Branche in Bewegung

Modellauto steht in einem speziellen Luftstrom-Simulator. Foto: André Braun
Mit ihren zahlreichen Innovationen ist die Automobilbranche stetig im Wandel.
Foto: André Braun

Automobilbranche

Branche in Bewegung

Software und Stoßstange, E-Motor und Einparkassistent: Ein modernes Auto ist ein Wunderwerk verschiedenster technischer Disziplinen. Entsprechend groß ist der Bedarf an Fachkräften in einer der wichtigsten Branchen Deutschlands – trotz großer Veränderungen.

Spätestens als sie ihren Führerschein hatte und selbst hinterm Lenkrad saß, wusste Sabrina Sauter, dass sie auch beruflich etwas mit Autos zu tun haben will. „Hier kann ich etwas Konkretes mitentwickeln“, sagt die 22-Jährige. Nach dem Abitur begann sie daher ein duales Studium der Fahrzeugtechnik in Kooperation mit der ZF Friedrichshafen AG.

Während der Theoriephasen studierte sie an der Dualen Hochschule in Baden-Württemberg. Die Praxisphasen absolvierte sie beim Automobilzulieferer, der zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik zählt. Nach ihrem Bachelorabschluss wurde Sabrina Sauter bei ZF Friedrichshafen übernommen und arbeitet seit Ende 2018 als „Diagnose-Koordinatorin“. Was das genau bedeutet? „Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Unternehmen ZF Friedrichshafen und einem unserer Kunden, einem großen Automobilhersteller“, erklärt sie.

Ihr Schwerpunkt ist die Software für ein Automatikgetriebe. Die gibt es bereits, allerdings wird sie kontinuierlich weiterentwickelt – und Sabrina Sauter sorgt dafür, dass die Wünsche des Kunden bei der Programmierung der Software umgesetzt werden. Dabei arbeitet sie eng mit Kollegen im eigenen Unternehmen sowie beim Automobilhersteller zusammen, stimmt sich mit beiden Seiten ab und testet die Software.

Gefragte Exportbranche

Ein Porträt-Foto von Sabrina Sauter

Sabrina Sauter

Foto: privat

So wie die 22-Jährige entscheiden sich viele für einen Beruf in der Automobilbranche. Schließlich ist diese trotz Dieselskandal weiterhin gut aufgestellt. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) blieben die Umsätze 2018 stabil und stiegen im Vorjahresvergleich sogar marginal um ein Prozent auf 426,2 Milliarden Euro.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Export. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2018 Kraftwagen und Kfz-Teile im Wert von mehr als 230 Milliarden Euro exportiert. Das spiegelt sich bei den Arbeitsplätzen wider: Laut VDA waren im Mai 2019 mehr als 833.000 Beschäftigte bei Automobilherstellern und Zulieferern tätig. Die Branche gehört hierzulande damit weiterhin zu den wichtigen Arbeitgebern.

Wichtige Themen: Klimaschutz und Digitalisierung

Doch die Branche befindet sich derzeit in einem großen Umbruch. Klimaschutz und Digitalisierung sind die zwei wichtigsten Stichwörter. „Die Klimaschutzziele, die in Paris vereinbart wurden, sind für uns handlungsleitend“, sagt VDA-Geschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel. „Unser Ziel ist treibhausgasneutrale, klimaneutrale Mobilität bis zum Jahr 2050.“ Dazu gehören Elektro- und Hybridautos sowie andere alternative Antriebe, beispielsweise mit Erdgas und Wasserstoff. Wenngleich auch hier die Konkurrenz im Ausland nicht schläft.

Die Digitalisierung sorgt ebenfalls für weitreichende Neuerungen in der Branche. Die Idee sind vollvernetzte Fahrzeuge, die per Sprache gesteuert werden und die Fahrer gleichzeitig bei Parkplatzsuche und Routenplanung unterstützen. So soll die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten und Toten reduziert werden (s. Interview „Eine Karriere in der Automobilindustrie ist vor allem eins: vielfältig“).

