Berufswunsch: Berühmt sein

Das Meininger Theater von innen
Ein Leben in Ruhm findet nicht nur auf der Theaterbühne statt. Die sozialen Medien bieten neue Möglichkeiten.
Foto: Karsten Socher

Ich will berühmt werden – Wunsch und Wirklichkeit

Berufswunsch: Berühmt sein

Der Traum vom Ruhm – unzählige Menschen träumen ihn, doch nur für wenige wird er tatsächlich wahr. Doch ab wann genau gilt man eigentlich als berühmt? Und wie haben das Internet und die sozialen Medien die Möglichkeiten berühmt zu werden verändert?

Mancher Ruhm währt nur kurz, manche berühmte Persönlichkeiten gehen in die Geschichte ein. „Während früher vor allem die Adeligen in einer Monarchie aufgrund ihrer Abstammung, ihres Standes berühmt waren, hat Berühmtheit in der modernen Gesellschaft vor allem mit Leistung zu tun“, erklärt der Soziologe Prof. Dr. Hermann Strasser, der mehrere Abhandlungen zu diesem Thema verfasst hat. Ab wann jemand als berühmt gilt, definiert er folgendermaßen: „Erstens wird der Prominente von mehr Leuten erkannt, als er selbst kennt. Zweitens sind Promis ständig überall zu sehen, auf allen Kanälen und in allen Spalten der Presse“, so der Soziologe. „Drittens versuchen Promis, ihren Status durch eine soziale Haltung zu bekräftigen, um so den Erwartungen der Öffentlichkeit zu entsprechen.“

Die eigenen Fähigkeiten einschätzen können

Ein Porträt-Foto von Hermann Strasser

Hermann Strasser

Foto: privat

Ein Rezept fürs Berühmtwerden gibt es nicht. Auch wenn etwa Castingshows das gerne suggerieren. Berühmtheit erlangen kann man in nahezu allen Bereichen: zum Beispiel als Unternehmer, Showstar, Opernsänger, Wissenschaftler, Tennisprofi oder Topmodel. Berühmtsein bedeutet laut Hermann Strasser dabei zweierlei: Gefeiert werden und herausragen. „Deshalb spricht man auch von ‚Celebrities‘, den Gefeierten, und den Prominenten, weil sie herausragen, wie das lateinische Wort ‚prominere‘ andeutet.“ Doch nicht immer ist Prominenz gleichzusetzen mit großer oder sogar internationaler Bekanntheit. „Sogenannte C-Prominente sind oft nur kurzzeitig bekannt, manchmal wird ihre Bekanntheit eher negativ registriert. Beispiele sind Auftritte in Casting-Shows oder Ehe- bzw. Ex-Partner von A-Prominenten.“

Eine Studie des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW) besagt, dass rund 30 Prozent der 14- bis 21-Jährigen berühmt werden wollen. Dennoch hört Berufsberater Michael Wenzler von der Agentur für Arbeit in Esslingen diesen Wunsch für die Zukunft nicht allzu häufig. „Berühmtheit als explizites Berufsziel wird selten genannt. Eine ganze Reihe von Abiturienten wünscht sich aber, in den Bereichen Sport, Musik, Schauspiel, Tanz oder im Internet erfolgreich zu werden und dort Geld zu verdienen – und damit natürlich auch Berühmtheit zu erlangen.“

In der Regel könnten die Abiturienten ihre eigenen Fähigkeiten und die Situation allgemein sehr gut einschätzen. „Wie etwa ein Fußballer, der mit 18 bei einem Regionalverein unterschrieben hat und dem bewusst ist, dass es, wenn er nicht in den nächsten ein bis zwei Jahren entdeckt wird, vermutlich nichts mit der Fußballerkarriere wird“, erklärt der Berater. „Dennoch ist es wichtig, dass man es versucht. Von so einem Ziel von vorneherein abraten würde ich deshalb nicht. Man sollte sich allerdings klarmachen, dass es ein weiter Weg dorthin ist, den nur wenige schaffen.“

