Für Recht und Ordnung in der Arbeitswelt

Eine Büste von Aristoteles
Aristoteles begründete die Ethik als eigenständige philosophische Disziplin. Im Arbeitsleben befassen sich Compliance-Manager damit, dass ehtische Grundsätze im Unternehmen eingehalten werden.
Foto: Sonja Trabandt

Compliance-Manager – Hintergrund

Für Recht und Ordnung in der Arbeitswelt

Unsaubere Geschäftspraktiken, schlechte Arbeitsbedingungen – spielen Fragen der Ethik und des Vertrauens in der Wirtschaft überhaupt eine Rolle? Seit einigen Jahren offenbar schon, denn ein neues Berufsbild ist entstanden: Compliance Manager/in.

Im digitalen Zeitalter verbreiten sich negative Schlagzeilen über Unternehmen, Behörden und Organisationen in Lichtgeschwindigkeit – ebenso schnell werfen sie Schatten auf die involvierten Akteure. Denn wer kauft schon Produkte, Waren oder Dienstleistungen von jemandem, über den schlecht getwittert, gepostet und berichtet wird? Um dem entgegenzuwirken, beschäftigen immer mehr Unternehmen Compliance- Manager – aber nicht nur zur Pflege ihres Ansehens. Ziel ist auch, das Unternehmen vor Rechtsverstößen und Vermögensschäden zu schützen.
Denn „Compliance“ bedeutet so viel wie Regelkonformität. Im Unternehmenskontext heißt das: Es gilt, alle Mitarbeiter dazu zu bringen, sich an bestimmte ethisch-moralische und rechtlich bindende Regeln zu halten. Compliance-Manager kämpfen also gegen Korruption sowie unlautere Geschäftspraktiken, stellen interne Grundsätze auf und wachen darüber, dass sich alle dementsprechend verhalten. So gestalten Compliance-Manager beispielsweise internationale Verträge so, dass sie mit den firmeninternen Compliance-Grundsätzen und dem landesspezifischen Recht übereinstimmen. Konkrete Beispiele sind die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, der Umwelt-, Daten-. oder Arbeitsschutz sowie Produktsicherheit.
Damit dies gelingt, dokumentieren und definieren sie firmeninterne Regeln, entwickeln meist einen standardisierten Prozess, ein so genannten Compliance-Management-System (CMS), kommunizieren Regeln und Grundsätze bei Schulungen und setzen sich dafür ein, dass der von ihnen eingeführte Prozess eingehalten wird.

Einstieg über Jura, Wirtschaftsrecht, BWL und VWL

Ein Job mit hohem Anspruch: Nach einer Umfrage des Berufsverbands der Compliance-Manager (BCM) geben Compliance-Manager ihre Zufriedenheit mit dem Beruf mit 71 Prozent an. Zwar schätzen sie die Work-Life-Balance als hoch ein, 56 Prozent von ihnen erleben aber auch Stress in ihrem Berufsalltag. Aber der Einsatz lohnt sich: Compliance-Manager leisten in ihrer Rolle als Berater und Kontrolleure einen nachhaltigen Beitrag zum Risikomanagement und zur Konzernsicherheit. Compliance-Manager sind nicht selten im oberen Management angesiedelt.
Meistens haben sie Jura, Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre studiert. Eine spezielle Ausbildung gibt es nicht, allerdings bietet mittlerweile eine Handvoll Hochschulen den Bachelorstudiengang Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Compliance an, etwa die Hochschule Mainz, die Hochschule Kaiserlautern, die Hochschule Hof und die Fachhochschule der Westküste. Zudem gibt es weiterbildende, berufsbegleitende Masterstudiengänge, beispielsweise Risiko- und Compliancemanagement an der Technischen Hochschule Deggendorf, Compliance and Corporate Governance (MBA) an der TH Ingolstadt und der Hochschule Konstanz sowie Compliance und Datenschutz (MBA) an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt.