Gleichzeitig hinterlassen wirtschaftliche Entwicklungen ihre Spuren. Die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg in den Jahren 2017 und 2018 zwar stark an, wie die Bundesagentur für Arbeit meldet. Allerdings war das Beschäftigungswachstum in der Automobilindustrie zuletzt geringer als in anderen Branchen. Für diese Abschwächung gibt es laut den BA-Experten eine Vielzahl von Gründen: internationale Handelskonflikte, Brexit, Dieselskandal sowie Probleme mit dem neuen Abgastest seit September 2018.

Künstliche Intelligenz: Fluch, Segen – oder beides?

„Der konjunkturelle Wind wird schärfer, die Wirtschaft kühlt sich ab – das gilt nicht nur für die Automobilindustrie“, sagt Dr. Kurt-Christian Scheel. Deutschlands Automobilhersteller exportieren außerdem viel, wirtschaftliche Schwankungen in anderen Regionen der Welt können hierzulande Folgen haben. Die Unternehmen passen sich aber an, wie der VDA-Geschäftsführer betont. „Sie arbeiten kontinuierlich daran, schneller und effizienter zu werden und die Kosten immer im Griff zu haben.“

Unklar ist allerdings, welche Auswirkungen neue technologische Entwicklungen haben werden. So werden für die Herstellung eines E-Motors weniger Teile und Mitarbeiter benötigt als für einen regulären Antrieb – eine Studie des Fraunhofer Instituts kam 2018 zu dem Ergebnis, dass in der Antriebstechnik rund ein Drittel der Arbeitsplätze wegfallen könnte. Das könnte vor allem Zulieferbetriebe treffen. Kritiker befürchten außerdem, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz ebenfalls die Zahl der Arbeitskräfte verringern könnte.

Der Verband der Automobilindustrie sieht diese Entwicklungen optimistischer. „Schon heute haben wir eine hohe Automatisierung in der Produktion. Teilweise übernehmen Roboter schon ganze Produktionsschritte“, sagt Dr. Kurt Christian Scheel und ist sich sicher, dass künstliche Intelligenz die Flexibilität und Effizienz weiter erhöhen wird. „Das hat viele Vorteile: Die Produktion und Logistik von Autos wird effizienter, CO2-Emissionen werden eingespart und neue Berufe entstehen.“

„Die Arbeit wird interessanter“

Für den VDA-Experten steht daher fest: „Die Arbeit wird durch die neuen Entwicklungen vielfältiger und interessanter.“ Für all die anstehenden Aufgaben werden Arbeitskräfte gesucht. Das gelte für die großen Automobilkonzerne genauso wie für kleine und mittelständische Unternehmen der Zulieferbranche, „die die Kreativität von jungen Talenten für zukünftige Lösungen brauchen.“

Dabei seien Fachkräfte im MINT-Bereich, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, besonders wichtig, um Innovationen zu entwickeln und sich im internationalen Wettbewerb durchzusetzen. Die Bundesagentur für Arbeit betont ebenfalls, dass die Automobilindustrie überdurchschnittlich viele Experten beschäftigt. So sei der Anteil der Beschäftigten mit akademischem Abschluss höher als in anderen Bereichen, gefragt seien vor allem Informatiker, Maschinenbauingenieure, Ingenieure für technische Produktionsplanung und -steuerung sowie Elektrotechnikingenieure. Im Fachkräftebereich sind es demnach vor allem Berufe des Maschinenbaus, der Betriebstechnik sowie der Fahrzeugtechnik.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Auto).
berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Auto).
studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen findest du im Teilberufsfeld „Auto und Straßenverkehr“.
berufsfeld-info.de/planet-beruf/tbf/auto-strassenverkehr

 

Verband Automobilindustrie (VDA)
www.vda.de

 

Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK)
www.vdik.de

 

Wirtschaftsingenieurin

Datenanalyse für Freude am Fahren

Wenn aus nackten Zahlen Innovationen werden, ist Katja Habitzreither am Werk. Die 25-jährige Wirtschaftsingenieurin analysiert bei BMW in München jeden Tag verschiedene Daten, um die Arbeit des Unternehmens weiter zu optimieren. Begeisterung fürs Auto ist dabei unverzichtbar.