Influencer – die neuen Promis

Ein Porträt-Foto von Jörg-Michael Wenzler

Jörg-Michael Wenzler

Foto: privat

Durch die sozialen Netzwerke ist in den letzten Jahren eine neue Art von Berühmtheiten entstanden, die sogenannten „Influencer“. „Bei Kindern und Jugendlichen sind Influencer mittlerweile beliebter als Sportler oder Schauspieler“, sagt Hermann Strasser. Ihr Geld verdienen sie häufig mit Werbedeals und Kooperationen mit Unternehmen. Diese profitieren von einem modernen Image und einer Steigerung des Umsatzes, die die Influencer ihnen einbringen. „Eigentlich nichts Neues, wenn wir an die seit Jahrzehnten kursierenden Werbeverträge für Spitzensportler denken. Auch die Influencer werden von ihren Fans berühmt gemacht. Die Zahl der Klicks wird zur Meinung, der Meinungsmacher zum Influencer, der Influencer zur Macht. Kein Wunder, dass immer mehr junge Menschen Blogger oder Influencer sogar als Berufswunsch angeben.“

Hauptsache berühmt werden, egal womit? Das hält der Berufsberater für unrealistisch. Ohne Vorkenntnisse oder Erfahrungen auf einem bestimmten Gebiet sei es laut Michael Wenzler äußerst schwer, Bekanntheit zu erlangen. „Fast alle erfolgreichen Schauspieler, Regisseure oder Influencer haben klein angefangen. Mit einer Schauspiel-AG in der Schule, einer Laien-Theatergruppe oder mit kleinen Filmen auf YouTube.“ Für Berufe wie Musiker oder Schauspieler ist zudem eine entsprechende Ausbildung sinnvoll. „Allerdings ist es nicht leicht, einen Platz an einem Konservatorium, einer Pop-Akademie oder einer staatlichen Schauspielschule zu ergattern. Das wissen die meisten und bereiten sich darauf vor.“

Aber selbst, wenn man es an eine dieser Einrichtungen schafft, heißt das noch lange nicht, dass man berühmt wird und viel Geld verdient. „Man braucht auf jeden Fall viel Idealismus.“ Und für den Fall, dass es mit der Wunscheinrichtung nicht klappt, rechtzeitig einen Plan B. „Kriterien bei der Berufswahl sollten nicht nur die eigenen Wünsche und Ziele sein, man sollte ebenso seine Neigungen und Fähigkeiten berücksichtigen.“ Wichtig sei ein gesundes Realitätsbewusstsein, um die eigenen Chancen richtig einschätzen zu können, und die Bereitschaft, sich mit Alternativen zu beschäftigen.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de

Informationsportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

 

IKW-Jugendstudie „Selfies ungeschminkt“
Befragung des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel e.V. (IKW) von Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren zur Bedeutung von Selfies, Likes und Social Media.
ikw-jugendstudie.org/wp-content/uploads/2019/03/02_Ergebnisse_Selfies_
ungeschminkt.pdf

 

Bitkom-Studie

Studie des Branchenverbands Bitkom laut der 35 Prozent der 14- bis 29-Jährigen gerne als Influencer erfolgreich wären.
www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-Fuenfte-folgt-Online-Stars-in-sozialen-Netzwerken.html

 

Umfrage

Willst du berühmt werden?

Als Rockstar ganze Stadien füllen, Schauspieler in einem Blockbuster, Bestseller-Autor, Erfinder einer bahnbrechenden Technologie, Fußballweltmeister, Supermodel, Influencer, Modedesigner … Wie viel Ruhm wünschen sich junge Leute für ihr zukünftiges Berufsleben? Das hat abi» vier Schüler des Sigena-Gymnasiums in Nürnberg gefragt.

Ashin Topal (16): Nur, wenn ich Menschen damit ein bisschen weiterhelfe

Ein Porträt-Foto von Topal Aysin

Topal Aysin

Foto: Annette Link

„Wenn es klappt, würde ich gerne Medizin studieren. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, etwas anderes Soziales zu machen. Ich möchte mit Menschen zu tun haben, ihnen helfen. Ich höre gerne zu, bekomme schnell Zugang zu Leuten und habe das Gefühl, es fällt anderen leicht, mir zu vertrauen. Berühmt zu werden, ist für mich also eher kein Berufsziel.