Mittel- bis längerfristiges Berufsziel

Ein Porträtfoto von Michael Hümmer.

Michael Hümmer

Foto: privat

„Es ist eher ein mittel- bis längerfristiges Berufsziel. In diese Tätigkeit wächst man hinein“, betont Michael Hümmer, Akademischer Berater der Agentur für Arbeit Erlangen. Denn um ein CMS einzuführen und Regeln durchzusetzen, sei eine Persönlichkeit nötig, die ein gewisses „Standing“ habe, erläutert er. „Compliance-Manager haben in ihrer hohen Stabstellenposition viel mit Führungskräften zu tun und sind weisungsbefugt. Deshalb wird kaum eine Firma einen Berufsanfänger direkt nach dem Master einstellen. Berufserfahrung ist wichtig“, stellt der Berufsberater fest. Diese bekomme man am besten durch den Einstieg in einer Unternehmensberatung.
„Es gibt zurzeit viele offene Positionen, bei Firmen, Consultern, Wirtschaftsprüfern oder Steuerberatern“, berichtet Michael Hümmer, und erläutert, dass in der Regel nur große Unternehmen eigene Compliance-Manager beschäftigen. Mittelständler beauftragen dagegen eher Beratungsunternehmen.

Interkulturelles Verständnis und umfangreiche Sprachkenntnisse

Ein Porträt-Foto von Michael Falk

Michael Falk

Foto: privat

Ein Blick in aktuelle Stellenprofile zeigt: Oft wird ein gutes interkulturelles Verständnis gefordert, meist umfangreiche Sprachkenntnisse. Je nach Einsatzgebiet gibt es auch spezialisierte Experten, wie den IT-Compliance-Manager, den für Produkte, für Rechtliches, für Finanzen oder für Personal. „Es können auch Nicht-Juristen gute Compliance-Manager sein“, sagt Michael Falk vom Berufsverband der Compliance-Manager (BCM): „Viele persönliche Eigenschaften wirken in diesem Berufsprofil zusammen, sodass auch Geistes- und Naturwissenschaftler durchaus geeignet sein können.“
Mit der Agentur für Arbeit Hannover und der Leibniz-Universität zusammen hat Michael Falk eine Berufsinfo-Reihe für Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften entwickelt. Der Verband unterstützt nicht nur seine Mitglieder, sondern informiert auch alle, die sich für das Berufsbild interessieren.

 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Compliance-Manager/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Rechtswesen“.

www.berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

Berufsverband der Compliance Manager

www.bvdcm.de

Fachmagazin „Compliance Manager“

herausgegeben von der Quadriga Media Berlin GmbH

www.compliance-manager.net 

 

Compliance-Managerin

Im Einsatz für mehr Ethik

Compliance-Manager kämpfen in Unternehmen, Behörden und Organisationen gegen Korruption und unethisches Verhalten. Eine von ihnen ist Sarah Wegener (33). Sie kümmert sich beim Online-Händler Zalando in Berlin darum, dass sich niemand auf unlauterem Weg Vorteile verschafft.

Compliance-Manager sind mehr als nur „Betriebspolizisten“: Sie haben zwar vorrangig die Aufgabe, darüber zu wachen, dass Rechtsvorschriften und ethische Grundsätze in allen Bereichen eines Unternehmens eingehalten werden. Voraussetzung dafür, dass sich die Mitarbeiter an die Regeln halten, ist allerdings eine bestimmte Unternehmenskultur. Diese zu schaffen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Compliance-Managers, deshalb gestalten sie federführend die Konzernrichtlinien mit.
Genau das macht Sarah Wegener. Die 33-Jährige ist Compliance-Managerin beim Online-Modehändler Zalando in Berlin. Sie ist Juristin mit dem Schwerpunkt Strafrecht. Als Strafverteidigerin hat sie früher Unternehmen unter anderem in Fällen von Korruption und Steuerhinterziehung vertreten. So kam sie mit Wirtschaftsthemen in Kontakt und fand Gefallen am Unternehmensumfeld. Der Gedanke reifte in ihr, sich beruflich dorthin zu orientieren. Das Berufsbild Compliance-Manager sprach sie sehr an, und sie musste aufgrund ihrer Vorkenntnisse auch keine besondere Weiterbildung absolvieren. „Hier kann ich meine Kenntnisse und Erfahrungen im Strafrecht mit Beratungstätigkeit kombinieren – das liegt mir einfach“, bringt sie es auf den Punkt.

