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Weltraumwirtschaft – Interview

„Feld für Entdecker und Revolutionäre“

Welche Wege führen in die Weltraumwirtschaft? Und welche Trends dominieren die Branche? Antworten gibt Nicole Thalhofer, Leiterin Raumfahrt beim Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie BDLI.

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Die Raumfahrt ist ein Feld für Entdecker und Revolutionäre.

abi» Frau Thalhofer, geht es für die Raumfahrt immer nach oben? Und welche Trends erwarten Sie für die Zukunft?

Nicole Thalhofer: Raumfahrt ist ein unverzichtbarer Triebfaktor für Innovationen in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Wir gehen daher von weiterem Wachstum aus. Ein Engpass könnten in Zeiten von Corona die öffentlichen Investitionen und Aufträge sein, auf die die Branche angewiesen ist. Damit deutsche Unternehmen ihre technologischen Stärken ausspielen können, brauchen wir hier noch mehr Engagement.

abi» Ist Ihrer Meinung nach also die Politik gefordert?

Nicole Thalhofer

Nicole Thalhofer: Ja, in der aktuellen weltpolitischen Lage mehr denn je. Raumfahrt bedeutet immer internationale Zusammenarbeit. Aber in Europa müssen wir verstärkt auch auf Souveränität und Unabhängigkeit von Technologien und Systemen anderer Nationen setzen. Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo ist ein gutes Beispiel. Wer in der Raumfahrtindustrie arbeitet, sichert auch die Grundlagen für ein starkes Europa.

abi» Wo kann man andocken, wenn man in der Raumfahrt arbeiten will?

Nicole Thalhofer: Für jedes Temperament gibt es die passende Möglichkeit. Die internationalen Raumfahrtagenturen und in Deutschland das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sind Arbeitgeber im institutionellen Bereich. Es gibt die großen Systemhäuser, die im Auftrag dieser Agenturen Technologien und Systeme entwickeln. Wer lieber im mittelständischen Bereich arbeitet, für den sind spezialisierte Zulieferbetriebe das Richtige. Und wer in einem noch innovativeren Umfeld tätig sein will, kann bei Start-ups an der Entwicklung und dem Betrieb kommerzieller Systeme mitwirken.

abi» Ist die Raumfahrt ein Nischenthema für Science-Fiction-Fans?

Nicole Thalhofer: Die Raumfahrt wird zahlenmäßig nie die Größe manch anderer Industriebereiche erreichen, das steht fest. Hier zählt Qualität. Ich kann mir keine spannenderen Berufsperspektiven vorstellen: Raumfahrt ist breit aufgestellt, was Technologien und Anwendungsmöglichkeiten angeht. Sie ist internationaler als alle anderen Sektoren. Und definitiv ein Feld für Entdecker und Revolutionäre. Die Faszination des Weltraums bleibt ungebrochen.

abi» Welche Tipps haben Sie für eine Karriere in der Weltraumwirtschaft?

Nicole Thalhofer: Die Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen technologischer Studiengänge, Ingenieure oder Informatikexperten sind vielfältig. Aber auch Juristen und Wirtschaftswissenschaftler werden gebraucht. Über Trends und Technologieperspektiven kann man sich online gut informieren. Empfehlenswert ist die digitale Jobmesse „skyforward“ des BDLI, die es seit 2019 gibt. Wir planen trotz Corona für den Mai 2021 eine Veranstaltung.

(Mehr zu den Ausbildungs-, Studien- und Weiterbildungsberufen in der Weltraumwirtschaft im Artikel „Berufe rund ums Weltall“)

Stand: 26.11.2020

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