Die Banken im Blick

Ein Fondsmananger sitzt an seinem Schreibtisch und beobachtet die Börsenaktivitäten auf drei Bildschirmen vor sich.
Rating-Analysten sind seit der Finanz- und Bankenkrise 2008 gefragte Experten.
Foto: Thomas Lohnes

Rating-Analyst

Die Banken im Blick

Rating-Analysten sind wichtige Informanten des Kapitalmarkts. Vor allem seit der Finanz- und Bankenkrise von 2008 ist ihre Arbeit immer bedeutender geworden. Reber Acar (26) arbeitet als Covered Bond Analyst bei einer europäischen Ratingagentur in Frankfurt. Zu seinen Tätigkeiten gehört die Analyse von Banken und Hypothekenmärkten.

Wenn Reber Acar aus dem Fenster seines Büros im 13. Stockwerk schaut, blickt er auf das Frankfurter Bankenviertel. Seit 2019 arbeitet er als Analyst bei der Rating-Agentur Scope Ratings GmbH, die außer am hessischen Finanzplatz auch Büros in Berlin, Hamburg und in weiteren Ländern Europas betreibt. An den deutschen Scope-Standorten arbeiten etwa 50 Rating-Analysten: „Unsere Aufgabe ist es, dem Markt eine unabhängige und transparente Meinung zu geben“, erklärt der 26-Jährige.

Als Senior Analyst arbeitet er im Bereich „Covered Bonds“, wie Pfandbriefe auf dem europäischen Markt heißen. Das sind von Pfandbrief- oder Hypothekenbanken ausgegebene Anleihen bzw. Schuldverschreibungen, die gesetzlich mit Sicherheiten unterlegt sind, wodurch sie weitgehend vor Zahlungsausfällen geschützt sind. Dieses komplexe Thema seinen Kunden verständlich zu erläutern, betrachtet er als Herausforderung. „Wenn diese danach besser informiert sind als vorher, habe ich meine Aufgabe erfüllt.“

Was ist ein Rating?

Ein Kopfbild von Reber Acar

Reber Acar

Foto: privat

Bei Scope haben die Rating-Teams zwar die gleichen Kernaufgaben, diese unterscheiden sich jedoch im Thema und somit in der Analyse. Reber Acar beschäftigt sich mit gedeckten Bankschuldverschreibungen. Bei solchen leiht sich eine Bank am Kapitalmarkt Geld und verspricht, dieses zu einem festgelegten Zeitpunkt mit einem bestimmten Zins zurückzuzahlen. Für den Fall der Nichtrückzahlung hinterlegt die Bank eine Sicherheit, zum Beispiel Hypotheken- oder öffentliche Kredite. „Meine Aufgabe ist es nun“, erklärt Reber Acar, „mir die Bank, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die hinterlegten Sicherheiten genauer anzuschauen, die Daten zu analysieren und am Schluss ein Rating vorzuschlagen.“

Vor dem Rating führt er ein Gespräch mit der jeweiligen Bank. Hierfür ist er in ganz Europa unterwegs und trifft sich mit hochrangigen Bankmitarbeitern: „Auf jeden Fall ein Highlight des Jobs.“ Unter anderem basierend auf diesen Treffen, der Unternehmensstrategie der Banken und ihrem Risikomanagement erstellt Reber Acar die Analyse.

Im Anschluss findet die so genannte Rating-Diskussion statt, denn: Ratings werden nicht von einzelnen Analysten vergeben, sondern basieren immer auf der Debatte eines Kredit-Komitees. Dieses besteht aus dem verantwortlichen Analysten sowie mehreren Kollegen, teilweise auch aus anderen Teams. „Hier stehe ich dann Rede und Antwort, bevor über das Rating abgestimmt wird“, sagt Reber Acar. Der letzte Schritt ist die Veröffentlichung des Ratings, für die er eine Pressemitteilung und einen Bericht verfasst, in dem er Investoren und Banken möglichst transparent und verständlich erläutert, welche Risiken das Produkt birgt und warum sich Scope für das jeweilige Rating entschieden hat.

Ausbildung zum Rating-Analyst

Reber Acar besitzt einen Bachelor-Abschluss in Volkswirtschaftslehre, den er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn absolvierte. Für ein Masterstudium in Financial Economics (deutsch: Finanzökonomie) ging er an die Erasmus-Universität in Rotterdam. Schon immer hatte er ein großes Interesse an makroökonomischen und bankwirtschaftlichen Fragestellungen, wollte außerdem analytisch und mit theoretischen Modellen arbeiten: „Der Beruf des Rating-Analysten ist dafür perfekt.“ Als wichtige Eigenschaften für diesen Beruf nennt er Diskussionsfreude, Durchsetzungskraft, Neugier und kritisches Denken.