„Juristischer Berater, Prozessmanager und Kommunikator in einem“

Ein Porträt-Foto von Sarah Wegener

Sarah Wegener

Foto: privat

Nach einer ersten Station in einem anderen Unternehmen kam Sarah Wegener 2017 zu Zalando, wo sie auch noch andere Fähigkeiten in ihren Beruf einbringen kann. „Als Compliance-Manager ist man vieles gleichzeitig: juristischer Berater, Prozessmanager, Kommunikator, manchmal Journalist. Man braucht ein gutes interkulturelles Verständnis. Auch umfangreiche Sprachkenntnisse sind oft von Vorteil“, betont sie. Denn international agierende Unternehmen sollten im Rahmen des rechtlich Zulässigen auch länderspezifische Gewohnheiten berücksichtigen.
Wie soll sich beispielsweise ein Mitarbeiter verhalten, dem der Geschäftspartner bei einem Termin im Ausland ein Gastgeschenk überreichen will? Er darf es eigentlich nicht annehmen, stößt aber den Gastgeber vor den Kopf, wenn er ablehnt. Das sei ein ständiger Spagat, meint auch Sarah Wegener. Eine Zurückweisung könne in anderen Ländern als unhöflich gelten „Das ist schon manchmal komplex“, betont die Juristin.

Vielfältige Aufgaben, breit gefächerte Fähigkeiten

Bei ihrem Einsatz für die rechtliche und moralische „Compliance“, sprich Regelkonformität, hat Sarah Wegener einen abwechslungsreichen beruflichen Alltag mit vielfältigen Aufgaben: Sie entwickelt zum Beispiel das sogenannte Compliance Management System (CMS) des Unternehmens weiter und achtet darauf, dass es eingehalten wird. Dabei geht es im Prinzip darum, die Richtlinien systematisch abzubilden, sie zum Beispiel bei Schulungen zu kommunizieren und die Einhaltung zu überwachen.
„Mal beschäftige ich mich mit dem CMS, mal arbeite ich direkt in Projekten mit oder befasse mich mit strafrechtlichen oder kartellrechtlichen Themen. Sehr wichtig ist es aber auch, Kommunikationswege aufzutun, um die Mitarbeiter zu erreichen“, sagt sie. Inzwischen gibt es zum Beispiel technische Werkzeuge, die die Compliance-Arbeit unterstützen, etwa Whistleblowing-Tools, mit denen Mitarbeiter den Verdacht eines Regel- oder Gesetzesverstoßes melden können – auch anonym.
Kommunizieren und Netzwerken sind auch Grundelemente ihres Engagements im Berufsverband der Compliance Manager (BCM). Der Verband unterstützt nicht nur seine Mitglieder oder Berufsanfänger mit Informationen und Kontakten, sondern informiert auch alle, die sich für das Berufsbild interessieren.
„Genau diese Vielfalt ist es, die einen für diesen Beruf befähigt. Vor allem ist es eine Mischung aus fachlicher Kompetenz – sei es rechtliche oder wirtschaftliche –, internationalem Interesse, Kommunikationsfähigkeit, aber auch der Fähigkeit, Generalist und ‚open minded‘ zu sein“, ist Sarah Wegener überzeugt.


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Stand: 20.11.2019