Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Bücherwürmer willkommen!

Eine junge Frau liest ein Buch.
Das Bachelorstudium Germanistik gliedert sich in die Bereiche Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft.
Foto: Swen Reichhold

Ich will was machen mit Deutsch

Bücherwürmer willkommen!

Unsere Sprache spielt in allen Berufen und Branchen eine gewisse Rolle. Alle, die sich mit Deutsch intensiver beschäftigen möchten, sollten genauer hinsehen – es eröffnen sich vielseitige und spannende Möglichkeiten damit.

Bücher, Bücher, Bücher: Für Hanna Dittrich (20) sind sie die große Leidenschaft. „In der Schule war Deutsch mein Lieblingsfach. Ich habe Interpretationen, Analysen und Erörterungen geliebt und konnte stundenlang in den Werken von Shakespeare, Goethe und Schiller verschwinden“, schwärmt sie. „Also habe ich mich informiert, wie ich mein Hobby zum Beruf machen kann und bin auf den Studiengang Germanistik gestoßen. Er klang perfekt für mich.“ Sie fand einen Platz an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und befindet sich inzwischen im fünften Semester. „Es handelt sich hier um einen Zwei-Fach-Bachelor. Ich habe mich für das Ergänzungsfach Psychologie entschieden, weil ich mit diesem zusätzlichen Hintergrund später zum Beispiel gut in Fachverlagen arbeiten könnte“, erklärt Hanna Dittrich ihre Studienwahl.

Phonetik und Goethe

Das regulär über sechs Semester laufende Bachelorstudium gliedert sich in die Bereiche Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. Beides kann man in Jena auch separat als Ergänzungsfach studieren. „In der Sprachwissenschaft ging es los mit dem Modul Phonetik, also der Aussprache der einzelnen Buchstaben und Laute“, erklärt die Studentin. „Es folgten die Lexikologie mit der Lehre über die Zusammensetzung einzelner Wörter, dann die Grammatik und schließlich die Textlinguistik, in der wir uns mit den Texten als Ganzes befassen.“

Portraitfoto von Hannah Dittrich.

Hannah Dittrich

Foto: privat

Der Bereich Literaturwissenschaft unterteilt sich in Neuere Deutsche Literatur und Ältere Deutsche Literatur. „Nach einem Überblick über die einzelnen Epochen haben wir begonnen, verschiedenste Texte zu analysieren und zu interpretieren. Außerdem beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, warum Literaturwissenschaft wichtig für unsere Gesellschaft und Kultur ist. Da sind wir in Jena natürlich in einer historisch sehr bedeutsamen Stadt“, findet Hanna Dittrich. Ihre Passion für Bücher kann sie hier voll und ganz ausleben. „Unsere Liste an Pflichtlektüre für das Bachelorstudium umfasst 130 Werke. Davon müssen wir am Ende 40 aussuchen und darüber in einer Lektüreprüfung sprechen.“

Das Verfassen eigener Texte erlernen die Studierenden in einem schreibpraktischen Modul mit wöchentlich neuen Gastdozenten etwa von großen Zeitungen oder dem Goethe-Institut. In einem abschließenden Vertiefungsmodul können literarische Schwerpunkte gesetzt werden. „Ich habe mich für Drama und Theater im 20. Jahrhundert und die ästhetische Darstellung der Frau in den Werken der Moderne entschieden“, erzählt die Germanistik-Studentin.

Für die vorlesungsfreie Zeit steht ein sechswöchiges Pflichtpraktikum an. Hanna Dittrich absolvierte dieses beim Verlag Bastei Lübbe in Köln und machte acht Wochen daraus. „So viel Praxis wie möglich ist ganz wichtig bei diesem Studium. Daher mache ich freiwillig auch noch weitere Praktika, arbeite bei einer Studierendenzeitung und am Lehrstuhl der Universität.“ So kristallisierte sich für sie schon früh ihre berufliche Perspektive heraus. „Nach dem anschließenden Masterstudium ‚Literatur, Kunst, Kultur‘ hier in Jena möchte ich gern in einem Verlag als Lektorin an der Gestaltung von Büchern mitwirken.“ Es stehen ihr beruflich dann aber noch viele andere Türen offen. Sie könnte zum Beispiel als Journalistin, Pressesprecherin oder im kulturellen Bereich arbeiten – oder am Lehrstuhl bleiben.

Bachelor versus Lehramt

Für alle, die wirklich „etwas mit Deutsch“ machen möchten, ist das Studium der Germanistik der naheliegende Weg. Dies bestätigt Mandy Rusch, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Leipzig: „Je nach Hochschule können die Bezeichnungen und Inhalte dabei variieren. So gibt es etwa Studiengänge wie ‚Deutsche Literaturwissenschaft‘. In diesem Fall ist der sprachwissenschaftliche Anteil etwas kleiner.“ Auch die Frage, welcher Abschluss zu den eigenen Zielen passt, gilt es frühzeitig zu klären – möchte man Deutsch vermitteln, ist ein Studium mit Lehramt-Abschluss ratsam, was in den meisten Bundesländern mit dem Staatsexamen verbunden ist. „Mit einem Bachelor-Abschluss ohne Lehrbefähigung können Germanisten zum Beispiel in Verlagen, Redaktionen, Bibliotheken oder Archiven tätig werden. Interessierte sollten sich vorab gut informieren. Die Berufsberatung kann dabei helfen, eine passende Hochschule und den geeigneten Abschluss zu finden“, erklärt Mandy Rusch.

