Im Sinne der Gesellschaft

Junge Frau blättert in einem Gesetzesbuch. Foto: Axel Jusseit
Dicke Wälzer: Verwaltungswissenschaftler wissen, wo welche Gesetze stehen.
Foto: Axel Jusseit

Verwaltungswissenschaftler

Im Sinne der Gesellschaft

Die öffentliche Verwaltung ist viel abwechslungsreicher als ihr Ruf. Entsprechend vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten für Verwaltungswissenschaftler.

Ich wollte gerne einen Beruf mit Sinn ergreifen. Öffentliche Verwaltungen übernehmen wichtige Aufgaben für die Bürger, daher habe ich mich für ein Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften entschieden“, berichtet Ina Franke.

Portraitfoto von Ina Franke. Foto: Privat

Ina Franke

Privat

Nach ihrem Bachelor- und Masterabschluss an der Universität Konstanz machte sie zunächst ein Praktikum in einer Bundesbehörde und absolvierte anschließend ein Referendariat. Seit März 2018 ist sie nun in der Stabsstelle der Landeskoordination Betriebliches Gesundheitsmanagement im Innenministerium Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf tätig. „Wir erarbeiten Maßnahmen, mit denen wir die Gesundheit der Beschäftigten des Landes fördern können“, fasst die 29-Jährige ihre Aufgaben zusammen.

Dafür wertet sie zunächst Statistiken zur Gesundheit am Arbeitsplatz aus. Sie vernetzt Mitarbeiter, die sich in Behörden und Ministerien bereits mit dem Thema Gesundheitsmanagement beschäftigen. Und sie erarbeitet Strategien zu konkreten Maßnahmen und Standards für das Gesundheitsmanagement in Verwaltungen.

Sicherer Arbeitsplatz?

„Das Studium hat mich gut auf meine Aufgaben vorbereitet“, sagt die Beamtin. „Vor allem Inhalte aus der Organisations- und Managementlehre sowie das erworbene Wissen, wie Kommunikation und Prozesse ablaufen, hilft mir weiter.“ Auch wenn sie erst vor Kurzem im Innenministerium angefangen hat, freut sie sich schon darauf, im Laufe ihres Arbeitslebens viele Stationen in der öffentlichen Verwaltung kennenzulernen: „Diese Vielseitigkeit finde ich an der Arbeit als Verwaltungswissenschaftlerin besonders spannend.“

Ein weiteres Argument für viele, die diesen Beruf anstreben: Die öffentliche Verwaltung steht für ein hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit. „Einerseits hat über die Hälfte der Beschäftigten einen Beamtenstatus, zum anderen genießen aber auch Angestellte in der Regel einen sehr weitgehenden Kündigungsschutz“, sagt Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit.

Fakt ist aber auch: Die knappe Haushaltslage führte im Verlauf des letzten Jahrzehnts zu einem insgesamt rückläufigen Personalstamm. Dies war außerdem durch den Einsatz moderner und effizienter IT bedingt. „In der Verwaltung hat die IT zunehmend Einzug gehalten und wird weiterhin die Entwicklung beeinflussen“, glaubt Claudia Suttner. Als Schlagwort nennt sie die „papierlose Verwaltung“.

„Juristische Kenntnisse sind ganz wichtig“

Auf der anderen Seite hat durch die Zuwanderung von Geflüchteten sowohl die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten als auch die Zahl der gemeldeten Stellen in der öffentlichen Verwaltung in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. „2016 war hier der Höhepunkt. Im vergangenen Jahr ging die Nachfrage wieder zurück, befindet sich im Vergleich zu den Jahren vor 2015 aber immer noch auf einem hohen Niveau“, erklärt die Arbeitsmarktexpertin. Da ein großer Teil der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung über 55 Jahre alt ist, ist in Zukunft ein erhöhter Bedarf an jungen Fachkräften zu erwarten.

