beruf & karriere

Automobilbranche – Interview

„Eine Karriere in der Automobilindustrie ist vor allem eins: vielfältig“

Mit welchen Trends beschäftigt sich die Automobilbranche? Und was sollten Berufsanfänger mitbringen? Antworten darauf gibt Dr. Kurt-Christian Scheel, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin.

Frau überprüft Luxusauto vor einer Übergabe. Foto: Martin Rehm

Moderne Autos - viel mehr als ein Fortbewegungsmittel.

abi» Was gibt es für aktuelle Entwicklungen und Trends in der Branche?

Kurt-Christian Scheel: Die Automobilindustrie erlebt momentan den wahrscheinlich größten Wandel, seit es das Auto gibt. Die Branche wird in zehn Jahren ganz anders aussehen und gerade deshalb ist es so spannend wie nie, eine Karriere in der Automobilindustrie zu starten. Uns beschäftigen zwei sehr spannende und große Trends: Klimaschutz, Elektromobilität und alternative Antriebe sowie Digitalisierung und automatisiertes Fahren.

abi» Was heißt das genau?

Kurt-Christian Scheel: Klimaschutz ist uns ein großes Anliegen. Viele Tausend Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten täglich daran, Autos zu entwickeln, die morgen klimaneutral auf der Straße fahren. Bis 2023 werden deutsche Hersteller 150 verschiedene Elektroautos oder Hybridautos anbieten – eine Verfünffachung gegenüber heute. Damit die Menschen Elektroautos kaufen, müssen sie sie aufladen können. Entsprechende Möglichkeiten müssen schnell aufgebaut werden.
Der zweite große Bereich ist die Digitalisierung und Vernetzung von Fahrzeugen. Unser Ziel ist, dass es keine Verkehrstoten oder Schwerverletzten mehr gibt: Das nennen wir „Vision Zero“. Einige Beispiele: Durch Stauassistenten wird der Fahrer während eines Staus entlastet; Anfahren und Bremsen kann das Auto dann allein. Mit Park-Apps werden wir keine Parkplätze mehr suchen müssen, das machen App und Auto dann für uns. Langfristig werden Autos immer seltener Eingriffe des Fahrers benötigen – und beim vollautonomen Fahren überhaupt nicht mehr.

abi» Welche Voraussetzungen, Eigenschaften und (Soft) Skills sollte man für die Branche mitbringen?

Ein Porträt-Foto von Dr. Kurt-Christian Scheel

Dr. Kurt-Christian Scheel

Kurt-Christian Scheel: Unsere Unternehmen suchen qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Ausbildungsberufen und Studienrichtungen. Wir brauchen junge Menschen mit Leidenschaft für Technik, aber auch für Betriebswirtschaft und Informatik, die sich für die Zukunft der Mobilität interessieren. Generell ist es immer gut, wenn man als Bewerber oder Berufseinsteiger viel Eigeninitiative zeigt und Probleme selbstständig und lösungsorientiert angeht.
Da unsere Unternehmen weltweit aufgestellt sind, ist interkulturelle Kompetenz sehr wertvoll. Ein Auslandssemester oder -praktikum lohnt sich in jedem Fall. Die komplexen Themen, mit denen sich die Unternehmen täglich beschäftigen, erfordern Teamfähigkeit, Kreativität und die Bereitschaft, immer wieder neue Wege zu gehen. Eine Karriere in der Automobilindustrie ist vor allem eins: vielfältig. Mobilität hat viele verschiedene Facetten.

abi» Welche Tipps können Sie für den Berufseinstieg geben?

Kurt-Christian Scheel: Immer neugierig bleiben, niemals die Lust am Lernen verlieren, Leistungsbereitschaft zeigen und leben, und ein breites Netzwerk aufbauen.

abi» Was bedeuten die Themen Digitalisierung und Elektrifizierung für die Ausbildung der künftigen Kfz-Mechatroniker?

Kurt-Christian Scheel: Der Kfz-Mechatroniker ist für die Branche ein wichtiger Ausbildungsberuf. Durch die aktuellen technischen Entwicklungen wird die Arbeit immer interessanter. Neue Fragestellungen entwickeln sich, die Unternehmen stellen ihre Prozesse um. Deswegen werden vernetztes Denken und ein gutes Verständnis des Zusammenspiels von Mechanik, Elektrik, Elektronik und IT immer wichtiger.

abi» 07.10.2019

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