Allerdings: Wer gut vernetzt ist, viele Kontakte hat und in seinem Fachgebiet bekannt ist, der kann mehr bewirken. Und das ist schon so ein kleiner Traum von mir. Wenn ich für etwas berühmt werden würde, das die Menschheit ein bisschen weiterbringt, im Sinn einer besseren, gerechteren und heileren Welt, dann wäre ich schon stolz. Ich bin aber realistisch und nehme mir lieber erst mal vor, gut in meinem Beruf zu sein. Außerdem wäre mir meine Privatsphäre zu wichtig, um das Berühmtwerden zu forcieren.“

Thukilan Jeyaratham (16): Ja, damit ich mit Musik Geld verdienen kann

Ein Porträt-Foto von Thukilan Jeyarathan

Thukilan Jeyarathan

Foto: Annette Link

„Ich spiele Klavier und singe. Für mich ist es schon ein Traum, mit R’n’B mein Geld zu verdienen. Um von Musik leben zu können, muss man gut sein; man braucht den Erfolg und mit dem Erfolg kommt die Berühmtheit. Mir ginge es aber immer um mein musikalisches Können und nicht um die Aufmerksamkeit, nicht darum, im Mittelpunkt zu stehen. Das sehe ich eher kritisch.

Ich würde in jedem Fall versuchen, mein Privatleben da rauszuhalten und auf den sozialen Medien so wenig wie möglich von mir selbst preiszugeben. Für mich wäre es jedenfalls keine schöne Vorstellung, ein komplett öffentlicher Mensch zu sein, über den jeder alles weiß oder meint, alles zu wissen.“

Melisa Kaynar (16): Eher nein, weil ich keine Lust auf Shitstorms habe

Ein Porträt-Foto von Melisa Kaynar

Melisa Kaynar

Foto: privat

„Ich kann nicht nachvollziehen, warum es vielen meiner Mitschülern so wichtig ist, auf Instagram viele Follower zu haben. Das ist ja auch eine Form von Bekanntheit, man könnte sagen Berühmtheit, jedenfalls in unserem Umfeld. Ich empfinde das eher als Belastung. Bei allem, was man postet, kann ein Shitstorm über einen hereinbrechen. Berühmt zu sein, stelle ich mir deswegen eher anstrengend vor. Erfolgreich zu sein, Karriere zu machen, wäre mir im Berufsleben allerdings wichtig. Und wenn das dazu führt, dass man sich einen Namen in seinem Fachgebiet macht, dann wäre das sehr schön. Aktuell habe ich vor, Ärztin zu werden. Die ‚Gefahr‘, berühmt zu werden, ist also eher gering.“

Senem Demiral (16): Ja, weil ich von einer Schauspielkarriere träume

Ein Porträt-Foto von Senem Demiral

Senem Demiral

Foto: Annette Link

„Mein Berufswunsch ist es, Schauspielerin zu werden. Ich mag es, Leute zu unterhalten, in andere Rollen zu schlüpfen und kreativ zu sein. Ja, ich gebe zu, ich träume davon, ein Serienstar zu werden. Gesehen zu werden, von vielen Anerkennung zu bekommen, das bedeutet mir viel. Man bekommt als Berühmtheit auch mehr Gehör: Ich denke schon, dass ich als bekannte Schauspielerin bessere Chancen hätte, meine Sicht der Dinge in der Öffentlichkeit zu äußern. Das ist mir wichtig, denn wie jeder andere habe ich etwas zu sagen.

Mir ist schon klar, dass dann alles auf die Waagschale gelegt wird, dass jeder kleine Fehler, auch ganz Privates, in die Öffentlichkeit gezerrt wird, und das will ich wiederum eigentlich nicht. Ich will nicht be- und verurteilt werden. Aber das eine geht wohl nicht ohne das andere.“

 

Interview

„Dahinter steckt meist Narzissmus“

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Köhler, der am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg lehrt, spricht im Interview über die Motive hinter dem Wunsch nach Ruhm und darüber, was berühmte Menschen antreibt.

abi>> Ist der Traum vom Berühmtsein ein Phänomen, das besonders Jugendliche betrifft?