Verwaltungswissenschaftler machen immer noch den Großteil der Mitarbeiter in öffentlichen Verwaltungen aus. Mit welchen Themen sie sich schon im Studium beschäftigt haben sollten, weiß Prof. Dr. Holger Mühlenkamp, Inhaber des Lehrstuhls Öffentliche Betriebswirtschaftslehre sowie Rektor der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer: „Juristische Kenntnisse sind ganz wichtig in unseren rechtlich stark ausgeprägten Verwaltungen. Auch betriebswirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Inhalte sind in einem Studium sinnvoll.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Verwaltung).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Verwaltung).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: Verwaltung).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit

www.berufe.tv

Informationsseiten für den öffentlichen Dienst

Portal, das unter anderem über die Tarifverträge im öffentlichen Dienst informiert.

http://oeffentlicher-dienst.info

 

Verwaltungswissenschaftler – Interview

„An Themen arbeiten, die für die Gesellschaft sinnvoll sind“

Welche Trends dominieren die Verwaltung? Und welche Karrierechancen haben Verwaltungswissenschaftler? abi>> sprach mit Prof. Dr. Holger Mühlenkamp, Inhaber des Lehrstuhls Öffentliche Betriebswirtschaftslehre sowie Rektor der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer.

abi>> Herr Mühlenkamp, wo sehen Sie derzeit die wichtigsten Trends in der Verwaltung?

Portraitfoto von Dr. Holger Mühlenkamp. Foto: Privat

Dr. Holger Mühlenkamp

Privat

Holger Mühlenkamp: Das Thema Digitalisierung ist in aller Munde, natürlich auch in der Verwaltung. Unter anderem geht es darum, Verwaltungsvorgänge elektronisch durchzuführen statt wie bisher auf Papier. Sie können dadurch natürlich verbessert werden, aber es birgt auch Risiken, etwa beim Datenschutz. Die größte Herausforderung besteht für die öffentliche Verwaltung darin, die notwendigen Ressourcen für die Digitalisierung zu sichern: zum einen die Finanzierung, zum anderen aber auch Mitarbeiter, die sich mit IT auskennen. Bei der Personalsuche konkurriert die Verwaltung mit der Privatwirtschaft, die ebenfalls Schwierigkeiten hat, Informatiker zu finden – aber Unternehmen bieten oft bessere Einkommensmöglichkeiten.

abi>> Wie schätzen Sie derzeit die Arbeitsmarktchancen für Berufseinsteiger ein?

Holger Mühlenkamp: Das hängt von der Qualifikation ab. Qualifizierte Absolventen haben gute Perspektiven. Verwaltungswissenschaftler konkurrieren dabei aber mit Absolventen vor allem juristischer Studiengänge. Daher lautet mein Rat an alle Verwaltungswissenschaftler, sich unbedingt auch juristische Sachkenntnisse anzueignen oder zumindest eine Affinität für rechtliche Fragen zu zeigen.

abi>> Welche persönlichen Qualifikationen sind für die Arbeit in der Verwaltung besonders wichtig?

Holger Mühlenkamp: Die Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung sind heutzutage sehr unterschiedlich. Und von typischen Beamten, die klischeehaft nur langsam arbeiten, kann man heute kaum noch reden. Dass Verwaltungen oft immer noch etwas schwerfällig arbeiten, dafür kann ja der einzelne Beamte nichts. Er muss sich nun mal an die zunehmend komplexen gesetzlichen Regelungen halten. Meine Erfahrung ist: Vor allem Mitarbeiter, die Verantwortung haben, sind sehr gefordert und müssen Führungsqualitäten beweisen. Studien zeigen zudem, dass viele Mitarbeiter, die in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, großes Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen haben und an Themen arbeiten wollen, die für die Gesellschaft sinnvoll sind.

 

Verwaltungswissenschaftler

Mitglieder engagiert vertreten

Viel Energie für die Stadtwerke: Julian Büche arbeitet als Landesgeschäftsführer für den Verband kommunaler Unternehmen in Berlin. Auf seine Tätigkeit vorbereitet wurde der 31-Jährige in seinem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften.