Seit April 2019 arbeitet Katja Habitzreither bei BMW in München. Als Trainee lernt sie dort verschiedene Abteilungen kennen. Derzeit beschäftigt sie sich mit der Digitalisierung der Produktion. „Die Analyse von Daten spielt dabei eine große Rolle“, sagt die Wirtschaftsingenieurin. „Je nach Projekt bekomme ich Daten zu einem Themenkomplex, die ich aufbereite und zu denen ich Grafiken erstelle.“ Außerdem muss sie ihre Ergebnisse einordnen und bewerten: Was haben bestimmte Kennzahlen für die Produktion zu bedeuten? Was muss verändert werden? Was kann man hieraus für andere Bereiche lernen?

Die 25-Jährige ist darüber hinaus in ein internes Projekt involviert, das den Wissensaustausch innerhalb des Unternehmens verbessern soll. „Mittlerweile gibt es viele Mitarbeiter, die in unterschiedlichen Bereichen Daten auswerten.“ Eine stärkere Vernetzung zwischen ihnen soll dazu führen, dass alle voneinander lernen können.

„Finde die Branche faszinierend“

Ein Porträt-Foto von Katja Habitzreither

Katja Habitzreither

Foto: privat

Schon früh interessierte sich die 25-Jährige für die Automobilbranche. „Das ist familienbedingt“, sagt sie. Schließlich sind viele in ihrer Familie in der Branche tätig, darunter auch ihre Mutter, die als Betriebswirtin bei einem großen Zulieferer arbeitet. „Ich habe anfangs noch überlegt, ob die technische Seite wirklich zu mir passt.“ Nach dem Abitur 2012 in Karlsruhe absolvierte sie deshalb ein Praktikum in der Forschungsabteilung von Bosch und war begeistert. Hinzu kommt ihr Enthusiasmus fürs Auto: „Ich finde die Branche faszinierend, weil Autos sehr komplexe Produkte sind und es sehr spannend ist, sie zu produzieren.“

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) begann Katja Habitzreither ihr Bachelorstudium Wirtschaftsingenieurwesen. „Für mich war die Mischung aus Wirtschaft und Technik genau richtig.“ Sie machte ein Praktikum bei Daimler und schrieb ihre Bachelorarbeit in Kooperation mit Bosch über die Bewertung von neuen Produktionsstrategien. Anschließend hängte sie am KIT noch ein Masterstudium an, ebenfalls in Wirtschaftsingenieurwesen, wo neben BWL und Ingenieurwissenschaften auch Volkswirtschaftslehre und Informatik auf dem Studienplan standen.

Nächster Stopp: South Carolina

Und wie sieht ein typischer Arbeitstag für die 25-Jährige aus? „Morgens schaue ich als erstes in meine Mails und verschaffe mir einen Überblick über die Themen und Termine des Tages“, sagt sie. Dann folgt eine Teambesprechung, wo alle ihre Aufgaben vorstellen und besprechen. „Oft gibt es im Laufe des Tages weitere Meetings, ich verbringe aber auch viel Zeit im Büro am Computer.“ Dort wertet sie vorliegende Daten aus oder fordert bei Bedarf neue an.