Thomas Köhler: Nein, den Wunsch hegen sowohl jüngere als auch ältere Menschen. Dahinter steckt meist Narzissmus: Man will sich selbst lieben, sich gut fühlen. Das funktioniert am besten, indem man Beachtung findet und Bewunderung durch andere erfährt.

abi>> Wie hat sich das durch die neuen Medien verändert?

Thomas Köhler: Früher war der Weg zum Ruhm ein langer: Wer im Mittelalter Bekanntheit erlangen wollte, dem gelang das nur über Mund-zu-Mund-Propaganda und indem er von Ort zu Ort zog. Im Internetzeitalter reicht heute unter Umständen ein Post, um eine Anhängerschaft auf der ganzen Welt zu gewinnen.

abi>> Was sind neben der Selbstbestätigung weitere Motive für den Drang nach Ruhm?

Ein Porträt-Foto von Thomas Köhler

Thomas Köhler

Foto: privat

Thomas Köhler: Zunächst einmal verdient man als berühmte Persönlichkeit in der Regel viel Geld. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass viele die Abwechslung im Arbeitsalltag reizt. Mal hier, mal dort zu sein, etwas von der Welt sehen – das verbinden viele mit Berühmtheit.

abi>> In Ihrem Buch „Ruhm und Wahnsinn“ haben Sie psychische Erkrankungen bei berühmten Persönlichkeiten wie Virginia Woolf oder Ronald Reagan betrachtet. Laufen berühmte Menschen eher Gefahr, von einer psychischen Störung betroffen zu sein?

Thomas Köhler: Nein. Zumindest in den Fällen, die ich mir angeschaut habe, waren die Erkrankungen keine Folge des Berühmtseins. Es lässt sich aber sagen, dass viele Stars sicherlich nicht unbedingt stabile Persönlichkeiten sind. Vor allem, wenn sie sehr jung den Schritt ins Rampenlicht gemacht haben und ihr Geld mit permanenter Selbstdarstellung verdienen. Bei jemandem, der beispielsweise erst mit 40 in die Politik geht, zuvor einen Beruf erlernt und Kinder in die Welt gesetzt hat, und anschließend ein bekannter Politiker wird, sieht das sicherlich anders aus.

abi>> Welche negativen Seiten kann der Ruhm noch haben?

Thomas Köhler: Je nach Bekanntheit kann man keinen Spaziergang mehr machen, ohne ständig angesprochen zu werden. Und je nach Beruf kann das Berühmtsein einem viel abverlangen: Eine erfolgreiche Geigerin muss jeden Tag viele Stunden spielen, darunter leidet irgendwann auch der Körper. Und gerade, wer früh zur öffentlichen Person wird und sein Geld beispielsweise im Showgeschäft verdient, ohne einen Beruf erlernt zu haben, läuft immer Gefahr, von heute auf morgen „out“ zu sein. Dann bleibt die Frage, wie es weitergeht und woraus man fortan sein Selbstbewusstsein zieht.

 

Unternehmer

Extrem jung und extrem erfolgreich

Mit 13 hat Philipp Riederle seinen Podcast gestartet, mit 15 gründete er sein eigenes Unternehmen. Heute ist der 24-Jährige als Unternehmensberater und Vortragsredner gefragt und wird gerne von Konzernen und Medien eingeladen, um über seine Generation – die Digital Natives – zu sprechen.

Als Kind wollte Philipp Riederle unbedingt Elektroingenieur werden. „Ich habe damals viel Zeit mit meinem Großvater verbracht, der Elektromeister war und in mir sehr früh meine Begeisterung für Technik geweckt hat“, berichtet der 24-Jährige. Noch bevor das erste iPhone in Deutschland auf den Markt kam, überredete der damals 13-Jährige seine Eltern, eines der begehrten Geräte aus den USA zu importieren. „Damit es hier funktionierte, musste ich es hacken. Wie das geht, habe ich im Internet recherchiert.“ Weil er dachte, dass das auch andere interessieren könnte, nahm er einen Video-Podcast auf, in dem er sein Wissen weitergab und den er auf einer selbstprogrammierten Homepage hochlud. „Mein iPhone und Ich…“ wurde so erfolgreich, dass er bis 2013 über 180 Folgen produzierte.