Germanisten und Germanistinnen können grundsätzlich überall dort arbeiten, wo Deutsch als Kernkompetenz gefragt ist – wo also viel kommuniziert wird, wo Informationen aufbereitet und vermittelt werden und wo ein geeigneter und sorgfältiger Umgang mit Sprache und Texten erforderlich ist. „Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch die Bereiche Unternehmenskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und der Social Media-Bereich“, ergänzt die Berufsberaterin. „Viele dieser Aufgabenbereiche sind aber auch mit anderen Qualifikationen zugänglich, insbesondere anderen Geisteswissenschaften oder spezialisierten Studiengängen wie zum Beispiel Kommunikations- und Medienwissenschaften.“

Besonders für das Germanistik-Studium gilt: Eine frühzeitige Orientierung trägt erheblich dazu bei, später beruflich Fuß fassen zu können. „Praktika und studienbegleitende Jobs sind unerlässlich und auch über ein Ergänzungsfach lässt sich das Profil schärfen. Kombinationen mit Informatik oder wirtschaftswissenschaftlichen Modulen lassen die Absolventen auf breiteren Beinen stehen und eröffnen bessere berufliche Einstiegsmöglichkeiten.“ Für Absolventen und Absolventinnen hat Mandy Rusch noch einen Tipp: „Wer bei der Jobsuche ‚Germanist‘ in Jobbörsen sucht, wird eher wenig Ergebnisse erhalten. Besser ist es, nach konkreten Jobprofilen zu schauen. Und auch studienbegleitende Kontakte werden zunehmend wichtiger für die Jobsuche.“

Berufsausbildungen „mit Deutsch“

In vielen Berufen spielt die deutsche Sprache zudem als Randkompetenz eine große Rolle. So müssen auch Juristen oder Schauspieler in ihrem Alltag besonders auf die Verwendung von Sprache achten. „Dabei geht es jedoch mehr um die Kommunikation und weniger um die Sprache an sich“, wiegelt die Berufsberaterin Mandy Rusch ab. „Dies gilt auch für einige Ausbildungsberufe, die Interessierte anstelle eines Hochschulstudiums erwägen könnten. Logopäden und Logopädinnen etwa vermitteln das richtige Sprechen und Kaufleute für audiovisuelle Medien können zwar in Verlagen arbeiten, sind dort aber mehr für die Zahlen zuständig.“ Wer konkret mit Büchern und Quelltexten arbeiten möchte, könnte hingegen mit der Ausbildung zum Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FAMI) der Fachrichtung Bibliothek oder Archiv das Passende finden. Grundsätzlich sollten Interessierte für einen „Beruf mit Deutsch“ einiges mitbringen: Neugier und Freude an der Sprache. Sie sollten außerdem gerne und viel lesen und Spaß daran haben, sich intensiv mit Texten und Worten auseinanderzusetzen.

Und wie sieht es konkret auf dem Arbeitsmarkt aus? Die studienfachbezogene Arbeitslosenquote liegt für Germanisten unter drei Prozent. „Germanisten und Germanistinnen lassen sich jedoch in den Arbeitsmarktstatistiken kaum trennscharf erfassen, da sich ihre Einsatzbereiche mit denen anderer Geisteswissenschaftler überschneiden. Auch die Berufsbereiche Journalismus, Medien und Lehre spielen dabei eine wichtige Rolle“, erklärt Claudia Suttner vom Team Statistik und Arbeitsmarktberichterstattung der Bundeagentur für Arbeit. Rund 270 Arbeitslose waren 2018 durchschnittlich gemeldet, die eine Tätigkeit explizit als Germanist suchten. Dem standen nur 20 gemeldete Stellen gegenüber, die sich explizit an Germanisten wandten. Es ist also notwendig, bei der Berufswahl flexibel zu sein. „Die Statistiken geben dazu einige Zahlen her: So gab es laut Mikrozensus im Jahr 2017 etwa 94.000 Erwerbstätige, die über einen Germanistik-Abschluss verfügen – unabhängig davon, welche Tätigkeit sie aktuell ausüben“, sagt Claudia Suttner.

Weitere Informationen

berufsfeld-Info.de

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.

berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit.
berufe.tv

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Börsenverein des Deutschen Buchhandels

www.boersenverein.de

Deutscher Germanistenverband

www.deutscher-germanistenverband.de

Goethe-Institut

www.goethe.de

Stiftung deutsche Sprache

www.stiftung-deutsche-sprache.de

abi>> 22.11.2019