein Portrait von Jakob Blasel

Jakob Blasel ist durch sein Engagement für die Umwelt bundesweit bekannt.

abi» Du wurdest während deiner Schulzeit zu einem der bekanntesten deutschen Klimaaktivisten. Wie hast du das zeitlich überhaupt unter einen Hut gebracht?

Jakob Blasel: Ich habe in der Schule nicht krass viel weniger gemacht, das ging eher auf die Freizeit. Ganz viel Aktivismus hat sich in der Schule abgespielt: In den Pausen habe ich telefoniert oder mit Mitschülern geredet. Und ich habe eben auch in der Schule Werbung für den Klimaschutz gemacht.

abi» Durch ein Engagement kann man sich in der Regel verschiedene Skills aneignen. Welche Fähigkeiten, die vielleicht später bei der Berufswahl unterstützen, bekommt man denn als Klimaaktivist – neben den fachlichen Kenntnissen?

Jakob Blasel: Das hängt stark davon ab, wie man sein Engagement betreibt. Die einen halten Vorträge, die anderen blockieren Straßen und die nächsten organisieren Demos. Was ich besonders gelernt habe, war, wie man Texte verfasst. Wenn man direkt den Sinn dahinter sieht, macht man das noch mal ambitionierter als in der Schule. Ansonsten Kommunikations- und Organisationsskills. Um ehrlich zu sein, lernt man das Meiste dadurch, dass man nicht denkt, ich mache das jetzt, um meine Bildung zu vertiefen, sondern indem man einfach loslegt und sich das aneignet, was für die eigene Arbeit nötig ist.

abi» Hast du vor, das Wissen und die Fähigkeiten, die du durch dein Engagement erhalten hast, in deinem späteren Beruf einzusetzen?

Jakob Blasel: Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, dass das für eigentlich alles, was man machen kann, total hilfreich ist, zum Beispiel im Team zu arbeiten oder eine Gruppe zu organisieren. Und letztendlich kann ich mir tausend Dinge vorstellen zu machen.

abi» Dein Abitur hast du inzwischen in der Tasche. Hast du dich danach für eine Ausbildung oder ein Studium entschieden?

Jakob Blasel: Ich habe erst einmal Pause gemacht, mich voll und ganz auf Fridays for Future konzentriert und geschaut, wie wir die Bewegung weiterentwickeln können. Zum Wintersemester fange ich an, Jura zu studieren.

abi» Neben deinem Engagement für die Umwelt moderierst du ein Format für Funk. Interessiert dich daran hauptsächlich das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit oder ist die Moderation an sich eine Leidenschaft von dir?

Jakob Blasel: Ich war schon immer ein Mensch, der gerne auf der Bühne steht, redet und Sachen erzählt. Aber letztendlich ist der Grund, warum ich mit Ozon (Anm.d.Red.: öffentlich-rechtliches Social-Media-Format von Funk) angefangen habe, tatsächlich die Nachhaltigkeit. Ich fand es total cool, mal in einem anderen Format, das weniger aktivistisch, sondern eher bildungsorientiert ist, das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit rüberzubringen. Letztendlich habe ich viel Spaß daran zu moderieren und bin in den letzten Monaten extrem daran gewachsen.

abi» Immer mehr Aktivisten von Fridays for Future, aber auch von anderen Organisationen, werden im Internet angefeindet und bedroht. Wie gehst du damit um und hat diese Internetkultur vielleicht sogar deine Studienwahl Jura beeinflusst?

Jakob Blasel: Ich glaube, die Kultur der Beleidigungen zeigt eher, dass es nicht ausreicht, sich fürs Klima zu engagieren, sondern dass wir uns für einen gesamtgesellschaftlichen Wandel einsetzen müssen. Hass und Hetze bedrohen letztendlich fast unsere Demokratie. Es ist wichtig, sich noch weiter gesellschaftlich zu engagieren, um ein Miteinander zu zeigen, in dem man sachlich diskutiert und eben nicht beleidigt, auch wenn man in bestimmten Punkten anderer Meinung ist.

abi» Stell dir vor, wir würden in einer Welt leben, in der es keine Klimakatastrophe gäbe. Würden sich deine Zukunftspläne stark von den heutigen unterscheiden?

Jakob Blasel: Definitiv. Ich wäre im letzten Jahr wahrscheinlich deutlich mehr gereist und hätte auch für mich mehr Zeit gehabt. Diese Zeit kann ich mir gerade nicht nehmen.

Über Jakob Blasel

Jakob Blasel wurde 2000 in Kiel geboren und ist Klimaaktivist bei Fridays for Future. Als Teil des Orgateams der deutschen Delegation der Bewegung ist er für den nationalen und internationalen Austausch und die Koordination der global verteilten Gruppen zuständig. Immer wieder ist er in Talkshows zu Gast.

abi» 03.04.2020

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