Heute ist Philipp Riederle erfolgreicher Unternehmensberater und Vortragsredner. Die Liste seiner Kunden reicht von Audi bis Siemens. Regelmäßig wird er von TV- und Radiosendern eingeladen, gibt Zeitungsinterviews und ist seit 2018 Mitglied im Beirat „Digitale Wirtschaft“ des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig studiert er seit 2015 Soziologie, Politik und Ökonomie an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.

Unternehmer mit 15

Ein Porträt-Foto von Philipp Riederle

Philipp Riederle

Foto: Christian Kaufmann

Bereits vor neun Jahren, im April 2010, gründete er sein eigenes Medienproduktionsunternehmen. „Jedes Mal, wenn ich damals ein neues Video hochlud, brach der Server meines Internetanbieters wegen des großen Ansturms zusammen. Weil der Anbieter mir schließlich kündigte und um die Traffic-Kosten zu refinanzieren, dachte ich, wäre es an der Zeit, das Ganze zu monetarisieren.“ Zeitgleich interessierten sich immer mehr Unternehmen für ihn und sein Wissen als Digital Native und buchten ihn für Vorträge und Beratungen, in denen er über die Arbeitsweise und das Konsumverhalten seiner Generation sprach.

So jung schon so erfolgreich – wie gelingt das? „Natürlich gehört Glück dazu. Aber vor allem sind harte Arbeit und Disziplin notwendig.“ Seinen Weg hat er mit der Zeit immer bewusster verfolgt. „Ein Jahr vor dem Abi habe ich überlegt: Wie geht es danach weiter?“ Er entschied sich, seine Karriere weiter auszubauen und veröffentlichte 2013 sein erstes Buch, das es gleich auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. 2017 erschien der Nachfolger, in dem er sich damit beschäftigt, welche Anforderungen die digitale Generation an die Arbeitswelt stellt. „Für mich ist es wichtig, mich permanent weiterzuentwickeln, immer dazuzulernen. Aber natürlich brauche ich auch mal eine Pause.“ Nicht selten ist er zwei Wochen am Stück unterwegs, kommt häufig nur am Wochenende in seine Wohnung in Friedrichshafen. „Zuhause sein, mal selbst was kochen, Freunde treffen – das brauche ich, um die Akkus aufzuladen.“ Gerade ist er zu einer zweimonatigen Forschungsreise nach Asien aufgebrochen, um sich mit Unternehmen vor Ort über ihre Digital-Strategien auszutauschen.

„Ich wollte nicht, dass Mitschüler mich mit meinem Erfolg aufziehen“

Während Philipp Riederle ein gefragter Gast in Talkshows und bei Unternehmen ist, hängt er seinen Erfolg privat nicht gerne an die große Glocke. „In der Schule habe ich vor meinen Mitschülern weitestgehend geheim gehalten, was ich so mache, die hatten eine ganz andere Lebensrealität als ich und ich wollte nicht, dass sie mich damit aufziehen. Nur meine engsten Freunde wussten davon.“

Als er mit dem Studium begann, wollte er seinen Job als Unternehmer ebenfalls nicht in den Vordergrund stellen. „Ich wollte Freunde finden, die mit mir Zeit verbringen, weil sie mich mögen und nicht, weil ich ihnen einen Praktikumsplatz besorgen kann.“ Das Geheimhalten gelang ein paar Monate, bis die Unibibliothek sein Buch bewarb und den anderen Studierenden sein Konterfei auf zahlreichen Exemplaren entgegenstrahlte. „Mittlerweile komme ich aber in ein Alter, in dem auch meine Kommilitonen erste berufliche Schritte machen, ich bin kein Exot mehr. Seitdem gehe ich offener damit um.“

 

Influencerin

Fließende Grenzen zwischen Beruf und Privatleben

Ihre Tätigkeit wird oft belächelt, dabei bestreiten Influencer ihren Lebensunterhalt mit ihren Social-Media-Auftritten. Seit 2014 gibt Roxana Strasser (28) ihren Followern auf ihrem YouTube-Kanal und dem dazugehörigen Instagram-Account „Roxis Ecke“ Fitness-, Ernährungs- und Motivationstipps und ist damit sehr erfolgreich.