Wichtig ist bei allen Projekten, dass sie sich für technische Themen und natürlich Autos interessiert. Doch für ihren Job muss sie auch andere Fähigkeiten mitbringen: Sich mit Kollegen und anderen Abteilungen abzusprechen gehört genauso dazu wie genaues Arbeiten, gerade wenn es um die Datenanalyse geht. Zu den Soft Skills zählt außerdem, dass man gut mit unterschiedlichen Situationen umgehen kann – beispielsweise ist manchmal Teamwork, manchmal aber auch selbstständiges Arbeiten gefragt. „Mir gefällt dabei die offene Kultur bei BMW. Ich kann jederzeit jeden alles fragen, jeder teilt sein Wissen gern. Das ist natürlich gerade jetzt am Anfang toll.“

Als nächstes steht ein dreimonatiger Auslandsaufenthalt im BMW-Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina an, im nächsten Jahr folgt eine Station in China. Zurück in München stehen zwei weitere Abteilungen auf dem Programm. Ein Einsatz wird sich um die Einführung von Innovationen im Werk drehen, während der andere noch offen ist. Auch was nach dem Traineeprogramm kommt, ist noch unklar. „Mal schauen, für welchen Bereich ich mich nach meiner 18-monatigen Traineezeit entscheide“.

 

Physiker

Pferdestärken und Physik

Was hat ein Physiker mit Autos zu tun? Abgesehen davon, dass er vielleicht hin und wieder eines fährt? Nun ja … jede Menge! Ein gutes Beispiel ist Jasper Zachow. Der 33-Jährige studierte Physik und arbeitet nun beim Autobauer Volkswagen in Wolfsburg.

Experten wie Jasper Zachow sind gefragt in der Autobranche. Insbesondere in den Bereichen Forschung und Entwicklung. Für seine Masterarbeit über „Optische Brennraumtechnik“ verschlug es den Physiker in die „Technische Entwicklung“ bei Volkswagen. Dort entwickelte er eine spezielle Lasermessmethode für Motoren – und fing direkt nach dem Studienabschluss 2012 bei Volkswagen in der Abteilung für Optische Messtechnik an.

„Dort konnte ich direkt an meine Masterarbeit anknüpfen und das Messverfahren weiterentwickeln“, berichtet er. Die Idee: Mithilfe der Messtechnik die bestehenden Motoren verbessern. „Gemeinsam mit anderen Abteilungen und Fachleuten haben wir bei jedem Projekt erst festgelegt, was genau wir verändern wollen, dann habe ich im Labor und am Prüfstand an den Fahrzeugen verschiedene Messungen durchgeführt.“ Später stand die Analyse an – dafür saß der Physiker am Rechner und wertete jede Menge Daten aus. Mit einem der Projekte wollten die Fachleute beispielsweise die Leistung von Erdgasmotoren verbessern.

Lust auf schmutzige Hände?

Ein Porträt-Foto von Jasper Zachow

Jasper Zachow

Foto: privat

„Für diese Arbeit ist technisches Verständnis gefragt. Außerdem muss man die Grundlagen der Programmiertechnik kennen, um die generierten Messdaten richtig analysieren zu können“, erklärt er. Dabei sitzen die Physiker nicht nur im Labor. „Man muss auch Spaß an praktischer Arbeit und Lust darauf haben, sich mal die Hände schmutzig zu machen“, sagt Jasper Zachow. Schließlich kann es vorkommen, dass ein Fahrzeug mit einem Schraubenschlüssel selbst umgebaut werden muss.

Nach seinem Abitur und Zivildienst in Hannover ging Jasper Zachow zunächst nach Göttingen und begann ein Bachelorstudium der Physik an der Georg-August-Universität. Ab dem dritten Semester legte er seinen Schwerpunkt auf die Festkörper- und Materialphysik und beschäftigte sich dabei mit verschiedenen Werkstoffen und Materialien. „Das Studium war gut für die Theorie und Grundlagenforschung, aber ich wollte mich anschließend anwendungsorientiert weiterentwickeln“, erinnert er sich. Deswegen hängte er an der Leibniz Universität in Hannover noch den Master „Optische Technologien“ dran, der Physik, Maschinenbau und Elektrotechnik verbindet.