Wenn es um die Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft in Berlin und Brandenburg geht, ist Julian Büche bestens informiert. Kein Wunder, schließlich arbeitet der 31-Jährige als Geschäftsführer für die Landesgruppe beim Verband kommunaler Unternehmen in der Hauptstadt. Zusammen mit einer Assistentin betreut er die Stadtwerke mit kommunaler Beteiligung in Berlin und Brandenburg und pflegt die politischen Beziehungen.

Seine Aufgaben sind vielfältig: „Den Verband zeichnet vor allem die Nähe zu seinen über 1.460 Mitgliedsunternehmen aus“, erklärt der Verwaltungswissenschaftler. Das heißt, er ist oft bei den Unternehmen der Branche vor Ort, um zu besprechen, was die Stadtwerke beschäftigt. In einem großen Bundesland wie Brandenburg bedeutet dies, viel zu reisen. Des Weiteren besucht und organisiert der Verwaltungswissenschaftler viele Veranstaltungen, um den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedsunternehmen zu fördern.

E-Mobilität, effiziente Wassernutzung und Co.

Portraitfoto von Julian Büche. Foto: Privat

Julian Büche

Foto: Privat

Auch zu Politikern und Abgeordneten hält Julian Büche regen Kontakt. Bundesweite Gremien und Arbeitskreise erarbeiten Positionspapiere und Stellungnahmen zu Themen rund um Energie, Wasser und Abfall – etwa zu E-Mobilität, effizienter Wassernutzung und dergleichen. Die Ergebnisse trägt der Verband in die Politik, sodass bei gesetzlichen Entscheidungen die Interessen der kommunalen Unternehmen berücksichtigt werden. Durch die Nähe zur bundesweiten Hauptgeschäftsstelle des Verbandes in Berlin – die dort ebenso ansässig ist wie die Landesgruppe – findet hier auch ein reger Austausch statt.

„Für meine Arbeit muss man in der Lage sein, politisch und analytisch zu denken und sich schnell in neue Themen einzuarbeiten“, nennt Julian Büche wichtige Voraussetzungen für seinen Beruf. „Außerdem habe ich häufig mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun, auf die es sich einzustellen gilt und denen ich die Verbandspositionen näher bringe“, ergänzt er. Sein Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften hat ihn dabei gut auf seine heutigen Aufgaben vorbereitet. „Aber man muss die Theorie natürlich mit praktischen Erfahrungen untermauern“, lautet sein Rat.

Umwelt und Energie als Schwerpunkt

Da der Verwaltungswissenschaftler erst ein halbes Jahr in seiner aktuellen Position arbeitet, freut er sich darauf, in den nächsten Monaten verstärkt eigene Themenschwerpunkte zu setzen. „Als Landesgeschäftsführer kann ich aktiv gestalten und Dinge anstoßen. Da ich hinter dem Konzept kommunaler Unternehmen und ihrer elementaren Leistungen der Daseinsvorsorge stehe, kann ich meine Überzeugungen bestens in meine Arbeit einbringen.“

Politisch interessiert war Julian Büche schon zu Schulzeiten. Ein Besuch an der Universität Konstanz brachte ihm den Studiengang Verwaltungswissenschaften näher. Als Studienort wählte er dann allerdings die Universität Potsdam – auch aufgrund der Nähe zum Hauptstadtparkett in Berlin. Als Nebenfach zu den Politik- und Verwaltungswissenschaften studierte der heute 31-Jährige Geschichte, zudem absolvierte er diverse Praktika, unter anderem an der Deutschen Botschaft in Südafrika und im Bundeswirtschaftsministerium. An seinen Bachelorabschluss schloss er noch einen Master in European Studies an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und Straßburg an.

„Mein erster Job führte mich zu einer Bundestagsabgeordneten, die Staatssekretärin im Umweltministerium war“, berichtet Julian Büche. „Auch hier konnte ich mich mit den Themen Umwelt und Energie beschäftigen, die ich schon im Studium schwerpunktmäßig behandelt hatte.“ Ein Interesse, dem der 31-Jährige nun in seinem Beruf täglich nachgehen kann.


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Stand: 26.01.2020