Sport studieren – das war Roxana Strassers Traum nach dem Abi. Doch der Ausdauertest, den Bewerber im Rahmen der Sporteignungsprüfung ablegen müssen, um zum Studium zugelassen zu werden, machte ihr einen Strich durch die Rechnung. „Ich war acht Sekunden zu langsam und fiel durch. Das hat mich damals so frustriert, dass ich den Traum vom Sportstudium verworfen und zwei Jahre lang keinen Sport gemacht habe“, berichtet die 28-Jährige. Doch dann kam der Punkt, an dem sie unzufrieden mit ihrem Lebenswandel wurde. „Ich habe in der Zeit viel zugenommen und mich ungesund ernährt. Das wollte ich ändern.“

Ein Porträt-Foto von Roxana Strasser

Roxana Strasser

Foto: Fidel Leib

Sie begann, ins Fitnessstudio zu gehen und sich mit gesunder Ernährung zu beschäftigen. „Ich war sieben Jahre lang Trainerin im Leistungsturnen und habe selbst geturnt, seit ich ein Kind war, außerdem war ich auf einem ernährungswissenschaftlichen Gymnasium. Ein Grundwissen über Fitness und Ernährung hatte ich also. Das wollte ich gerne ausbauen und weitergeben“, sagt Roxana Strasser, die zudem Angewandte Freizeitwissenschaft an der Hochschule Bremen studiert hat. Als Ziel setzte sie sich die Teilnahme an einer Bodybuilding-Meisterschaft. Und sie entschloss sich, andere an ihrem Weg teilhaben zu lassen. So entstand ihr YouTube-Kanal „Roxis Ecke“.

Verantwortung gegenüber den Zuschauern

Mit der Zeit kamen immer mehr Zuschauer, die sie auf ihrem Weg begleiteten, hinzu. „Um das Interesse der Menschen zu wecken, brauchst du eine Geschichte. Sie wollen live dabei sein, wie du etwas erreichst, wie du ein Ziel in die Tat umsetzt.“ 2015 belegte sie bei der Ostdeutschen Meisterschaft für Bodybuilding Platz drei, bei der Deutschen Meisterschaft schaffte sie es unter die besten Zehn. „Ich wollte mir und den Zuschauern beweisen, dass ich es schaffen kann. Allerdings habe ich irgendwann gemerkt, dass so ein extremes Fitnesstraining nicht gerade gut für den Körper ist und mir gesagt: Ich habe eine Verantwortung gegenüber meinen Zuschauern – ich sollte vermitteln, was wirklich gesund ist.“

Auch heute besteht ihr YouTube-Kanal, der über 31.000 Abonnenten zählt, vor allem aus Fitnessübungen und -workouts sowie Ernährungstipps, aber einen Fitnesswahn propagieren will sie nicht. Die Grenzen zwischen Job und Privatem sind bei ihr, wie bei den meisten Influencern, fließend. Mal ist Roxana Strasser mit ihrem Freund im Garten ihrer neuen Wohnung am Bodensee zu sehen, mal trainiert sie auf Instagram mit ihrer Mutter, die ebenso bei ihr angestellt ist. Dass sie auf der Straße erkannt oder um ein gemeinsames Foto gebeten wird, gehört mittlerweile zu ihrem Alltag.