Interdisziplinäre Arbeit macht viel Spaß

In dieser Zeit knüpfte Jasper Zachow erste Kontakte zu Volkswagen in Wolfsburg. Zuerst absolvierte er dort ein mehrmonatiges Praktikum und schrieb eine Studienarbeit bei Volkswagen, dann kehrte er für seine Masterarbeit zurück.

„Wichtig bei meiner Arbeit ist, dass man in einem Team mit Menschen aus unterschiedlichsten Fachgebieten arbeiten kann und dabei offen für andere technische Fragestellungen ist“, findet er. Als Physiker kannte er sich zum Beispiel nicht richtig mit Motoren aus, ließ sich von den Kollegen den Aufbau dann aber im Detail zeigen, um zu verstehen, was genau verändert werden soll. „Die Arbeit bei VW ist interdisziplinär und das macht mir viel Spaß.“
Nach gut fünf Jahren wollte Jasper Zachow näher an den Fahrzeugen arbeiten und wechselte die Abteilung. Zunächst beschäftigte er sich mit mobilen Onlinediensten: den technischen Komponenten, die Autofahrern helfen, einen Stau oder den nächstgelegenen Parkplatz anzuzeigen. Immerhin ist Digitalisierung ein zentrales Thema bei Volkswagen.

Viel Koordination bis zur neuen Stoßstange

Seit Mitte 2018 ist Jasper Zachow nun „Assistent der Leitung der Produktoptimierung“. Dort laufen alle Projekte im Unternehmen zusammen, die mit der Optimierung der Fahrzeuge zu tun haben. Soll etwa eine neue Stoßstange für ein Automobil entwickelt werden, kann das Auswirkungen auf die Karosserie und das Design des Wagens haben. Dafür müssen unterschiedliche Abteilungen und Fachleute zusammengebracht und die Arbeit koordiniert werden. „Ich helfe dem Leitungsteam dabei, die Absprachen und Termine bei diesen Abläufen zu organisieren und zu planen.“

Sein Wissen über Fahrzeuge würde Jasper Zachow in der Zukunft gern noch erweitern, beispielsweise bei einem Job außerhalb der Entwicklung: im Vertrieb. Konkrete Pläne für die nächste berufliche Station im Unternehmen hat der 33-Jährige allerdings noch nicht. „Bei VW habe ich ja viele Möglichkeiten, rund ums Automobil zu arbeiten – möglicherweise mal an einem der vielen Standorte im Ausland.“

 

Automobilbranche – Interview

„Eine Karriere in der Automobilindustrie ist vor allem eins: vielfältig“

Mit welchen Trends beschäftigt sich die Automobilbranche? Und was sollten Berufsanfänger mitbringen? Antworten darauf gibt Dr. Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin.

abi» Was gibt es für aktuelle Entwicklungen und Trends in der Branche?

Kurt-Christian Scheel: Die Automobilindustrie erlebt momentan den wahrscheinlich größten Wandel, seit es das Auto gibt. Die Branche wird in zehn Jahren ganz anders aussehen und gerade deshalb ist es so spannend wie nie, eine Karriere in der Automobilindustrie zu starten. Uns beschäftigen zwei sehr spannende und große Trends: Klimaschutz, Elektromobilität und alternative Antriebe sowie Digitalisierung und automatisiertes Fahren.

abi» Was heißt das genau?

Kurt-Christian Scheel: Klimaschutz ist uns ein großes Anliegen. Viele Tausend Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten täglich daran, Autos zu entwickeln, die morgen klimaneutral auf der Straße fahren. Bis 2023 werden deutsche Hersteller 150 verschiedene Elektroautos oder Hybridautos anbieten – eine Verfünffachung gegenüber heute. Damit die Menschen Elektroautos kaufen, müssen sie sie aufladen können. Entsprechende Möglichkeiten müssen schnell aufgebaut werden.
Der zweite große Bereich ist die Digitalisierung und Vernetzung von Fahrzeugen. Unser Ziel ist, dass es keine Verkehrstoten oder Schwerverletzten mehr gibt: Das nennen wir „Vision Zero“. Einige Beispiele: Durch Stauassistenten wird der Fahrer während eines Staus entlastet; Anfahren und Bremsen kann das Auto dann allein. Mit Park-Apps werden wir keine Parkplätze mehr suchen müssen, das machen App und Auto dann für uns. Langfristig werden Autos immer seltener Eingriffe des Fahrers benötigen – und beim vollautonomen Fahren überhaupt nicht mehr.

abi» Welche Voraussetzungen, Eigenschaften und (Soft) Skills sollte man für die Branche mitbringen?