 

Rating-Analyst/in – Hintergrund

Finanzprüfer auf dem Kapitalmarkt

Rating-Analysten bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten. Auch können sie im Auftrag von Kreditinstituten oder Kapitalgesellschaften die Zahlungsfähigkeit von Privatpersonen überprüfen. Für Absolventen der Wirtschaftswissenschaften oder im Bereich Banking und Finanzierung bietet die Branche gute Karrierechancen.

Von Triple-A bis D: Anhand eines fest definierten Bewertungssystems vergeben Ratingagenturen Buchstabencodes. Das Ranking verläuft dabei von der Bestnote AAA (Triple) bis zur Note D, die besagt, dass der Schuldner zahlungsunfähig ist. Innerhalb dieser Rangliste, des „Rankings“, werden anhand von Plus- und Minuszeichen weitere Feinheiten definiert.

Neben Privatpersonen, Unternehmen oder Banken bewerten Rating-Analysten auch Wertpapiere. Je schlechter sie die Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit eines potenziellen Schuldners einschätzen, desto schwieriger wird es für ihn, sich auf dem Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. „Bei ihrer Beurteilung stellen Ratinganalysten zum Beispiel fest, ob die Kreditnehmer ihren Verpflichtungen pünktlich und vollständig nachkommen können“, sagt Karolin Babbe-Voßbeck, Berufsberaterin bei der Hamburger Agentur für Arbeit. „Hierfür untersuchen sie auch, wie finanzkräftig und zukunftsfähig ein Unternehmen oder eine Institution ist, prüfen Bilanzen und bewerten weitere, äußere Faktoren, die die finanzielle Entwicklung beeinflussen können.“

Gerade seit der Finanzkrise von 2008 ist die Arbeit von Ratinganalysten immer wichtiger geworden. Doch, so fügt Karolin Babbe-Voßbeck an: „Gefragt ist ihre Kompetenz auch bei Unternehmen, die sich selbst durch Ratings beurteilen lassen wollen.“ Mögliche Arbeitgeber für diesen Beruf sind etwa Unternehmensberatungen oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

Gefragte Finanz- und Bankexperten

Foto von Karolin Babbe-Voßbeck

Karolin Babbe-Voßbeck

Foto: privat

Ratinganalysten kennen sich auf dem Finanz- und Kapitalmarkt aus. Ein grundständiges und/oder weiterführendes Studium in Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre sowie im Finanzdienstleistungs- und Bankbereich bereitet Interessierte am besten auf ihre späteren Aufgaben vor. Auch duale Studienangebote stehen zur Auswahl. Die Berufsberaterin empfiehlt: „Gute Türöffner sind, wie in vielen anderen Studienfächern auch, ein Masterabschluss sowie mehrjährige, einschlägige Berufserfahrung.“ Der Berufseinstieg kann alternativ über eine Ausbildung, zum Beispiel bei einer Bank, und einer anschließenden Weiterbildung zum Bankfachwirt oder Fachwirt für Finanzberatung gelingen. Wesentlich ist das Netzwerken – über Messen, Praktika oder branchenspezifische Tagungen Kontakte zu knüpfen.

Spezielle Akkreditierung des Berufsverbands

Mitglieder des Bundesverbands der Ratinganalysten (BdRA), die spezielles Wissen im Fachgebiet des Credit Ratings nachweisen, können vom BdRA eine spezielle Akkreditierung als „Certified Rating Analyst (BdRA)“ erhalten. So soll die Arbeit von Ratinganalysten gefördert sowie ihre Seriosität geprüft werden. Die Akkreditierung kann durch Bestehen einer Prüfung in Form einer Hausarbeit erbracht werden. Diese enthält ein vom Kandidaten erstelltes Credit Rating Gutachten. „Der Titel wird zunächst für zwei Jahre erteilt, eine Verlängerung um jeweils zwei weitere Jahre ist an den Nachweis über eine eintägige Weiterbildung gebunden“, erklärt Karolin Babbe-Voßbeck. Auch können Mitglieder des Berufsverbands durch eine Fortbildung bei anderen Trägern oder durch einschlägige Berufspraxis im Fachgebiet des Credit Ratings die Zertifizierung beantragen. „Hierzu ist lediglich die Einsendung entsprechender Nachweise erforderlich.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchbegriff: Rating-Analyst/in)

berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchbegriffe: z.B. Finanzen, Wirtschaft)

www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, Studiengänge, Promotion, internationale Kooperationen; Angebot der Hochschulrektorenkonferenz

www.hochschulkompass.de

Bundesverband der Ratinganalysten e.V.

Bundesweiter Zusammenschluss aller Ratinganalysten in Deutschland

www.bdra.de

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Stand: 14.12.2019