Lange Arbeitstage als Standard

Der Aufwand für ein Video, in dem sie ein Sieben-Minuten-Workout zeigt, beträgt einen Tag. Auch bei einem Foto, das sie auf Instagram postet, handelt es sich selten um eine einfache Handyaufnahme. Stattdessen überlegt sich Roxana Strasser im Vorfeld ein Konzept und was sie mit dem Bild aussagen will. Lichtverhältnisse, die richtige Kamera und das passende Objektiv, eine entsprechende Location, Outfit und Styling, Nachbearbeitung der Bilder, ein passender Text – der Aufwand für ein einzelnes Foto ist höher, als manch einer denkt.

Während viele Zuschauer und Kritiker nicht sehen, wie viel Zeitaufwand hinter den Inhalten steckt, die Roxana Strasser kostenlos ins Netz stellt, haben immer mehr Unternehmen in den letzten Jahren begriffen, wie profitabel die Werbung mit Influencern sein kann. So kann die 28-Jährige heute gut von ihren Social-Media-Kanälen und den Werbeverträgen, die sie mit Firmen abschließt, leben. Ihren Erfolg führt sie unter anderem darauf zurück, dass sie sich von Anfang an klare Regeln gesetzt hat: „Ich halte keine Produkte in die Kamera, die ich nicht selbst benutze und die ich nicht vertreten kann. Mir ist es wichtig, mich nicht verstellen zu müssen.“ Aus diesem Grund hat sie schon häufiger lukrative Werbeangebote abgelehnt.

Um sich über Wasser zu halten, nahm sie im ersten Jahr ihrer Selbstständigkeit Aufträge als Fitnessmodel an und konnte sich so die Zeit nehmen, in Ruhe ihren Kanal aufzubauen. Geholfen hat ihr dabei das Wissen, das sie während eines Auslandssemesters in Kalifornien im Social Media Marketing sammeln konnte. „Es muss einem klar sein, dass es ein richtiger Job ist. Am Anfang habe ich oft 15 Stunden am Tag gearbeitet, hatte kaum Privatleben. Mittlerweile hat sich das eingependelt.“

Heute ist ein Tag in der Woche für die Buchhaltung reserviert, von Dienstag bis Sonntag produziert sie Inhalte für ihre Social-Media-Kanäle, besucht Events in ganz Deutschland und kümmert sich um Organisatorisches. Vor Kurzem hat sie das erste Mal nach vier Jahren eine einwöchige Social-Media-Pause eingelegt. „Das habe ich gebraucht. Mal eine Woche das Handy größtenteils ausgeschaltet lassen.“ Denn Feierabend hat die Influencerin eigentlich nie.

 

Schauspieler

„Die Aussicht auf Berühmtheit hat für mich nie eine Rolle gespielt“

Jonas Nay stand schon als Teenager vor der Kamera und ist heute einem großen Publikum unter anderem durch seine Rolle in den TV-Serien „Deutschland 83“ und „Deutschland 86“ bekannt. Doch der 28-Jährige ist nicht nur Schauspieler, sondern tritt auch als Musiker auf.

Eigentlich wollte Jonas Nay Lehrer werden. Musik und Sport wären seine Wunschfächer gewesen. Doch dann kam die Schauspielerei dazwischen. Mit 13 Jahren begann seine Karriere in der NDR-Kinder- und Jugendserie „4 gegen Z“. „Für mich war das damals eher ein besonderes Hobby und weniger eine reale Zukunftsvision. Ich wollte das so lange machen, wie es geht und dann nach der Schule ins ‚wahre Berufsleben‘ einsteigen“, erzählt der 28-Jährige.

Nach dem Abi kam es dann doch anders. Er spielte die Hauptrolle in dem Fernsehfilm „Homevideo“, wofür er mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. „Mit einem Mal wurde ich als Nachwuchsschauspieler bezeichnet und die nächsten Angebote lagen auf dem Tisch. Da wurde mir Stück für Stück klar, dass ich dabei war, eine andere berufliche Laufbahn einzuschlagen.“

Drei große Leidenschaften

Es folgten zahlreiche TV- und Kino-Rollen, unter anderem in der mehrfach preisgekrönten Serie „Deutschland 83“ und deren Nachfolgerin „Deutschland 86“. „Der steigende Bekanntheitsgrad hat mich gerade zu Beginn eher verunsichert. Die Aussicht auf Berühmtheit hat für mich nie eine Rolle gespielt. Klingt vielleicht komisch, aber irgendwie war das für mich kein Faktor“, sagt Jonas Nay. „Wenn Berühmtheit, dann wollte ich die eher als Musiker erlangen. Das war immer mein Kindheitstraum, den ich mit mir rumgetragen habe.“