Ein Porträt-Foto von Dr. Kurt-Christian Scheel

Dr. Kurt-Christian Scheel

Foto: privat

Kurt-Christian Scheel: Unsere Unternehmen suchen qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Ausbildungsberufen und Studienrichtungen. Wir brauchen junge Menschen mit Leidenschaft für Technik, aber auch für Betriebswirtschaft und Informatik, die sich für die Zukunft der Mobilität interessieren. Generell ist es immer gut, wenn man als Bewerber oder Berufseinsteiger viel Eigeninitiative zeigt und Probleme selbstständig und lösungsorientiert angeht.
Da unsere Unternehmen weltweit aufgestellt sind, ist interkulturelle Kompetenz sehr wertvoll. Ein Auslandssemester oder -praktikum lohnt sich in jedem Fall. Die komplexen Themen, mit denen sich die Unternehmen täglich beschäftigen, erfordern Teamfähigkeit, Kreativität und die Bereitschaft, immer wieder neue Wege zu gehen. Eine Karriere in der Automobilindustrie ist vor allem eins: vielfältig. Mobilität hat viele verschiedene Facetten.

abi» Welche Tipps können Sie für den Berufseinstieg geben?

Kurt-Christian Scheel: Immer neugierig bleiben, niemals die Lust am Lernen verlieren, Leistungsbereitschaft zeigen und leben, und ein breites Netzwerk aufbauen.

abi» Was bedeuten die Themen Digitalisierung und Elektrifizierung für die Ausbildung der künftigen Kfz-Mechatroniker?

Kurt-Christian Scheel: Der Kfz-Mechatroniker ist für die Branche ein wichtiger Ausbildungsberuf. Durch die aktuellen technischen Entwicklungen wird die Arbeit immer interessanter. Neue Fragestellungen entwickeln sich, die Unternehmen stellen ihre Prozesse um. Deswegen werden vernetztes Denken und ein gutes Verständnis des Zusammenspiels von Mechanik, Elektrik, Elektronik und IT immer wichtiger.

 

Automobilbranche – Übersicht Berufs- und Arbeitsfelder

Vier Räder für eine spannende Karriere

Kfz-Mechaniker und Betriebswirte: Die Automobilbranche bietet vielfältige Möglichkeiten. abi» stellt einige Studien- und Ausbildungsberufe vor.

Studienberufe

Betriebswirt/-in – Automobilwirtschaft

Aufgaben: die Geschäftsaktivitäten eines Automobilhandelsbetriebes beziehungsweise die Handelsaktivitäten eines Automobilherstellers planen, organisieren und überwachen

Mögliche Arbeitgeber: Automobilhandelsunternehmen, Automobilhersteller

Mehr zum Berufsbild „Betriebswirt/-in – Automobilwirtschaft“ auf BERUFENET>>

Ingenieur/in – Fahrzeugelektronik

Aufgaben: kraftfahrzeugspezifische elektronische Bauteile und -gruppen planen und deren Fertigung organisieren; außerdem tätig in Qualitätssicherung, im Kundenservice oder im Vertrieb

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe der Fahrzeug- und Elektroindustrie, Softwareanbieter und IT-Dienstleister, Ingenieurbüros für technische Fachplanung

Mehr zum Berufsbild „Ingenieur/in – Fahrzeugelektronik“ auf BERUFENET>>

Ingenieur/in – Fahrzeugtechnik

Aufgaben: Straßen- und Schienenfahrzeuge für den Personen- und Güterverkehr entwickeln und konstruieren, Fertigungsprozesse steuern und überwachen; daneben unter anderem Aufgaben im Kundendienst oder im Vertrieb von Fahrzeugen beziehungsweise von Fahrzeugkomponenten wahrnehmen

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe des Fahrzeugbaus und der Zulieferindustrie, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Hersteller land- und forstwirtschaftlicher Maschinen, Ingenieurbüros für technische Fachplanung

Mehr zum Berufsbild „Ingenieur/in – Fahrzeugtechnik“ auf BERUFENET>>

Ausbildungsberufe

Automobilkaufmann/-frau

Aufgaben: kaufmännische und organisatorische Aufgaben im Kraftfahrzeughandel übernehmen, zum Beispiel Fahrzeuge und Zubehör disponieren, Kunden im Service und Vertrieb beraten, Unterlagen für den Verkauf vorbereiten, bei Marketingmaßnahmen mitwirken

Mögliche Arbeitgeber: Kraftfahrzeug- und Kraftfahrzeugteilehandel (etwa Autohäuser, Fahrzeugimporteure), Automobilhersteller

Mehr zum Berufsbild „Automobilkaufmann/-frau“ auf BERUFENET>>

Kraftfahrzeugmechatroniker/in – Karosserietechnik

Aufgaben: Fahrzeugkarosserien, Karosseriesysteme wie Schließ- oder Verdeckanlagen und fahrzeugtechnische Systeme warten und reparieren

Mögliche Arbeitgeber: Reparaturwerkstätten, Karosseriebaubetriebe, Hersteller und Ausrüster von Kraftwagen

Mehr zum Berufsbild „Kraftfahrzeugmechatroniker/in – Karosserietechnik“ auf BERUFENET>>

Kraftfahrzeugmechatroniker/in – System- und Hochvolttechnik

Aufgaben: Kraftfahrzeuge warten, insbesondere solche mit Elektro- oder Hybridantrieb, fahrzeugtechnische Systeme prüfen, Reparaturen durchführen und die Fahrzeuge mit Zusatzeinrichtungen, Sonderausstattungen und Zubehörteilen ausrüsten

Mögliche Arbeitgeber: Reparaturwerkstätten, Hersteller von Kraftwagen

Mehr zum Berufsbild „Kraftfahrzeugmechatroniker/in – System- und Hochvolttechnik“ auf BERUFENET>>

 

Branchenumfrage

Einstellungspraxis: Automobilbranche

Folgende Firmen haben sich an unserer Branchenumfrage beteiligt und zu ihrer Einstellungspraxis Angaben gemacht:

Schaeffler Gruppe

Kontakt

Ansprechpartnerin: Dr. Christian Schlichtenmayer, Leiter Global Recruiting

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
Weltweit ca. 92.500 / k. A.

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
Durchschnittlich in den letzten Jahren in Deutschland:
1.500 Mitarbeiter (ohne Azubis) / davon 300 Hochschulabsolventen

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf

E-Mobilität

Industrie 4.0

Digitalisierung

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)

Ingenieurwissenschaften
IT
Wirtschaftswissenschaften
Mechatronik

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse 

Abhängig vom jeweiligen Stellenprofil

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten 

Duales Studium in den Bereichen Engineering, Wirtschaftswissenschaften und IT;
Berufsausbildung in kaufmännischen, technischen und IT-Bereichen

Abschlussarbeiten möglich?
Ja

>> nach oben

HELLA GmbH & Co. KGaA

Kontakt
Global Recruiting & HR Marketing

www.hella.de/karriere

personalmarketing@hella.com

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss 
Weltweit ca.40.000,  In Deutschland ca. 10.000

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
ca. 150 Mitarbeiter

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf

Elektronikentwicklung, z. B. im Bereich
Energiemanagement oder
Autonomes Fahren /
Fahrerassistenzsysteme

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)

Elektrotechnik
Angewandte
Informatik
Mechatronik
Wirtschaftsingenieurwesen
Maschinenbau

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse

Engagement,
Eigeninitiative &
Begeisterungsfähigkeit
gute Englischkenntnisse

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten

Duales Studium in den Bereichen Elektrotechnik,
Angewandte Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Mechatronik, Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre

Viele verschiedene Ausbildungsberufe, z. B. Industriekaufmann (m/w/d) oder Fachinformatiker (m/w/d)

Abschlussarbeiten möglich?