Auch wenn Jonas Nay heute hauptsächlich als Schauspieler arbeitet, hat er die Musik nicht an den Nagel gehängt. Er studiert Pop- und Jazz-Piano an der Musikhochschule Lübeck und hat regelmäßig Auftritte mit seiner Band „Pudeldame“. „Musik und Sport sind bis heute meine Passionen, die sich neben der Schauspielerei durch mein Leben ziehen. Musik machen, vermitteln und Sport als Ausgleich – ganz besonders Handball spielen.“
Sein ursprünglicher Berufswunsch, sagt Jonas Nay heute, habe ihm geholfen, seine Karriere nicht zu verbissen zu verfolgen. Vielleicht ist genau das sein Erfolgsgeheimnis. „Ich habe bei Castingprozessen ein paar Prozentpunkte weniger als meine Konkurrenten den Drang gespürt, dass das jetzt unbedingt klappen muss, weil ich mit meiner Musik immer einen realen Plan B hatte. In der Retrospektive würde ich sagen, dass mich das empfänglicher für Input meiner kreativen Partner gemacht hat und ich weniger schnell verkrampfte. Der unbedingte Wille, alles richtig zu machen, kann einen beflügeln aber auch blockieren.“

Wenn Jonas Nay nicht dreht, besteht sein Alltag daraus, mit seiner Band Songs zu komponieren, zu proben, aufzunehmen und zu touren. Oder er arbeitet Videoclipkonzepte aus, dreht und schneidet die Clips, komponiert Filmmusik, liest Drehbücher, bereitet sich auf Castings und Drehs vor, besucht Veranstaltungen oder gibt Interviews. Eine exakte Planung ist für ihn wichtig. „Ohne To-Do-List und einen minutiösen Kalender schaffe ich mein Pensum nicht.“ Neben Sport macht die Zeit mit der Familie einen wichtigen Teil seines Privatlebens aus. „Wenn ich drehe, arbeite ich wie in einem Tunnel an meiner Rolle und den Szenen. In den wenigen Stunden, die zwischen zwei Drehtagen liegen, übe ich Text, habe Proben mit Schauspielern und Regie, treibe Sport, esse schnell und schlafe kurz.“

Im Mittelpunkt stehen kann anstrengend sein

Dass das Berühmtsein nicht nur schöne Seiten hat, weiß Jonas Nay aus eigener Erfahrung. „Selbst wenn man versucht, sich davon frei zu machen, man trägt einfach mit sich rum, dass das Verhalten, welches man an den Tag legt, häufig genauer beobachtet wird als das von anderen Menschen. Im Mittelpunkt stehen kann schmeichelhaft sein, aber auch sehr anstrengend.“ Mittlerweile wird er oft auf der Straße erkannt. „Ich werde immer wieder angesprochen, aber ich spüre vor allem die langen Blicke. Meine Heimatstadt Lübeck hat rund 200.000 Einwohner und ich wohne da seit meiner Geburt. Über zwei Ecken kennt man da eigentlich jeden ...“

Die Frage, was er machen würde, wenn er kein Schauspieler wäre, kann Jonas Nay leicht beantworten: „Musik. Noch mehr Musik. Ob als Lehrer oder Künstler, weiß ich nicht genau. Vielleicht beides. Aber ich genieße es unheimlich, zwischen den beiden Welten wechseln zu können.“

 

abi» Quiz

Im Rampenlicht stehen

Nicht nur Schauspieler, Popstars oder Spitzensportler kennt jeder beim Namen. Auch durch außerordentliche wissenschaftliche oder unternehmerische Erfolge kann man Berühmtheit erlangen. Kennst du dich in der Welt der Promis aus? Teste dein Wissen im abi» Quiz.

Foto: Martin Rehm


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Stand: 23.01.2020