Ja, Praktika und Abschlussarbeiten in allen Unternehmensbereichen möglich

>> nach oben

Robert Bosch GmbH

Kontakt

www.bosch.de/kontakt

www.facebook.com/BoschKarriere

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
weltweit über 410.000

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
K. A.

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf

Chassis Systems Control (innovative Komponenten, Systeme und Funktionen der Fahrzeugsicherheit, -dynamik und
Fahrerassistenz für das automatisierte Fahren)

Geschäftsbereich Automotive Electronics (Steuergeräte, Halbleiterbauelemente und Sensoren für das Internet der Dinge
und die vernetzte Fertigung)

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)

Siehe www.bosch-career.de

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse

Viele Aufgabenfelder bauen auf folgenden Studiengängen auf:
Informatik und Wirtschaftsinformatik
Ingenieurwissenschaften, insbesondere Maschinenbau und Elektrotechnik
Physik
Wirtschaftsingenieurwesen
Wirtschaftswissenschaften

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten

Duales Studium
(drei Monate Studium an einer Hochschule/Berufsakademie, drei Monate im Unternehmen)
Kooperatives Studium
(Kombination aus Ausbildung und Bachelorstudium.)
Studium mit vertiefter Praxis
(Praxissemester im Unternehmen und zusätzlich
verschiedene Praktika während der Semesterferien.)
Alle freien Stellen unter:
www.bosch.de/karriere/starten-sie-ihre-karriere/schueler/studium

Abschlussarbeiten möglich?
Ja, aktuelle
Angebote unter
www.bosch.de/karriere/jobs

>> nach oben

Magna International (Germany) GmbH

Kontakt
www.magna.com/de/unternehmen/karriere

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
K.A. /33 Prozent

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
1.200 Mitarbeiter / 150 Hochschulabsolventen

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf

Gesamtfahrzeug und Antriebs- und Sichtsysteme mit den
Schwerpunkten Elektrifizierung, Automatisierungstechnik, Mechatronik, Gesamtfahrzeug, Software/IT, Hybridisierung

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen) 

Grundsätzlich alle Ausbildungs- und Studienfachrichtungen im Bereich MINT wie Elektrotechnik, Informatik, Mathematik,
Naturwissenschaft und Produktion/Logistik, Technik/Ingenieurwesen

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse 

Businesssprache Englisch (nicht zwingend erforderlich bei
Ausbildungsberufen)

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten 

Kooperationsprogramme mit Hochschulen, Praktika, duale Hochschul- und Traineeprogramme, Ausbildungsprogramme,
Werkstudierendentätigkeiten

Abschlussarbeiten möglich?

Ja (Bachelor und Master)

>> nach oben

 

abi» Animation

Mit Vollgas in die Zukunft

Klemmende Flügeltüren, mattgrauer Lack und ein verrückter Wissenschaftler am Steuer – so sieht das Auto der Zukunft aus. Allerdings nur im 80er-Blockbuster „Zurück in die Zukunft“. Fernab der Leinwand dürften die PS-Boliden von morgen doch deutlich schicker daherkommen. Und jede Menge Features mitbringen – Zeitreisen mal ausgenommen. Die abi» Animation wirft einen Blick in die Glaskugel.

 


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Vier Räder für eine spannende Karriere

  • Pferdestärken und Physik

  • „Eine Karriere in der Automobilindustrie ist vor allem eins: vielfältig“

  • Mit Vollgas in die Zukunft

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 16.02.2020